Karl Lagerfeld
Karl Lagerfeld in Paris bei der Präsentation einer Chanel-Damen-Kollektion. Foto: Francois Mori

Karl Lagerfeld in Paris bei der Präsentation einer Chanel-Damen-Kollektion. Foto: Francois Mori

dpa

Karl Lagerfeld in Paris bei der Präsentation einer Chanel-Damen-Kollektion. Foto: Francois Mori

Paris (dpa) - Er begleitet Prinzessin Caroline von Hannover beim Rosenball in Monaco, gestaltet Suiten des Pariser Luxushotels Crillon an der Place Concorde und ist auf Reisen mit seiner Edelkatze Choupette unterwegs. Karl Lagerfeld ist Modezar, Fotograf, Designer, Filmemacher und Verleger zugleich.

In der Glitzer-Welt der Mode wird der gebürtige Hamburger hofiert. Seit Jahrzehnten ist er Trendsetter, so gilt er als Entdecker des früheren Supermodels Claudia Schiffer aus Deutschland. Erst im vergangenen Sommer erhielt «Karl der Große», wie er häufiger in seiner Wahlheimat Frankreich genannt wird, die höchste Auszeichnung der Stadt Paris.

Wer sich hinter der Stil-Ikone mit weißem Haar und dunkler Brille verbirgt, wird dabei oft nicht richtig deutlich. Auch sein Geburtsdatum ist ein Rätsel, nur der 10. September steht fest. Lange kursierte 1938 als Geburtsjahr. Andere Quellen sprechen von 1933. Vor wenigen Jahren datierte Lagerfeld das Ereignis dann auf 1935.

In Paris wird dem langjährigen Kreativchef des legendären Modehauses Chanel Gefallen an Provokationen attestiert. Schon vor Jahren mokierte er sich über Mollige auf dem Laufsteg - und erntete damit Protest.

Doch die jüngste Schock-Kritik in einer französischen TV-Sendung an der Flüchtlingspolitik von Kanzlerin Angela Merkel (CDU) sorgt für viel Wirbel. Wohl auch deshalb, weil sich der spitzzüngige Lagerfeld bei politischen Themen bisher eher zurückhielt.

In den sozialen Netzwerken überschlagen sich die Kommentare. Das Spektrum reicht von völliger Ablehnung und Verhöhnung bis hin zur erleichterter Zustimmung. «Man kann nicht, selbst wenn Jahrzehnte dazwischen liegen, Millionen Juden töten, um danach Millionen ihrer schlimmsten Feinde kommen zu lassen» - insbesondere dieser Satz sorgt für heftige Debatten.

Die Bundeskanzlerin hätte es nicht nötig gehabt, eine Million zusätzliche Flüchtlinge aufzunehmen, «um sich ein charmantes Image zu geben - nach dem Bild der Schwiegermutter, dass sie sich in der Geschichte der Griechenland-Krise gegeben hat», meinte Lagerfeld.

Aufmerksamen Zuschauern fiel auf, dass sich Lagerfeld im Zusammenhang mit Merkel und den Flüchtlingen des umgangssprachlichen Ausdrucks «se taper» bediente, was man üblicherweise mit «sich reinziehen» übersetzt. Auch das sorgt im sprachbewussten Frankreich für Verwunderung. Nach dem umstrittenen Auftritt am Wochenende waren keine weiteren Äußerungen des Mode-Maestros zu hören.

Da Hunderte Reaktionen von Fernsehzuschauern eingingen, beschäftigt sich nun die staatliche Rundfunkaufsicht CSA mit der Samstagabend-Show des Starmoderators Thierry Ardisson beim Sender C8.

Ob überhaupt eine förmliche Überprüfung auf den Weg gebracht wird, ist allerdings bisher offen. Selbst wenn es eine Prozedur geben sollte, ist bei der Aufsicht nicht mit schnellen Entscheidungen - wie beispielsweise einer Mahnung an den Sender - zu rechen. Denn es liegen nach Informationen aus der Behörde etwa 1000 andere Fälle auf dem Tisch.

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