Hinnerk Schönemann über seine Rolle als TV-Detektiv, das Leben auf dem Land und ungeliebtes Windelnwechseln.

Hinnerk Schönemann
Hinnerk Schönemann über seine Arbeit: „Die Energie im Körper muss raus.“

Hinnerk Schönemann über seine Arbeit: „Die Energie im Körper muss raus.“

dpa

Hinnerk Schönemann über seine Arbeit: „Die Energie im Körper muss raus.“

Köln. Schauspieler Hinnerk Schönemann (38) verkörpert in „Mörderische Jagd“ zum dritten Mal den schrulligen Privatdetektiv Finn Zehender (15. April, 20.15 Uhr/ZDF).

Herr Schönemann, in der Reihe um Finn Zehender gibt es skurrile Figuren und Slapstick-Einlagen. Stößt das Krimigucker vor den Kopf?

Hinnerk Schönemann: Das hoffe ich. Die Reihe ist nämlich sehr mutig. Wenn man sich nicht zu ernst nimmt, entstehen neue, spannende Sachen. Aber es gibt Leute, denen das nicht gefällt.

"Ich kann sehr gut lügen, weil das ein Teil des Berufs ist." Hinnerk Schönemann

Zehender benutzt häufig Notlügen. Lügen Sie auch gut?

Schönemann: Ich kann sehr gut lügen, weil das ein Teil des Berufs ist. Privat versuche ich aber, nur zu schwindeln. Das ist manchmal hilfreich, wenn man dem Gegenüber nicht wehtun möchte.

Hinnerk Schönemann wurde am 30. November 1974 in Rostock geboren. Seine Schauspielausbildung absolvierte er an der Hochschule der Künste in Berlin. Er spielte am Hamburger Thalia-Theater, aber „meine Ausdrucksweise ist der Film“, sagt er. Schönemann wohnt mit seiner Frau, der Schauspielerin Anne Sarah Hartung, auf einem Bauernhof in Plau am See (Mecklenburg-Vorpommern). Ihr Sohn Dexter ist drei Monate alt.

Schönemann hat in Kinofilmen wie „NVA“ oder Steven Spielbergs „Gefährten“ mitgespielt. Seine Paraderollen: Ermittler Simmel in „Marie Brand“ und nun als Finn Zehender (beide ZDF).
 

Zehender ist nicht der Hellste. Was reizt Sie an ihm?

Schönemann: Ich liebe die Rolle. Finn ist menschlich. Er tritt genauso in Fettnäpfchen wie andere Leute. Er ermittelt auf unkonventionelle Art, ist unberechenbar.

Und er redet viel . . .

Schönemann: Das ist so seine Art, die Leute zu bequatschen.

Können Sie das auch?

Schönemann: Wenn ich drehe, unterhalte ich das Team gern, aber sobald Drehschluss ist, bin ich maulfaul. Ich gehe auch nie mit dem Team auf ein Bier mit. Ich kann kein Small-Talk betreiben. Da verstumme ich. Ich gehe nach Drehschluss ins Hotel und gucke DVD.

Ecken Sie damit an?

Schönemann: Das wäre mir, wenn es der Fall ist, im Grunde echt egal. Ich bin gern allein, beziehungsweise mit meiner Familie zusammen. Und ich mag diese ganze Discosache nicht, schon nicht als Jugendlicher. Auch weil es mir zu spät ist. Ich bin sehr früh müde, stehe aber auch ganz früh auf.

Sind Sie ein Einsiedler?

Schönemann: Ja, meine Frau sagt das immer.

Mögen Sie deshalb so gern das Leben auf dem Land?

Schönemann: Ich liebe das, was das Land ausmacht. Nur da habe ich das Gefühl von Heimat. Ich fahre mindestens einmal pro Woche nach Hause, wenn ich drehe. Wenn ich lange in der Stadt sein müsste, hätte ich große Probleme. Ich brauche die körperliche Arbeit, den Geruch im Pferdestall. Ich stehe gern früh auf und arbeite den ganzen Tag.

Sind Sie ein Workaholic?

Schönemann: Ich habe so viel Energie im Körper. Die muss raus. Das habe ich schon mein Leben lang. In der Schule konnte ich es kaum erwarten, dass die 45 Minuten rumgehen. Mein Körper vibriert.

Was hätten Sie gemacht, wenn Sie nicht Schauspieler wären?

Schönemann: Wahrscheinlich etwas Handwerkliches, vielleicht mit Autos. Auf jeden Fall hätte ich immer versucht, mein eigener Chef zu sein.

Sie sind seit drei Monaten Vater. Werden Sie da etwas von Ihren überschüssigen Energien los, zum Beispiel beim Windelnwechseln?

Schönemann: Ich mach’s zwar, aber gut finde ich es überhaupt nicht (verzieht das Gesicht). Ich würge da nämlich schon.

Wie fühlt es sich denn generell an, Vater zu sein?

Schönemann: Ich freue mich darauf, meinen kleinen Sohn Dexter auf dem Land aufwachsen zu sehen. Diese Regelmäßigkeit, abends den Lütten ins Bett zu legen, das habe ich natürlich nicht. Aber ab jetzt ist alles, was man macht, für ihn. Man weiß jetzt materiell, wofür man das Haus baut oder was man vererben möchte. Geistig möchte man dem Kind alles, was man gelernt hat, beibringen. Es zu einem tollen Menschen machen. Ich mag mein Leben.

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