Sandra Naujoks hat einen ungewöhnlichen Beruf: Sie spielt Poker und hat ihre erste Million bereits in der Tasche. Ihr Spitzname: „Black Mamba“.

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„Unprofessionalität kann ich mir nicht erlauben“, sagt Sandra Naujoks.

„Unprofessionalität kann ich mir nicht erlauben“, sagt Sandra Naujoks.

dpa

„Unprofessionalität kann ich mir nicht erlauben“, sagt Sandra Naujoks.

Berlin. Wenn diese Frau eines kann, dann ist es Bluffen. Sie sitzt in ihrem Lieblingscafé im Berliner Stadtteil Prenzlauer Berg und verzieht keine Miene. Bloß nicht zu viel preisgeben - gerade das ist Sandra Naujoks’ Geschäft. Die 27-Jährige ist eine der derzeit gefragtesten Nachwuchszockerinnen unter Europas Pokerprofis. Pokern ist ihr Beruf.

Über ihr Einkommen mag die gebürtige Dessauerin nicht reden. Gewiss hat sie aber schon ihre erste Million gemacht. Allein bei der European Poker Tour (EPT) Mitte März in Dortmund setzte sie sich gegen 670 Gegner aus 43 Ländern durch und nahm als Siegerin 917000 Euro mit nach Hause.

Erst 2006 startete Sandra Naujoks ihre Poker-Karriere

Bereits 2008 wurde sie Europameisterin. Wegen ihrer Turniererfolge kürte eine internationale Jury sie zu Europas "Leading Lady" an den Spieltischen. In der europäischen Pokerszene gilt Sandra Naujoks als große Zukunftshoffnung - mit dunklem Ruf: "Black Mamba" lautet ihr Spitzname. Dabei handelt es sich um eine schwarze, giftige Schlange.

Sandra Naujoks spricht leise, fast zischelnd. Ihre Mimik ist unaufgeregt, reserviert. Ein Lächeln? Fehlanzeige. Sie trägt schwarze Stöckelschuhe, am Knöchel hochgebunden. Ihr Rock, ihre Bluse, auch Haare, Brauen, Lider: alles tiefschwarz.

Die Stationen ihrer Karriere sind schnell erzählt: Nach ihrem Abitur studierte sie in Magdeburg zunächst Germanistik und Geschichte, 2006 zog sie in die deutsche Hauptstadt - und begann zu pokern. Erst waren es kleinere Turniere, 2008 kam der Durchbruch. Mittlerweile steht Naujoks bei einer Online-Poker-Plattform unter Vertrag und muss ihren Einsatz bei großen Turnieren nicht mehr selbst aufbringen. Das ist ein sicheres Geschäft. Denn wenn sie gewinnt, darf sie das Geld behalten.

Pokern ist in Deutschland zu einem Millionen-Geschäft geworden. "Es gab in den letzten Jahren einen deutlichen Pokerboom", sagt Tobias Hayer, Glücksspiel-Forscher an der Universität Bremen.
Mehrere hunderttausend Menschen verfügten in Deutschland über Erfahrung mit dem Pokerspiel.

Besonders im Internet blüht das Geschäft. Viele Pokerportale werben dort um Spieler.
Fernsehsender übertragen heute regelmäßig Pokerturniere, und Prominente wie Boris Becker werben für das Kartenspiel.

Sandra Naujoks ist ein Profi auch ohne Spielkarten. Einblicke gewährt sie nur sehr sparsam. Eine Schlange hat sie Zuhause, sagt sie. Und vor exotischen Speisen schreckt sie nicht zurück: Krokodilfleisch, Vogelspinnen, auch Schlangen habe sie schon verspeist. Vielleicht ist es das, was sie derzeit zu einer der gefürchtetsten Pokergegnerinnen in Europa macht: Unnahbarkeit. Und ein Mythos, der spiegelt: Hier sitzt die Schlangenfrau.

Mit ihrem Geld unterstützt sie ein Schulprojekt in Kambodscha

Dann erzählt die Pokermillionärin, dass sie nach ihrem großen Erfolg im März ihrem Vater seinen größten Wunsch erfüllt habe, eine "Harley Davidson". Außerdem unterstützt Naujoks ein Schulprojekt in Kambodscha. "Ich finde, wer viel hat, muss der Welt auch etwas zurückgeben", sagt Sandra Naujoks in einem kurzen Anflug von Offenheit. Doch nach dem kurzen Blick in die Karten macht sie ihr Spiel wieder zu.

Gesicht zu zeigen, kann diese Frau viel kosten. "Ich spiele Hände, bei denen es um Hunderttausende von Euro geht. Unprofessionalität kann ich mir nicht erlauben." 300 Tage im Jahr ist sie unterwegs - in San Remo oder Monte Carlo. In Las Vegas pokert sie demnächst bei der "World Series of Poker", dem renommiertesten aller Poker-Turniere, um die Weltmeisterschaft mit. Dann blufft "Black Mamba" wieder um Millionen.

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