Der schwarze Comedian Marius Jung stößt die Debatte um verkrampfte, politisch korrekte Wortwahl neu an.

Comedian Marius Jung
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Comedian Marius Jung

Köln. Wer will schon Afrogermane, Afroafrikaner oder Maximalpigmentierter genannt werden? Dann schon lieber trotzig zum „bösen N-Wort“ – „Neger“ – greifen. Meint Marius Jung, schwarzer Comedian aus Köln. Er spottet – provozierend und amüsant – über Vorurteile, Rassismus, aber auch übertrieben-krampfige political correctness bei der Wortwahl.

Gerade hat Jung das Buch „Singen können die alle! Handbuch für Negerfreunde“ vorgelegt. Der Titel könnte die Debatte um das Streichen diskriminierender Begriffe aus Kinderbüchern neu entfachen. „Wenn humorlose Sprachpolizisten fordern, diese Worte ganz aus der Sprache zu tilgen und zu verbieten, ist das Fundamentalismus. Und alles, was wir tabuisieren, bearbeiten wir inhaltlich nicht“, sagt Jung.

Der Comedian ist ein gefragter Interview-Partner, seit sein Büchlein vor einigen Tagen auf den Markt gekommen ist. Als Studiogast haben ihn zahlreiche Fernseh- und Radiosender für die nächste Zeit eingeplant, um ihn über sein anekdotenreiches autobiografisches Werk plaudern zu lassen.

„Wenn wir mit Humor drangehen, ist das ein Türöffner für ernste Diskussionen.“

„Lachen gegen Rassismus“ könne ein guter Weg sein, glaubt der Kabarettist, Sänger und Moderator. „Wenn wir mit Humor drangehen, ist das ein Türöffner für ernste Diskussionen. Wir müssen unbedingt über unsere Haltung und über mehr gegenseitigen Respekt reden. Das darf auch Spaß machen, das muss kein schmerzhaftes, großes Ding werden.“

Jung jammert also nicht, er juxt. Sein Buch enthält auch „interaktive Übungen“. Kostprobe: „Ganz wichtig, ist es (. . .), nicht einfach davonzulaufen, wenn Sie des schwarzen Mannes ansichtig werden.“ Oder auch: „Begrüßungsformeln wie ,Die Putzmaterialien stehen im Besenschrank’ können das Gespräch von Anfang an belasten.“

Sein erstes Comedy-Solo-Programm „Augen zu und durch“ spielte Jung 1990. Im Jahr 2000 schaffte er den Sprung ins Fernsehen. Er hatte TV-Auftritte unter anderem in der „Harald Schmidt Show“ und bei „Veronas Welt“.

Der Vater von Marius Jung ist amerikanischer Soldat, seine Mutter Deutsche. „Ich bin ein klassisches Besatzungskind“, sagt er über sich selbst. Zu seinem leiblichen Vater hatte Jung aber nie Kontakt. Er sei mit zwei weißen Eltern aufgewachsen.

Geboren in Trier lernt er Häme und Feindseligkeit kennen. Bei Castings hat er später oft keine Chance auf die ersehnten Rollen. „Sein Sarkasmus ist nicht aufgesetzt, da steckt Lebenserfahrung hinter“, sagt der Schriftsteller Günter Wallraff. Vor einigen Jahren war Wallraff mit geschwärztem Gesicht und Perücke als Afrikaner bundesweit unterwegs und hat erlebte Ressentiments und offene Ablehnung im Fernsehfilm „Schwarz auf Weiß“ dokumentiert. „Wir haben es noch immer mit massivem Rassismus und fehlender Normalität zu tun“, betont der Kölner Autor.

Jungs Buch sei „ein großartiger satirischer Beitrag“, der die jüngste „verkrampfte Scheindebatte“ um Themen wie politisch korrekte Wortwahl wieder „vom Kopf auf die Füße“ stelle, meint Wallraff: „Er hat die Legitimation, in alle Richtungen auszuteilen. Und sein Spott trifft die Richtigen.“

Rassistisch nennt Jung neben den „Neonazi-Würstchen“ auch Dauerbetroffene, die „uns nur als Opfer tolerieren“. Überall seien Schwarze konfrontiert mit Alltagsrassismus, der häufig aus Unsicherheit, Acht- und Respektlosigkeit resultiere, sagt der Comedian. „Bratzendumme Sprüche“ kursierten weiter im Internet auf Facebook und Co. Und für seinen Job gelte: „In Deutschland als Schwarzer eine Rolle als Schauspieler zu bekommen, ist sauschwierig.“

Statt also zu streiten, ob man das Wort „Negerlein“ aus Kinderbüchern entfernt, wie es einige Verlage schon getan haben oder derzeit prüfen, solle man über diskriminierende Einstellungen reden. Auch mit dem Nachwuchs, rät Jung, der gerade Vater geworden ist.

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