Johann Maria Farina leitet in achter Generation die Firma, die vor 300 Jahren das Kölnisch Wasser erfunden hat.

Der Parfümeur Johann Maria Farina bei seiner wichtigsten Aufgaben: der Duftprobe.
Der Parfümeur Johann Maria Farina bei seiner wichtigsten Aufgaben: der Duftprobe.

Der Parfümeur Johann Maria Farina bei seiner wichtigsten Aufgaben: der Duftprobe.

Eppinger

Der Parfümeur Johann Maria Farina bei seiner wichtigsten Aufgaben: der Duftprobe.

Köln. Napoleon hatte immer einen Flakon in seinem Reitstiefel versteckt, Kurfürst Clemens August verwendete es gleich flaschenweise, und auch Lady Di wusste den Duft aus Köln zu schätzen. Vor 300 Jahren zog die italienische Unternehmerfamilie Farina an den Rhein und komponierte das erste Eau de Cologne.

Weil bald auch die europäischen Königshäuser zu den Abnehmern zählten, versuchten seither unzählige Geschäftemacher, den Duft zu kopieren. Meist kauften sie den Namen - allen voran Wilhelm Muehlens, dessen Duftwasser 4711 heute sogar bekannter ist als das Kölnisch Wasser der Farinas.

Eine Tatsache, die Johann Maria Farina nur mäßig beeindruckt: "Wir haben nie angestrebt, ein Massenprodukt herzustellen, und immer konsequent unsere Nische gesucht. Es ist aber trotzdem nicht schlecht, dass es eine so bekannte Marke wie 4711 gibt. Sie hält in Köln die Flagge der Parfümstadt hoch."

Der Unternehmer leitet den Betrieb in der achten Generation und beliefert Familien, die teilweise seit 200 Jahren zu den Kunden zählen.

Wie alle seine Vorfahren trägt der 50-Jährige die gleichen Vornamen wie der Firmengründer. "Johann Maria heißen bei uns alle Männer in der Familie. Den Unterschied macht nur der dritte Vorname." In der nächsten Generation wird es erstmals seit 300 Jahren diesen Vornamen nicht mehr geben, denn sein Bruder und er haben ausschließlich Töchter.

Die Zutaten verändern sich, der Duft soll aber gleich bleiben

Das Eau de Cologne bezeichnete ursprünglich nur den Duft aus dem Hause Farina. Heute dient es als Gattungsbegriff für leichte Parfüms mit einem Duftölgehalt bis zu fünf Prozent. Das "Original Kölnisch Wasser" von Farina setzt sich aus Ölen von Zitrone, Orange, Bergamotte, Mandarine, Limette, Zeder, Pampelmuse und Kräutern zusammen. 50 Milliliter kosten 34 Euro.

Im Kölner Stammhaus von Farina am Jülichs-Platz gibt es auch ein Duftmuseum mit regelmäßigen Führungen.

Schon als Kind durfte Farina im Labor seines Vaters sein eigenes Parfüm mischen. Später hat er nach der kaufmännischen Ausbildung und einem Pharmaziestudium den Beruf des Parfümeurs bei erfahrenen Kollegen in Deutschland, England und der Schweiz gelernt.

"Natürlich kann man auch zu den großen Konzernen gehen. Dort werden von den Parfümeuren aber oft nur Düfte für Toilettensteine oder Katzenstreu entwickelt. Das war mir zu wenig", sagt Farina mit Blick auf das Tablett voller Fläschchen, das vor ihm steht.

"Jedes Mal, wenn wir unser Eau de Cologne ansetzen, haben wir es mit natürlichen Essenzen wie der Bergamotte zu tun, die sich je nach Ernte und Herkunft unterscheiden. Da kommt es zum Beispiel darauf an, wie viel Sonne die Früchte bekommen haben oder wie sich der Boden verändert hat. Unsere Kunst ist es, aus diesen veränderten Zutaten immer wieder den gleichen Duft zusammenzumischen."

Deshalb hat Johann Maria Farina auch keine Sorge, dass das seit 300 Jahren unveränderte Rezept verraten wird. "Das Wesentliche ist das Wissen und die Erfahrung, wie der Duft später riechen soll."

Selbst muss er fast immer auf Parfüm verzichten: "Das würde meine Nase so beeinflussen, dass ich nichts mehr unterscheiden kann." Anders als heute üblich gibt es bei Farina keinen Unterschied zwischen Frauen- und Männerduft. "Das war früher beim Parfüm immer so. Erst um 1900 kam die Unterscheidung nach Geschlecht. Das war damals eine neue Marketing-Idee."

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