Karriere: Am Mittwoch hat der Papst Reinhard Marx zum Kardinal ernannt. Bekannt ist der 57-Jährige für seine Rom-Treue.

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Reinhard Marx trägt ab dem 20. November Kardinals-Purpur.

Reinhard Marx trägt ab dem 20. November Kardinals-Purpur.

dpa

Reinhard Marx trägt ab dem 20. November Kardinals-Purpur.

München. Mit seiner Vorliebe für dicke Zigarren, Wein und Fußball sticht Reinhard Marx aus der Bischofsriege heraus: Am Mittwoch hat Papst Benedikt XVI. den Erzbischof von Freilassing und München zum Kardinal ernannt. So kann Marx nun als einer von etwa 120 wahlberechtigten Kardinälen - den höchsten Würdenträgern nach dem Heiligen Vater - bei Papstwahlen mitmischen und besondere Mitverantwortung an der Gesamtleitung der katholischen Kirche tragen.

Seit 1914 ist es fast eine Selbstverständlichkeit, dass der oberste Hirte des Bistums München und Freising, das an Ruhm gewöhnt ist, irgendwann den Kardinalspurpur erhält. Im Falle Marx hätte das noch Zeit gehabt: Nun ist er der Jüngste im Kardinalskollegium - ein Vertrauensbeweis des Papstes, der große Erwartungen in seinen neuen Berater setzt.

Marx ist kommunikativ und gesellig - und gilt als Hardliner

Marx gilt zwar als wortgewandt, gesellig und volksnah, hat sich aber vor allem auch als konservativer, linientreuer Hardliner einen Namen gemacht. Wie sehr ihm zu starke liberale Strömungen zuwider sind, zeigt er in der offensiven Verteidigung des Zölibats oder, wie mit Marx bekannte Priester berichten, auch schon mal mit kräftigen verbalen Seitenhieben, wenn ein Geistlicher von der Linie Roms allzu weit abweicht. So betonte er auch in seiner ersten Stellungnahme zu seiner Ernennung, wie wichtig ihm die "Einheit mit dem Heiligen Vater" sei. Diese "gehört zur Substanz des katholischen Glaubens".

Mit sozialen Fragen beschäftigt er sich im Buch "Das Kapital"

Für ihn sei die Ernennung "ein Ansporn und eine Herausforderung", erklärt Marx. Die Herausforderung liegt für ihn unter anderem in der Aufarbeitung des Missbrauchsskandals, der die katholische Kirche in Deutschland in ihren Grundfesten bewegte. Marx: "Die Erschütterungen der letzten Monate müssen Ausgangspunkt einer geistlichen Vertiefung unseres Glaubens und eines neuen Mutes zur Evangelisierung nach innen und nach außen werden."

Sozialen Fragen widmete sich Marx mit Leidenschaft. In gezielter Anspielung auf das berühmte Buch seines Namensvetters Karl Marx veröffentlichte er "Das Kapital", allerdings mit Untertitel: "Ein Plädoyer für den Menschen." Er forderte in der vor zwei Jahren veröffentlichen Schrift einen gezähmten, sozial verträglichen Kapitalismus, der auf der katholischen Soziallehre gründen sollte.

Er hat gute Chancen auf den Vorsitz der Bischofskonferenz

Reinhard Marx wurde am 21. September 1953 in Geseke, Ostwestfalen, geboren. Seit Februar 2008 ist er Erzbischof von München und Freising. Zuvor war er Bischof von Trier.

Gemeinsam mit dem Bamberger Diözesanpriester Walter Brandmüller wird der 57-jährige Marx zum Kardinal erhoben. Im Gegensatz zu ihm ist der 81-jährige Brandmüller bei einer möglichen Papstwahl nicht mehr wahlberechtigt. Die Kardinalswürde wird ihnen am 20.November im Vatikan verliehen.

2014 dürfte der nächste Karriereschritt für Marx anstehen. Dann wird aller Voraussicht nach Erzbischof Robert Zollitsch den Vorsitz der Deutschen Bischofskonferenz abgeben. Marx wollte schon 2008 selbst Vorsitzender werden, doch zogen die Bischöfe Zollitsch vor - auch, weil sie Sorge hatten, der gerade erst zum Münchner Erzbischof gekürte Marx könne sich übernehmen.

Damals signalisierten aber viele Bischöfe, den Münchner 2014 zum Vorsitzenden machen zu wollen. Verhindern kann diesen Schritt wohl nur der Papst: Nicht ausgeschlossen ist, dass Marx auch irgendwann in den Vatikan berufen wird.

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