Chansonstar Mireille Mathieu spricht zum ersten Mal über Einsamkeit, Leere und Depressionen abseits der Bühne.

Deutsches Publikum ist das beste der Welt
Über Privates spricht die Sängerin Mireille Mathieu üblicherweise nicht.

Über Privates spricht die Sängerin Mireille Mathieu üblicherweise nicht.

Z1009 Jan-Peter Kasper

Über Privates spricht die Sängerin Mireille Mathieu üblicherweise nicht.

Paris. Der pechschwarze Pagenkopf und das unbekümmert fröhliche Lächeln sind ihr Markenzeichen. Als „Spatz von Avignon“ hat sie sich in die Herzen von Millionen rund um den Erdball gesungen. Frankreichs Chansonstar Mireille Mathieu ist ein Exportschlager – genauso wie Champagner und Chanel.

„Es war der Druck, der mich krankmachte.“

Mireille Mathieu

Doch so viel Ruhm, Erfolg und Reichtum haben anscheinend auch ihre Schattenseiten. Dieselbe, die seit Jahrzehnten mit eiserner Strenge darüber wacht, dass keine Details über ihr Privatleben nach außen dringen, überrascht ihre Fans nun mit einem ungewöhnlichen Bekenntnis. Eines, das von Einsamkeit und Leere, von Medikamenten und Depressionen handelt.

„Es war der Druck, der mich krankmachte“, gesteht die Sängerin jetzt in einem Interview der „Freizeit Revue“. Und fügt hinzu: „Ich musste nur noch funktionieren.“ Es ist ein Phänomen, eine Extrem-Erfahrung, unter der berühmte Künstler besonders oft zu leiden haben: In den Konzertsälen fliegen ihnen die heißen Herzen des Publikums zu und körbeweise Rosen, aber sobald das grelle Scheinwerferlicht erloschen ist, finden sie sich in einem fröstelnden Zustand quälender Einsamkeit wieder. „Mit dieser Leere kam ich nicht zurecht“, bekennt die Mathieu nun. Eine Leere, die sie wie einen „bösen Traum“ erlebt haben will. Eine Malaise, die schließlich therapeutische Hilfe erforderlich machte.

Der nur 1,53 Meter große Weltstar mit der Riesenstimme zählt zusammen mit der Franko-Kanadierin Céline Dion zu den erfolgreichsten Künstlern, die in der Sprache Molières singen. In den mehr als vier Jahrzehnten ihrer außergewöhnlichen Bühnen- und Fernsehkarriere hat die in elf Sprachen singende Künstlerin schätzungsweise 185 Millionen Platten verkauft, davon mehr als 40 Millionen in Deutschland.

Mit Staatschef Nicolas Sarkozy, der ihr die güldene Verdienstmedaille in einer Feierstunde im Elysée-Palast ans kleine Schwarze heftete, verbindet sie auch politische Nähe. Am Abend seines Wahlsieges 2007 hatte „MM“ bei der großen Siegesfeier auf der Place de la Concorde die „Marseillaise“ geschmettert.

„Es waren durchaus Männer in meinem Leben. Aber ich habe keine große Liebe erlebt.“

Seit sie 1965 erstmals einen Gesangswettbewerb gewann, wurde der „Spatz von Avignon“ mit Schallplatten in Gold und Platin überschüttet. Seit 1999 ist sie Ritter und seit 2011 sogar Offizier der Ehrenlegion.

Diese auffallende Nähe zur Macht trägt ihr in der Heimat immer wieder Kritik ein. Diese wurde besonders laut und zornig, als sie 2008 im Kreml vor dem libyschen Tyrannen Muammar al-Gaddafi und Wladimir Putin sang und danach mit beiden im Beduinenzelt Tee trank. Kürzlich tadelte sie die zu Lagerhaft verurteilte russische Punkband „Pussy Riot“ wegen des Auftritts in einer Kirche.

Auf ihrer Homepage nennt sich die 66-Jährige trotz ihres reifen Alters demonstrativ immer noch „La Demoiselle d’Avignon“. „Demoiselle“ heißt Fräulein (umgangssprachlich auch „Jungfer“) – ein Wort, das anderswo geradezu verpönt ist, im traditionsbewussten Frankreich hingegen immer noch sehr geläufig ist.

Über das Privatleben des umjubelten Gesangsstars ist nicht viel bekannt. Man weiß lediglich, dass sie aus ärmlichen Verhältnissen stammt und eines von 13 Geschwistern ist. Bei einer Feierstunde im Elysée beglückte Mathieu die Fotografen, als sie sich zusammen mit Mutter und zwei Schwestern ablichten ließ.

Mit einer Schwester lebt sie gemeinsam im Pariser Promi-Vorort Neuilly. Einen Mann hingegen, den gibt es nicht an ihrer Seite. Ein sensibles Thema, zu dem sie im Interview zwei Sätze verliert. Die, die in 1200 Liedern am häufigsten „L’amour“ besungen hat, sagt: „Es waren durchaus Männer in meinem Leben. Aber ich habe keine große Liebe erlebt.“

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