Runter von der Couch: Die Berliner Rallyefahrerin Heidi Hetzer will im Juni zu einer Tour über 70 000 Kilometer starten – in einem Wagen Baujahr 1930.

Heidi Hetzer vor „Hudo 2“, baugleich mit dem Oldtimer, der sie auf ihre Tour rund um die Welt tragen wird.
Heidi Hetzer vor „Hudo 2“, baugleich mit dem Oldtimer, der sie auf ihre Tour rund um die Welt tragen wird.

Heidi Hetzer vor „Hudo 2“, baugleich mit dem Oldtimer, der sie auf ihre Tour rund um die Welt tragen wird.

dpa

Heidi Hetzer vor „Hudo 2“, baugleich mit dem Oldtimer, der sie auf ihre Tour rund um die Welt tragen wird.

Berlin. Bei „Hudo 2“ fehlt der Schlüssel. Also hat Heidi Hetzer (noch 76) den Oldtimer Baujahr 1930 nach dem Kauf kurzgeschlossen. „Hudo 2“ ist Ersatzteil-Spender für „Hudo 1“. Mit dem will Berlins bekannteste Rallyefahrerin in zwei Jahren 70 000 Kilometer um die Welt brausen. Vorbild ist die Rennfahrerin Clärenore Stinnes, die in den 1920er Jahren auf eine ähnliche Tour ging.

Die Seniorin geht nicht, sondern sie düst durchs Leben

Hetzer war mehr als 40 Jahre lang im Autogeschäft und im Fernsehen Vorzeigegesicht von Opel. In Berlin ist die blonde Frau mit den rot geschminkten Lippen ein Promi. 2012 trennte sie sich von ihrem Geschäft. „Ja, Mama, was machst du denn jetzt?“, haben die Kinder gefragt.

Ruhestand kommt für die Frau, die 200 Rallyes hinter sich hat, nicht infrage. Hetzer geht nicht, sondern düst durchs Leben. Von ihrem Vater hat sie das Schrauben gelernt und die Begeisterung für Motoren geerbt. „Ich kann nur Autos“, sagt sie.

Im Internet gab es zu dem Reiseplan hämische Kommentare über die „alte Schachtel“ mit dem „alten Auto“. Danach war sie „völlig erledigt“, bevor sie sich besann und zurückschrieb. Denn: „Ich will ein Vorbild sein für alte Menschen, dass sie auch etwas unternehmen: Runter von der Couch.“

„Ich will einmal im Leben etwas für mich machen.“

Heidi Hetzer über ihre Motivation für die Weltreise

Eine Weltreise macht man ihrer Ansicht nach entweder am Anfang oder am Ende des Lebens, wenn Zeit ist. Jahrzehnte hat die Geschäftsfrau gearbeitet und trug Verantwortung, Schwäche durfte sie in der Männerdomäne nicht zeigen. Hetzer sagt, was viele Frauen ihrer Generation unterschreiben würden: „Ich will einmal im Leben etwas für mich machen.“

Iran, Russland, Japan, und Australien sind einige der Stationen. Geschlafen wird in Herbergen oder im Wagen, der noch moderne Sitze bekommt.

Dabei hat sie einiges von der Welt gesehen. Mit einem Opel Rekord Baujahr 1964 ist sie 2007 in sechs Wochen von Düsseldorf nach Shanghai gereist. „Das war eine Kaffeefahrt.“ Im Sommer rollte die rüstige Lady mit der Seifenkiste einen Kreuzberger Hügel herunter. Sie besitzt 14 alte Autos – und einen Segway-Roller für Fahrten durch den Kiez.

Neben ihr sitzt ein Mechaniker, den sie seit 50 Jahren kennt

Vor „Hudo 2“ posiert sie mit Rennfahrerkappe aus Leder. Mit den kurzen blonden Haaren und den roten Schuhen sieht sie dabei viel jünger aus als Jahrgang 1937.

Mit den Enkeln will die vierfache Oma übers Internet telefonieren. Im Juni soll es losgehen, dann wird sie 77 sein. Neben ihr wird ein Mechaniker sitzen, den sie seit 50 Jahren kennt – „spätere Heirat ausgeschlossen“.

Und wenn sie zurückkommt, will sie ihren 80. Geburtstag vorbereiten. Den möchte sie am liebsten im Berliner Schloss feiern.

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