Vor 40 Jahren segelte Hans-Werner Große von Lübeck nach Biarritz – sein Rekord hat bis heute Bestand.

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Seine knapp 90 Jahre sieht man der Segelfluglegende Hans-Werner Große nicht an.

Seine knapp 90 Jahre sieht man der Segelfluglegende Hans-Werner Große nicht an.

Bodo Marks

Seine knapp 90 Jahre sieht man der Segelfluglegende Hans-Werner Große nicht an.

Lübeck. Der 25. April 1972 war ein kühler, trockener Tag. Über England lag ein ausgeprägtes Hochdruckgebiet mit Ausläufern bis nach Skandinavien – ideales Segelflugwetter.

Das nutzte der Lübecker Hans-Werner Große für einen bis heute ungebrochenen Rekord. Er flog von Lübeck bis nach Biarritz an der französischen Atlantikküste. Diese 1460,8 Kilometer machten den Kaufmann aus Lübeck zur Segelfluglegende.

Auch heute noch, mit 89 Jahren, geht Große regelmäßig in die Luft. „Segelfliegen, das ist ein unbeschreibliches Gefühl“, sagt er.

Unterwegs entschied sich Große, den Rekord in Angriff zu nehmen

Eigentlich hatte Große an jenem 25. April 1972 „nur“ von Lübeck nach Nantes im Westen Frankreichs fliegen und schon mit dieser Strecke einen Weltrekord aufstellen wollen.

Denn erst 1971 war in Europa erstmals eine Strecke von mehr als 1000 Kilometern mit einem Segelflugzeug zurückgelegt worden. Doch noch bevor er Nantes erreichte, entschied er sich, den sicheren Weltrekord sausenzulassen und weiter zu fliegen.

„Es war ein unbeschreibliches Gefühl, weiter zu fliegen, als je zuvor ein Segelflieger geflogen war. Und auch weiter, als man bis dahin für möglich gehalten hatte.“

Hans-Werner Große

Geboren am 29. November 1922 in Swinemünde, Ausbildung als Pilot im Alter von 16 Jahren. Im Krieg flog er Einsätze im Mittelmeerraum und dem Nordatlantik.

Seine Rekordmarke von genau 1460,80 Kilometern gilt nur für Europa. Den Streckenrekord (über eine freigewählte Strecke) hält ebenfalls ein Deutscher Pilot. Klaus Ohlmann flog 2003 in Argentinien 3008 Kilometer.

„Es war ein unbeschreibliches Gefühl, weiter zu fliegen, als je zuvor ein Segelflieger geflogen war, und auch weiter, als man es bis dahin für möglich gehalten hatte“, erinnert er sich. Er steuerte seine Maschine vom Typ ASW-12 weiter in Richtung Süden entlang der Atlantikküste, vorbei an La Rochelle und Bordeaux und landete schließlich auf dem Flugplatz von Biarritz.

„Die Flugleistung war zu der Zeit so beeindruckend, dass sogar die „New York Times“ mit einem halbseitigen Artikel über den Flug berichtete. Und selbst in den Ländern des damaligen Ostblocks wurde über den Erfolg des deutschen Piloten berichtet“, sagt Florian Mösch vom Aero Club von Lübeck (ACvL), dem Große seit der Gründung 1950 angehört. In der thermischen Fliegerei über Europa, Afrika und Australien sei der Rekord aus dem Jahr 1972 bis heute ungebrochen, sagte Mösch.

Selbst mit fast 90 Jahren hebt Große noch regelmäßig ab

Auch mit fast 90 Jahren geht Große, der bereits als Schüler seine Liebe zum Fliegen entdeckte, regelmäßig in die Luft – mit seiner ETA, dem mit mehr als 30 Metern Spannweite größten Segelflugzeug der Welt. Außerdem gibt er seine fliegerischen Erfahrungen an die Jugend weiter.

Der Rekordflieger stiftet selbst Preise

Die Luftsportjugend in den östlichen Bundesländern hat er mit einem Förderflugzeug unterstützt. Und für die ersten jungen Piloten, denen es gelingt, seinen 40 Jahre alten Rekord über Europa zu übertreffen, hat er Preise von je 750 Euro ausgelobt. „Aber der Flug selbst ist ja eigentlich der größte und schönste Preis“, sagt Große.

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