Die Komikerin Mirja Boes über rustikalen Humor und Ungerechtigkeiten, die sogar sie fuchsteufelswild machen.

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Mirja Boes wirkt, als hätte sie die gute Laune gepachtet.

Mirja Boes wirkt, als hätte sie die gute Laune gepachtet.

L. H. Schröder

Mirja Boes wirkt, als hätte sie die gute Laune gepachtet.

Düsseldorf. Frau Boes, in der ersten Folge Ihrer Comedy werden Sie ständig mit Hella von Sinnen verwechselt. Passiert Ihnen das im wirklichen Leben auch?

Boes: Nein, nein (lacht). Witzigerweise bin ich schon mit allen möglichen Leuten verwechselt worden, mit Anke Engelke zum Beispiel, aber mit Hella von Sinnen noch nie. Ich sehe ja auch ganz anders aus - allerdings auch ganz anders als Anke Engelke, wenn ich es mir recht überlege. Immerhin ist Hella von Sinnen auch blond und lebt in Köln wie ich, deshalb der Gag.

Sie verbindet aber auch der rustikale Humor.

Boes: Stimmt, wir beide haben absolut keine Scheu vor deftigen Scherzen.

Das geht in der neuen Serie gern mal unter die Gürtellinie. Was ist an Zoten so lustig?

Boes: Ganz einfach: Das Verbotene. Das sind all die Sachen, über die sich Leute hinter vorgehaltener Hand ausschütten vor Lachen. Unsere Sketchcomedy basiert auf einer sehr lustigen britischen Vorlage, und manchen deftigen Gag haben wir übernommen. Zugegeben, man bewegt sich da manchmal auf der Grenze zum Geschmacklosen - die haben wir aber, glaube ich, nie überschritten.

Sind solche Scherze nicht eher männertypischer Humor?

Boes: Das kommt immer darauf an, wie man es verpackt. Wenn man es einigermaßen charmant macht und nicht zu direkt, dann kann man auch als Frau mal heftigere Witze raushauen.

Sind Sketche noch zeitgemäß?

Mirja Boes (geb. 3.Sept. 1971 in Viersen) hat in Düsseldorf Italienisch, Spanisch, Musik- und Medienwissenschaft studiert. Heute lebt sie in Köln.

Sie ist nicht so schrill wie Hella von Sinnen und nicht so prollig wie Cindy aus Marzahn, doch auch Mirja Boes ist eine Vertreterin des deftigen Humors. Sie war Stimmungskanone auf Mallorca, hat in den RTL-Comedys "Die dreisten Drei" und "Angie" mitgewirkt. Am Samstag startet bei RTL um 22.15 Uhr ihre neue Sketchcomedy "Ich bin Boes".

Boes: Das glaube ich unbedingt. Sketchcomedy ist eine tolle, zeitlose Angelegenheit - und mir macht es einfach Spaß, in lauter verschiedene Rollen zu schlüpfen. Für den Zuschauer hat diese Form den Vorteil, dass es völlig egal ist, wann er einsteigt, das kann wunderbar nebenher laufen. Das ist leichtere Kost als eine Sitcom, bei der die Leute eine halbe Stunde konzentriert dran bleiben sollen.

RTL hat "Ich bin Boes" am Samstag zwischen den ersten und den zweiten Teil von "Deutschland sucht den Superstar" gepackt. Da sind gute Quoten doch garantiert?

Boes: Ich hoffe schon, dass ich von der hohen "DSDS"-Quote profitiere. Wir haben ja auch ein ähnlich gestricktes junges Zielpublikum.

Apropos junges Publikum: Wie war es eigentlich, als Sie von 2001 an als singende Stimmungskanone "Möhre" in Diskotheken auf Mallorca vor lauter Angetrunkenen aufgetreten sind?

Boes: Angetrunken ist sogar noch höflich ausgedrückt, die waren meistens hackedicht (lacht). Das war knüppelharter Nahkampf - und hat unglaublich Spaß gemacht. Ich betrachte dieses Publikum im Rückblick mit liebevollen Augen. Ich mag die Leute, weil sie so ehrlich sind und einem ein direktes, nicht immer charmantes Feedback geben. Bei diesen Auftritten habe ich nicht nur gelernt, dass der Mensch an sich ganz schön bekloppt ist, sondern vor allem, mich selber nicht allzu ernst zu nehmen. Das war wirklich eine Lektion fürs Leben.

Die haben Sie ganz offenbar beherzigt. Sie wirken, als hätten Sie die gute Laune gepachtet. Wann wird Mirja denn mal bös?

Boes: Also bei mir ist das Glas prinzipiell nie halb leer, sondern immer halb voll. Sauer werde ich eigentlich nur, wenn ich Ungerechtigkeit beobachte. Ich meine nicht die allgemeine Ungerechtigkeit, die auf der Welt herrscht, gegen die ist ja kein Kraut gewachsen. Ich spreche von alltäglichen Ungerechtigkeiten. Wenn sich etwa die Oma in der Metzgerei vor das Kind drängelt, das eigentlich dran war - das macht mich fuchsteufelswild.

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