Kim Novak war einst die mysteriöse Blonde in „Vertigo“. Am Mittwoch wird die Hollywood-Diva 80 Jahre alt.

Kim Novak wird 80
Kim Novak

Kim Novak

Nestor Bachmann

Kim Novak

Los Angeles. Ihre verführerisch-rauchige Stimme hat sie noch: Sie sei stolz darauf, in Hollywood Spuren zu hinterlassen, säuselte Kim Novak im vorigen April – gerade 79 Jahre alt – vor dem Grauman’s Chinese Theatre in Los Angeles.

Dort machte sich die Schauspielerin Hände und Schuhe schmutzig, als sie auf dem Vorplatz des historischen Kinos ihre Abdrücke in den feuchten Zement setzte. Neben Kollegen wie Charlie Chaplin, Frank Sinatra, Clark Gable und Marilyn Monroe.

Novak, die am Mittwoch 80 Jahre alt wird, hatte kurz vor ihrem seltenen Hollywoodauftritt schon für Schlagzeilen gesorgt. Vor der Oscar-Verleihung wetterte sie über den französischen Regisseur Michel Hazanavicius, weil er in seinem Stummfilm „The Artist“ Musik aus Alfred Hitchcocks „Vertigo – Aus dem Reich der Toten“ (1958) verwendet hatte. Novak schimpfte, sie fühle sich, als ob „mein gesamtes Werk von dem Film verletzt wurde“.

Novak war 24 Jahre alt, als sie in dem düsteren Thriller eine mysteriöse Doppelgängerin spielte. Neben James Stewart jagte sie einem Millionenpublikum eine Gänsehaut ein. Sexy, blond und kühl – das war das Erfolgsrezept von Kim Novak, der „Sharon Stone der 50er Jahre“. Hollywoodbosse hatten das Fotomodell zur Sexgöttin hochstilisiert, Alfred Hitchcock machte sie unvergesslich.

„Sie wollten mich komplett verändern.“

Kim Novak

Doch Novak grenzte sich schon früh von der Traumfabrik ab. „Sie wollten mich komplett verändern“, erinnerte sich die Schauspielerin später an ihre Hollywood-Jahre: „Es war immer so, als müsste ich darum kämpfen, etwas von meinem wirklichen Ich zu zeigen.“

Kim Novak kam als Marilyn Pauline Novak als Tochter tschechischer Eltern 1933 in Chicago zur Welt. Neben der Schauspielerei interessierte sie sich auch für Literatur, Malerei und Bildhauerei. Nach dem Rückzug aus dem Hollywood-Business widmete sie sich auf ihrer Ranch zudem gemeinsam mit ihrem zweiten Mann der Pferde- und Lamazucht.
 

Aus Protest gegen die Vereinnahmung durch die Studios flüchtete sie schon früh in die abgelegene Aussteiger-Gegend um Big Sur, dann weiter nördlich in den Nachbarstaat Oregon. Mit ihrem zweiten Ehemann, einem Tierarzt, und Pferden und Lamas lebt sie seit den 1980er Jahren auf einer Ranch. Für den Thriller „Liebestraum“ war sie 1991 zum letzten Mal vor die Kamera getreten.

Angefangen hat Novak als Fotomodell. 1953 erhielt sie ihre erste Rolle in „Die lockende Venus“ an der Seite von Jane Russell.

Harry Cohn, der Boss des Columbia Studios, entdeckte die talentierte Blondine und baute sie mit Erfolg zum Star auf. Novak sollte die schwierige Rita Hayworth ablösen, was ihr prompt gelang. Nach wenigen Filmen wie „Schachmatt“ (1954) und „Eine glückliche Scheidung“ (1954) wurde sie durch die Kinohits „Der Mann mit dem goldenen Arm“ und „Picknick“ zum internationalen Star. Bei den Filmfestspielen in Cannes ließ sich Novak 1956 als „Neuentdeckung“ feiern.

Ihre zwölf Columbia-Filme brachten dem Studio Millionengewinne und Kim Novak den Ruf als Sexgöttin ein. Für Schlagzeilen sorgten zudem ihre Beziehungen zu Stars wie Frank Sinatra, Cary Grant, Sammy Davis Jr. und Ali Khan.

1997 kam Kim Novak zur Berlinale, um dort den Goldenen Bären für ihr Lebenswerk zu erhalten. Damals schrieb sie auf ihrer Ranch in Oregon bereits an ihren Memoiren. Doch dieses Projekt nahm im Sommer 2000 ein plötzliches Ende, als ihr Farmhaus samt Hollywood-Memorabilien bis auf die Grundmauern abbrannte.

Leserkommentare


() Registrierte Nutzer