Ursula Todt und Conrad Marlow bewirtschaften die winzige Ostsee-Insel Ruden und können derzeit nicht weg.

wza_1500x1063_610657.jpeg
Die glücklichen Inselbewohner Ursula Todt und Conrad Marlow vor dem Aussichtsturm.

Die glücklichen Inselbewohner Ursula Todt und Conrad Marlow vor dem Aussichtsturm.

dpa

Die glücklichen Inselbewohner Ursula Todt und Conrad Marlow vor dem Aussichtsturm.

Ruden. Vorsichtig tastet sich Ursula Todt aufs Eis vor ihrer Insel. Die Eisdecke ist nur fünf Zentimeter dick, doch bei dieser Kälte wird sie von Tag zu Tag dicker. Im Hafen der kleinen Ostseeinsel Ruden ist es still. Am Dienstag hatte sich der Seenotkreuzer "Eugen" noch mal bis zu dem zwischen Rügen und Usedom gelegenen Eiland vorgekämpft, Post und Frischwasser gebracht.

Danach schloss sich der Eispanzer auch im Hafen. Ulla Todt und ihr Lebenspartner Conrad Marlow (58), die einzigen Bewohner, sind isoliert von der Außenwelt - voraussichtlich für mehrere Wochen. Die beiden "Robinsons" sehen der Eiszeit mit Gelassenheit entgegen. "Das Leben ist einfach nur traumhaft", schwärmt die 60-Jährige stattdessen und berichtet von einer Kegelrobbe an der Südspitze der Insel.

Seit November hat sich das Paar auf einen Eiswinter vorbereitet. Ulla Todt kochte Rinderbraten, Schweinebraten, Gulasch und weckte das Essen ein. Konservenfleisch mögen die beiden nach fünf Jahren Inselleben nicht mehr.

Im Keller lagern mehr als 50 Kilo Kartoffeln, vier Stiegen Äpfel, kiloweise Brotmehl. Strom wird über einen Generator erzeugt. Frischwasser lagert in 20-Liter-Kanistern in einem Nebengebäude: "Wir können den Winter bis März problemlos überstehen."

Nach Stress und Krankheit haben sie ihr Leben radikal geändert

Die Isolation auf der Insel ist selbst gewählt. Jahrelang lebten der Gaststättenbetreiber und seine Lebenspartnerin im mecklenburgischen Recknitztal nur für die Arbeit. 2003 brach Conrad Marlow zusammen. Die Ärzte diagnostizierten einen lebensbedrohlichen Magendurchbruch.

Die Insel, die nahe Usedom vor der Ostseeküste liegt, ist etwa 2 Kilometer lang und 300 breit.

Auf Ruden werden Bienenvölker gezüchtet, da dort ausgeschlossen ist, dass sie sich mit anderen Populationen mischen können.

Danach beschloss das Paar, sein Leben radikal zu ändern: Sie bewarben sich um die Nachfolge des alten Inselbewohners Eberhard Kästel. Seit 2004 leben sie auf dem Eiland. Bereut haben sie die Entscheidung zu keiner Sekunde, sagt Ulla Todt.

Einsam ist es ohnehin nur im Winter. Zwischen April und Oktober strömen 14 000 Tagesausflügler auf die ehemalige Lotseninsel, die heute der Deutschen Bundesstiftung Umwelt gehört.

Das Paar, das in Personalunion als Hafenmeister und Naturschutzwart tätig ist und für das Wasser- und Schifffahrtsamt die Pegelstände abliest, hat dann alle Hände voll zu tun. Von dem Verdienst können sie ihr Leben auf der Insel finanzieren.

Die Ruhe im Winter genießen die beiden dann umso mehr. "Man muss sich schon gut verstehen, wenn man so eng aufeinander hockt", sagt Ulla Todt. Und an manchen Abenden gehen sich die beiden auch aus dem Weg - aber nur wegen des TV-Programms. Dann schaut sie einen Film und er nebenan eine Nachrichtensendung.

Leserkommentare


() Registrierte Nutzer