Südafrikas Präsident Jacob Zuma rät der Bevölkerung zu Kondomen und gerät selbst durch Sexskandale ins Gerede.

Jacob Zuma.
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Jacob Zuma.

Kapstadt. Die Zulus nennen den Vorgang "Inhlawulo": Zeugt ein Mann mit einer Frau ein uneheliches Kind, so zahlt er der Mutter und deren Familie eine Art Unterhaltsvorschuss. In der Kultur des südafrikanischen Stammes ist das nicht außergewöhnlich. Doch wenn der prominenteste Mann des Volkes diese Praxis anwendet, wird es zum echten Skandal.

Denn dieser Mann heißt Jacob Zuma (67), seit Mai 2009 ist er Präsident Südafrikas. Die "Sunday Times" berichtet, dass am 8. Oktober sein 20.Kind zur Welt gekommen ist, gezeugt mit Sonona (39), der Tochter des Fußball-Funktionärs Irvin Khoza, Präsident des Organisationskomitees der WM 2010. Zuma ist mit ihm befreundet - oder war es zumindest bisher. Aus der Familie des Funktionärs hieß es nun, man sei nicht erfreut.

Der Präsident soll sich nicht benehmen wie ein Gigolo

Zuma bestätigte sowohl das Verhältnis zu Khozas Tochter Sonono als auch die Geburt des Kindes. "Ich habe Verantwortung übernommen und Inhlawulo bezahlt", sagte er. Nun sei das eine Angelegenheit zwischen ihm und der Familie Khozas. Die politischen Gegner schäumen, Rücktrittsforderungen     inklusive. Zuma solle sich endlich benehmen wie ein Staatsmann und nicht wie ein Gigolo, sagte Mosiuoa Lekota von der Cope-Partei. Eine Sex-Therapie empfahl Kenneth Meshoe von der ACDP.

Helen Zille, die Vorsitzende der stärksten Oppositionspartei Democratic Alliance, griff Zuma vor allem inhaltlich an. "Sein Verhalten zieht schwerwiegende Konsequenzen in der Öffentlichkeit nach sich", sagte sie und verwies auf die Vorbildfunktion, die ein Präsident ausfüllen sollte. Die Reflexe in beiden politischen Lagern funktionieren eben genauso zuverlässig wie Zumas Libido.

Zum Welt-Aids-Tag am 1.Dezember hatte der Präsident die Nation pflichtschuldig zum Umdenken und zum Gebrauch von Kondomen aufgerufen: Die Menschen sollten Kondome bei jeder sexuellen Begegnung anwenden, alles andere sei unverantwortlich. Ein massives Investitionsprogramm für die Bekämpfung der Krankheit kündigte er außerdem an.

Jacob Zuma (*12. April 1942) wurde früh Mitglied des Afrikanischen Nationalkongresses ANC und mit 21 Jahren zu 10 Jahren Haft auf Robben Island verurteilt. Dort lernte der damalige Marxist bei Mitgefangenen Englisch und Politik.

Nach seiner Freilassung war er bis 1990 im Exil. In Südafrika machte er rasch Karriere beim ANC, daran änderten auch Korruptionsvorwürfe im Rahmen eines Waffengeschäfts nicht.

Denn Südafrika ist nach Swasiland und Botswana am stärksten von Aids betroffen, in absoluten Zahlen liegt das Land bei den Infektionen deutlich vorn. Nach UN-Schätzungen sind 5,7 Millionen der 48 Millionen Südafrikaner infiziert. 1,5 Millionen südafrikanische Kinder wurden durch Aids schon zu Waisen. Ihre Zahl könnte bis 2015 auf 5,7 Millionen steigen, das entspräche einem Drittel aller Kinder am Kap.

Zuma zeigt wenig Ehrgeiz, Vorbild zu sein. Beim Weltwirtschafts-Forum in Davos hatte der Präsident, der derzeit drei Ehefrauen hat und eine vierte Ehe plant, die in Südafrika nicht strafbare Polygamie vertreten. Es gelte, diese Kultur zu akzeptieren.

Möglicherweise rührt sein forsches Vorgehen daher, dass bisher noch kein Fehltritt seiner Karriere etwas anhaben konnte. Vor drei Jahren wurde er in einem Vergewaltigungsprozess freigesprochen. Dabei erlaubte er sich den peinlichen Hinweis, er habe nach dem Sex heiß geduscht, um sich vor Aids zu schützen. Die Frau war infiziert, und Zuma hatte es gewusst.

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