Schauspieler Jürgen Vogel spricht im WZ-Interview über seinen Wechsel zur Comedy, Mut und die Krise als Futter für witziges Fernsehen.

Jürgen Vogel grübelt nicht über sein Image. Er traut sich lieber und geht dafür auch Risiken ein.
Jürgen Vogel grübelt nicht über sein Image. Er traut sich lieber und geht dafür auch Risiken ein.

Jürgen Vogel grübelt nicht über sein Image. Er traut sich lieber und geht dafür auch Risiken ein.

dpa

Jürgen Vogel grübelt nicht über sein Image. Er traut sich lieber und geht dafür auch Risiken ein.

Düsseldorf. Die "Schillerstraße" wird nach eineinhalbjähriger Pause von Sat.1 wiederbelebt. Statt Cordula Stratmann versucht sich nun Jürgen Vogel (40) neben Comedians wie Oliver Pocher in der an das Improvisationstheater angelehnten Show.

Herr Vogel, lassen Sie uns über Mut reden. Was war Ihre mutigste Tat im Leben?

Vogel: Ich bin mit 15 Jahren zu Hause ausgezogen und mit 16 von Hamburg weg, um Schauspieler zu werden. Das war schon ein mutiger Schritt. Ich war dann erst kurz in München und danach in Berlin. Und das Beste war, dass ich dafür belohnt worden bin, mich neu zu erfinden.

Ich wette, die meisten Ihrer Schauspielerkollegen denken, wenn sie bei der "Schillerstraße" einsteigen, wäre das schädlich fürs Image. Begehen Sie gerade beruflichen Selbstmord?

Vogel: Darüber zu grübeln, was das für mein Image bedeutet, ist mir total fremd. Darin besteht ja gerade meine Freiheit, mich auszuprobieren. Sich zu trauen und zu scheitern, finde ich nicht so schlimm, wie sich gar nicht zu trauen.

Sie spielen sich selbst, nur mit dem Unterschied, dass Sie als Schauspieler keinen Erfolg haben. Das klingt nicht besonders mutig.

Vogel: Ich fand es lustig, jemanden zu spielen, der es noch nicht geschafft hat, aber denkt, er stehe kurz vor dem Durchbruch. Man kann dabei auch über sich selbst und den Job lachen, und die anderen Darsteller können darauf leichter einsteigen. Außerdem kenne ich diese Situation, die Ängste und Hoffnungen, noch gut. Man vergisst ja nicht, wie man sich fühlte, als man angefangen hat.

Und wie fühlten Sie sich?

Vogel (lacht): Ganz schön armselig teilweise.

Vor welcher Ansage von "Spielleiterin" Maike Tatzig fürchten Sie sich?

Jürgen Vogel, am 29. April 1968 in Hamburg geboren, schreckt auch vor schwierigen Rollen nicht zurück. Für den Kinofilm "Der freie Wille", in dem er einen Vergewaltiger spielt, erhielt er 2006 den Silbernen Bären. Seinen Durchbruch feierte er mit Sönke Wortmanns "Kleine Haie" (1992), seither wirkte er in über 80 Filmproduktionen mit. Vogel ist auch Drehbuchautor, Produzent und Sänger der Hansen Band.

Vogel: Vor jeder. Man ist immer erschrocken, wenn es einen trifft, aber das ist gut so.

Statt einer Frau ist nun ein Mann der Hauptmieter. Verändert sich die Tonlage?

Vogel: Bestimmt - ganz unabhängig vom Geschlecht. Ich habe sicher einen anderen Humor als Cordula Stratmann, aber meine Figur hat auch feminine Anteile, das wird man in den nächsten Folgen sehen.

Sie saßen auch schon bei "Bully sucht die starken Männer" (ProSieben) in der Jury. Wie sind Ihre Erfahrungen mit dem Privatfernsehen?

Vogel: Es gibt sehr gutes und sehr schlechtes Unterhaltungsfernsehen, das ist bei den Privaten nicht anders als bei den Öffentlich-Rechtlichen. Ich habe da mitgemacht, weil ich Bully Herbig sehr mag. Es war wie mit der "Schillerstraße": Als das Angebot kam, habe ich kurz nachgedacht und zugesagt. Man muss den Kopf auch ein bisschen ausschalten. Als Bedenkenträger geht der Spaß verloren.

Spüren Sie schon die Krise?

Vogel: Seit ich mich erinnern kann, sind Film und Fernsehen permanent in der Krise.

Also alles nur Krisengerede?

Vogel: Ja. Natürlich beschäftigt uns alle der Gedanke an den Zusammenbruch des kapitalistischen Systems. Aber es ist auch eine geile Grundlage, um gutes Fernsehen zu machen. Das ist wieder Futter, auch für die "Schillerstraße". Wir sind ja alle genervt von der Politik, den Banken und den ganzen Diskussionen. Ich glaube, dass eine Krise immer auch eine Chance ist.

Leserkommentare


() Registrierte Nutzer