Neil Ibata ist gerade 15 Jahre alt. Wegen seiner Studie zu Galaxien wird er gefeiert – und bleibt dennoch bescheiden.

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Neil Ibata aus Frankreich ist Mitverfasser einer wissenschaftlichen Studie zu Zwerggalaxien.

Neil Ibata aus Frankreich ist Mitverfasser einer wissenschaftlichen Studie zu Zwerggalaxien.

Reuters

Neil Ibata aus Frankreich ist Mitverfasser einer wissenschaftlichen Studie zu Zwerggalaxien.

Paris. Er ist er 15 und auf dem Olymp der Wissenschaften schon weit oben: Neil Ibata, Gymnasiast aus Straßburg, hat eine phänomenale Entdeckung gemacht. Eine, die das seit Jahrzehnten geltende Modell vom Wesen ferner Galaxien ins Wanken bringt. Der Boulevard nennt den Franzosen bereits in einem Atemzug mit Kopernikus und Newton. Selbst durch die Riege angesehener Gelehrten geht ein ehrfürchtiges Raunen.

Nur der Mathelehrer wusste von Neils Arbeit für das Fachmagazin

Dass er einen Coup auf dem Feld der Astrophysik landen würde, hat er keinem seiner Mitschüler verraten. Prahlerei ist offenbar nicht Neil Ibatas Stärke, eher die Bescheidenheit. Lediglich seinen Mathematiklehrer hatte er in seine galaktische Mission eingeweiht.

Schwarz auf weiß nachzulesen sind seine bahnbrechenden Erkenntnisse in der jüngsten Titelgeschichte der renommierten britischen Zeitschrift „Nature“. Einem Prestige-Magazin, das ausschließlich der internationalen Wissenschaftselite vorbehalten ist. Wer in „Nature“ einen Namensbeitrag veröffentlichen darf, zählt zur Gilde der Star-Forscher.

Der 15-Jährige widerlegt, was lange Zeit als bewiesen galt

Neils Bravourstück: Er hat herausgefunden, dass mehrere Dutzend Zwerg-Galaxien die Andromeda-Galaxie – ganz anders als bisher angenommen – auf festen Bahnen umkreisen, genauso wie der Mond um die Erde und die Erde um die Sonne zieht.

Bei aller Leistung darf man sich den Schüler nicht als weltfremden „Nerd“ vorstellen, der via Teleskop in Schwarze Löcher starrt oder vor Laptops hockt. Dass der sympathische Junge mit dem leuchtend roten Haarschopf so viel Talent besitzt, hat vor allem mit Prägung zu tun. Vater Rodigro arbeitet als Astrophysiker am Observatorium in Straßburg.

Zwar ist der Andromeda-Nebel die Galaxie, die unserer Milchstraße am nächsten ist. Gleichwohl beträgt die Entfernung zu ihr gut 2,5 Millionen Lichtjahre, wobei ein einziges Lichtjahr mit 9,5 Billionen Kilometer zu Buche schlägt (1 Billion entspricht einer 1 mit zwölf Nullen). Dennoch ist der Nebel von der Erde aus zu sehen.

Als Praktikant in Papas Sternwarte sollte Neil Ibata im Sommer nur eine Programmiersprache erlernen. Doch dann entwickelte er ein eigenes Programm, welches das über Jahre angesammelte Datenmaterial anderer Wissenschaftler auf fantastische Weise sichtbar machte: in Gestalt jener Zwerg-Galaxien, die sich gleichmäßig um den Andromeda-Nebel drehen.

Ein Höhenflug des Jungen ist vorerst nicht zu befürchten

Trotz des spektakulären wissenschaftlichen Höhenflugs ist nicht zu befürchten, dass die Galaxien-Nebel Neil zu Kopfe steigen und abheben lassen. In seiner Freizeit liebt er das Radfahren, liest gern Tolkien-Bücher und klimpert ausgiebig Chopin-Partituren auf dem Klavier.

Dass der so ungewöhnlich Begabte neben seiner Muttersprache auch Englisch, etwas Chinesisch und sehr gut die Sprache Goethes beherrscht, überrascht kaum. „Wenn ich das Abitur habe, werde ich wohl im Ausland studieren“, sagt der selbstbewusste Jung-Forscher.

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