Interview: Volker Neumüller sitzt in der DSDS-Jury und managt die Gewinner: „Mark Medlock wird nicht gewürdigt.“

Herr Neumüller, die DSDS-Jury bleibt in der neuen Staffel unverändert. Ein Zeichen, dass Sie mit Dieter Bohlen gut können?

Volker Neumüller: Ich komme mit Dieter Bohlen schon seit über zehn Jahren gut aus. Ich habe schon mit ihm zusammengearbeitet, als ich noch der stellvertretende Geschäftsführer der BMG Berlin gewesen bin. Dort sind die Modern Talking-Platten veröffentlicht worden.

Damals war Dieter noch keine Fernsehpersönlichkeit. Aber er war schon genauso wie heute. Er ist deswegen so erfolgreich, weil er sich nie verraten hat. Er hat viele unpopuläre Entscheidungen gefällt und besitzt die notwendige Härte, die man in der Musikbranche braucht.

Für die bisher sieben Staffeln sind insgesamt 165.977 Kandidaten gecastet worden. Mit welchen Erwartungen kommen die Bewerber zu Ihnen?

Neumüller: Die Kandidaten versuchen, ihren Traum zu leben. Der ist nach sieben Staffeln DSDS auch klar definiert. Entgegen den Darstellungen der Medien gibt es auch einen personifizierten Traum, das ist Mark Medlock. Er ist jetzt im vierten Jahr erfolgreich mit bislang 2.500.000 verkauften Platten.

Es wird oft vergessen, dass unser Beruf mit ganz viel Disziplin einhergeht. Es ist nicht das schillernde Party-Milieu, sondern es bedeutet, früh ins Bett zu gehen und früh aufzustehen. Das wird bei DSDS auch vermittelt. Wir führen die Kandidaten an ihre Grenzen. Am Ende haben wir stets ein echtes Talent gefunden.

Ist eine Show wie Deutschland sucht den Superstar überhaupt geeignet, echte Talente zu entdecken?

Volker Neumüller (40) hat als Musikmanager für Polygram, BMG und Sony gearbeitet. Seit drei Jahren betreibt er sein eigenes Label 313 Music. Seit der vierten Staffel von DSDS managt er die Gewinner. Seit 2008 ist Neumüller auch als Juror vor der Kamera dabei.

Für die siebte Staffel von Deutschland sucht den Superstar haben sich laut RTL fast 35000 Kandidaten beworben. Die Shows zu den Castings laufen ab Mittwoch jeweils mittwochs und samstags um 20.15 Uhr. Ende Februar gibt es die erste Live-Show mit den besten 15 Kandidaten.

Neumüller: Selbstverständlich. In der heutigen Medien- und Tonträgerlandschaft ist es sogar die einzige Form, überhaupt noch ein Talent zu entdecken. Wir haben heute keine Clublandschaft mehr, wie es damals bei den Beatles der Fall war.

Der Starclub, in dem sie angefangen haben, war nichts anderes als eine Talentprobe. Aber das gibt es in Deutschland praktisch nicht mehr. Jemand, der gut singen kann, kann nur noch versuchen, direkt im Büro der Plattenfirma vorzusingen. Oder er geht gleich zu einer Castingshow.

Kritiker vermissen bei DSDS den kreativen Umgang mit Musik. Welchen künstlerischen Anspruch hat die Show?

Neumüller: Denselben Anspruch wie andere Castingshows, die von den Kritikern hoch gelobt werden. Ein Mark Medlock wird aber nach wie vor nicht von der schreibenden bzw. sendenden Zunft geadelt. Gleichzeitig wird eine Leona Lewis rauf und runter gespielt.

Dabei entstammt sie dem gleichen Format: Sie hat in England X-Factor gewonnen. Britney Spears, Beyoncé, Kelly Clarkson und Justin Timberlake - die Weltstars, die wir noch haben, kommen alle aus Casting-Situationen. Aber dass Mark Medlock es vom Tellerwäscher zum Millionär geschafft hat, wird in Deutschland nicht gewürdigt.

Sie managen außerdem die DSDS-Teilnehmer Daniel Schumacher, Linda Teodosiu, Sarah Kreuz und Vanessa Neigert. Die meisten Castingshow-Gewinner verschwinden schnell in der Versenkung. Wie wollen Sie das bei Ihren Schützlingen verhindern?

Neumüller: Grundsätzlich geben die Medien in Deutschland außerhalb von RTL Castingkünstlern keine Wettbewerbschance. Bestes Beispiel ist Daniel Schumacher. HR3 will seine neue Single nur dann spielen, wenn sich 1000 Hörer auf der HR3-Facebook-Seite positiv zu ihm äußern. Das ist eine Wettbewerbsverzerrung.

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