Comedy-Star Mirja Boes über ihre große Klappe und peinliche Entdeckungen in alten Tagebüchern.

Als Kind wollte Mirja Boes ein Star werden – das hat sie geschafft.
Als Kind wollte Mirja Boes ein Star werden – das hat sie geschafft.

Als Kind wollte Mirja Boes ein Star werden – das hat sie geschafft.

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Als Kind wollte Mirja Boes ein Star werden – das hat sie geschafft.

WZ: Frau Boes, haben Sie schon als Kind gern Blödsinn gemacht?

Mirja Boes: Eigentlich war ich nicht bewusst komisch, jedenfalls nicht der Klassenclown. Ich hatte auch nicht das Ziel, andere unbedingt zum Lachen zu bringen. Ich wollte einfach ein "Star" werden. Deshalb hab ich schon mit vier Jahren mit Ballett-Unterricht angefangen, elf Jahre klassisches Klavier gelernt und stundenlang vor dem Spiegel bestimmte Schrittfolgen geübt, die ich vorher im Fernsehen gesehen hatte...

Wann kam das Talent für Comedy bei Ihnen zutage?

Boes: So richtig erst während meiner Musical-Ausbildung. Ich habe gleich nach dem Abitur zwei Jahre Musical in Leipzig studiert. Das war eigentlich eine tolle Sache, aber ich habe auch schnell gemerkt, dass ich so einen Drill nicht ertragen kann, mich nicht einfach so einordnen kann. Manchmal musste ich, weil ich aus der Reihe getanzt war, zur Strafe Kulissen schieben anstatt zu tanzen. Und dann riet mir unser Ausbilder, doch eher auf mein komisches Talent zu setzen.

Auf der Bühne sind Sie selbstironisch, gnadenlos und offenherzig - im "echten Leben" auch?

Mirja Boes wurde am 3. September 1971 in Viersen geboren. Nach ihrer Musical-Ausbildung studierte sie Soziologie, Spanisch und Italienisch. Erste Erfolge feierte sie als Ballermann-Sängerin "Möhre" ("20 Zentimeter"), mit der Comedy-Show "Die dreisten Drei" und der Sitcom "Angie". 2008 wurde sie mit dem Deutschen Comedypreis ausgezeichnet.

Zurzeit ist sie mit dem Bühnenprogramm "Morgen mach’ ich Schluss... wahrscheinlich!" (u.a. morgen und übermorgen in Duisburg, am 6.März in Gelsenkirchen) auf Tour. Gerade ist auch ihr erstes Buch "Boese Tagebücher" erschienen.

Boes: Ich versuche, authentisch zu bleiben. Einfach ich. Und das gelingt mir auch. Es gibt eine Wette, die ich kurz nach dem Abitur mit meinen Freunden am Lagerfeuer am Strand von Portugal abgeschlossen habe: Sollte ich mich jemals grundlegend verändern, muss ich löhnen. Wir haben uns alle vor kurzem gesehen, und die meinten: Noch muss ich nicht zahlen...

Woher kommt der Hang zum Extrovertierten?

Boes: Das liegt sicherlich irgendwie in der Familie. Meine Eltern haben beide als Lehrer gearbeitet, waren immer kommunikativ. Meine Mutter sagt nach Aussagen anderer oft, wenn sie mich im Fernsehen sieht: "Das hat sie von mir!"

Sie haben den Ruf, jeden in Grund und Boden reden zu können - wer kann Ihnen Paroli bieten?

Boes: Ja, ich kann die Leute schon in den Wahnsinn treiben mit meiner großen Klappe. Mein Freund sagt immer: "Mit dir macht es gar keinen Spaß zu streiten, du musst immer das letzte Wort haben." Dann sag ich: "Ja, aber mir fällt eben auch immer noch was ein!" Ich fetze mich schon mal - mit meiner besten Freundin genauso wie mit einem Produzenten... Dann wird kurz Tacheles geredet, da fliegen auch mal Türen oder Gegenstände, aber dann ist auch gut. Ich bin die größte Vertragerin der Welt und auch nie nachtragend.

Was ist das Schönste für Sie, wenn Sie machen können, was Sie wollen?

Boes: Mit Freunden im Garten sitzen, grillen, Rotwein trinken. Oder einen Tag ans Meer fahren. Einfach ab ins Auto, nach Holland und die Seele baumeln lassen. Und mein Malzeug mitnehmen. Aber nur einen Tag lang, dann fällt mir schon wieder was Neues ein, dann muss ich zurück.

Im Rahmen Ihres Bühnen-Soloprogramms blättern Sie auch in alten Tagebüchern. Sind die echt?

Boes: Klar sind die echt. Ich hab’ sie vor ein paar Jahren wieder entdeckt und wusste gleich, dass sie die ideale Vorlage sind für ein tolles Programm. Wobei ich ja nur meine eigenen Sachen zitiere, und nicht die von anderen. Ich mache mich ja in erster Linie lustig über mich selbst. Und Verflossene nenne ich nur mit Vornamen.

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