Für Dieter Bohlen ist er einer der schlechtesten Sänger überhaupt – trotzdem tritt der Langenfelder immer wieder zum DSDS-Casting an.

Langenfeld. Menderes Bagci braucht ein dickes Fell. Wenn er durch die Stadt geht, kann es passieren, dass wildfremde Leute hinter ihm herrufen und sich über ihn lustig machen. ",Du bist doch der Loser von DSDS’, sagen die Leute oft zu mir", erzählt der 24-jährige. "Dann will ich manchmal einfach nur meine Ruhe."

Aber auf der anderen Seite ist da dieser unbändige Wille: Der Wille, ganz groß rauszukommen, auf der Bühne zu stehen - und es allen zu zeigen. Deshalb bewirbt sich Menderes schon seit der ersten Staffel im Jahr 2002 bei der RTL-Show "Deutschland sucht den Superstar" (DSDS).

Immer ohne Erfolg. "Du bist in der Top 5 der schlechtesten Sänger überhaupt", hat Dieter Bohlen einmal zu ihm gesagt. Er in einer Gesangsshow, das sei wie "Quasimodo in einer Model-Show". Menderes könne es vielleicht schaffen, sagte der Juror ein anderes Mal - aber erst in sechs- bis siebentausend Jahren.

All das hat den 24-Jährigen mit der hohen Stimme und den langen schwarzen Haaren bisher nicht abgeschreckt. Er weiß, dass er in der Regel neben dem Ton liegt, wenn er Songs von Michael Jackson oder Usher singt, "aber ich kann ja noch an mir arbeiten." Bohlen sei sogar eine Art Vorbild für ihn - der habe es schließlich auch geschafft, obwohl anfangs niemand an ihn geglaubt habe.

Tatsächlich ist es das, was die Macher der Casting-Shows den Teilnehmern versprechen: Glaub an dich selbst - dann kannst du es schaffen. Menderes glaubt an sich selbst. Und doch bleibt für ihn bei RTL nur die Rolle der Witzfigur.

Für die sechste Staffel von "Deutschland sucht den Superstar" haben sich 31.000 mehr oder minder talentierte Nachwuchs-Sänger beworben.

Samstags und mittwochs zeigt RTL um 20.15 Uhr Szenen aus den Castings. Die zehn besten Sänger treten ab März in den Mottoshows auf.

Das ist ihm durchaus bewusst ("Ich werde nicht ernst genommen und war zu naiv"). Und dennoch bringt er es nicht übers Herz, einen Schlussstrich zu ziehen. "Es ist wie eine Sucht." Wenn es um seine Ziele geht, sprudelt es ihm geradezu aus ihm heraus: "Wissen Sie, ich will mein Bild zurechtrücken. Ich will nicht immer der Loser sein."

In seiner Ein-Zimmer-Wohnung in Langenfeld träumt Menderes weiter vom Erfolg. Er hat einen Realschulabschluss und danach eine Ausbildung zum Tankwart gemacht. Doch mittlerweile verdient er sein Geld hauptsächlich mit Auftritten in Diskotheken. Einmal kam er in die Schlagzeilen, als ihm bei einer Show ein Betrunkener ein Bierglas an den Kopf warf. "Aber warum soll ich damit aufhören, bloß weil mal ein Irrer im Publikum ist?"

Auch diesmal wird er von der Jury heftig kritisiert

Menderes hat mittlerweile fast schon einen höheren Bekanntheitsgrad erreicht als mancher der Sieger. Auch in den großen DSDS-Live-Shows ließ man ihn bereits auf die Bühne: "Beat it" von Michael Jackson durfte er singen - von den Machern als Comedy-Element für die Sendung gedacht. Trotzdem: "Das war der beste Tag in meinem Leben." Selbst Dieter Bohlen habe ihm attestiert, dass er ihn diesmal gut unterhalten habe.

Beim Casting zu dieser Staffel lief es dagegen wieder nicht so gut. Noch bevor er loslegen und "Gallery" von Mario Vazquez singen konnte, sei er von der Jury heftig kritisiert worden. Und dann werde sein Auftritt wohl noch möglichst ungünstig zusammengeschnitten, vermutet er.

Aber auch das kann Menderes noch nicht von seinem Berufsziel Sänger abbringen. "Keiner kann mich aufhalten", sagt er. Ein bisschen muss er dabei selbst lachen. Aber er meint es ernst.

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