Lebens-Wandel: Uli Eicke war Olympiasieger. Heute kämpft er als Heilpraktiker gegen besonders hartnäckige Schmerzen.

Vom Leistungssport in die Medizin: Uli Eicke.
Vom Leistungssport in die Medizin: Uli Eicke.

Vom Leistungssport in die Medizin: Uli Eicke.

Bernd Schaller

Vom Leistungssport in die Medizin: Uli Eicke.

Düsseldorf/Wuppertal. Er ist einer der Großen des deutschen Sports. Ein Vorbild. Das sagt nicht nur Walter Tröger, Ehrenpräsident des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB) über Uli Eicke.

Der gebürtige Wuppertaler war einer der besten deutschen Kanuten in den Siebzigern und Achtzigern, dazu von 1987 bis 1995 Leiter des Olympiastützpunkts Köln-Bonn-Leverkusen - und ein streitbarer Mahner gegen Doping im Spitzensport.

Sowohl als Athlet als auch in seiner späteren Laufbahn hat sich Uli Eicke nie von Rückschlägen entmutigen lassen. Selbst, als er bei drei Weltmeisterschaften "immer nur Zweiter war", hat ihn das nicht aus der Bahn geworfen.

Vor den Olympischen Spielen in Los Angeles 1984, seiner letzten Chance auf einen ganz großen Triumph mit 32 Jahren, trainierte Eicke härter als je zuvor. Am 11.August 1984 wurde sein Traum endlich wahr. Schon 150 Meter vor der Zielmarke war klar, dass ihm niemand mehr das ersehnte olympische Gold nehmen konnte.

Dazu gewann Uli Eicke 41deutsche Meisterschaften für die Düsseldorfer Rheintreue, war Aktivensprecher des Deutschen Sportbundes und des Nationalen Olympischen Komitees, Gymnasiallehrer für Sport und Mathematik, ab 1987 leitete er den Olympiastützpunkt.

Auch hat er den Drachenbootsport in Deutschland maßgeblich geprägt: Mit dem von ihm gegründeten Drag Attack-Team Wuppertal wurde er 1996 und 1997 Deutscher Meister und Europameister. Aus Uli Eickes Leben war der Hochleistungssport nicht wegzudenken.

Ulrich "Uli" Eicke wurde am 18. Februar 1952 in Wuppertal geboren. Er nahm an den Olympischen Spielen 1976 und 1984 als Kanute teil. 1985 beendete er seine aktive Sportkarriere. Vor seiner Funktionärslaufbahn versuchte er sich erfolglos als Musiker ("Hey, wir sind alle okay"). Er hat drei Kinder aus zwei Ehen.

Die Entscheidungen im Kanu-Rennen fallen ab Freitag, 22. August (ab 9.45 Uhr im ZDF).

Szenenwechsel zur Benrodestraße 18 in Düsseldorf, zum anderen Uli Eicke. Dem Heilpraktiker, dessen Praxis mittlerweile zu einer Art Wallfahrtsort geworden ist. Hier befreit Eicke Menschen von Schmerzen, die zuvor selbst Operationen nicht besiegen konnten.

Schmerzen, die Uli Eicke nur zu gut kennt: "Mit dem Olympiasieg hatte auch ich eine 20 Jahre lange Schmerzgeschichte hinter mir. Hals-, Brust- und Lendenwirbelsäule, Schulter-, Hüft- und Kniegelenke waren verschlissen", erinnert er sich. "Kein Arzt konnte mir helfen."

Bis Eicke den Freiburger Mediziner und Biokinematiker Walter Packi kennenlernte. Der behandelte Spitzensportler im Sportmedizinischen Institut des Olympiastützpunktes. Er schaffte, woran andere Ärzte immer gescheitert waren. "Meine Schmerzgeschichte hatte ein Ende", sagt Eicke.

Hilfe für Manager, Hausfrauen und Leistungssportler

Mit der Biokinematik hat auch Eicke seine Bestimmung gefunden: Er ließ sich zum Heilpraktiker ausbilden. In seiner Praxis geben sich Patienten die Klinke in die Hand, denen die Orthopäden nicht mehr helfen können: gestresste Manager, Leistungssportler, Hausfrauen. Sein Credo: "Bewegungsarmut und Sitzen am Bildschirm hat Verkürzungen der Muskulatur zur Folge - und damit entsprechende Zivilisationskrankheiten."

Uli Eicke löst den Schmerz, indem er sich den vernachlässigten Muskelgruppen annimmt. Verkürzte Muskeln werden durch Trainingsreize zum Umbau animiert. So behandelt er Rückenschmerzen, Bandscheibenvorfälle, Migräne, Konzentrationsschwächen. "Nach fünf bis zehn Einheiten sind die Patienten meist schmerzfrei. Nur bei Leistungssportlern mit einseitig trainierter Muskulatur kann es länger dauern."

Schmerzen lindern, Schmerzgeschichten beenden - das ist jetzt Uli Eickes Leben. Mit dem Spitzensport hat er abgeschlossen, auch über Olympische Spiele und Doping will er nicht mehr reden. Nur die Kanurennen in Peking, die guckt er doch. "Ich kenne die Jungs wie Andreas Dittmer ja alle noch von früher."

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