Der Deutsche Alexander Gerst (35) fliegt 2014 zur internationalen Raumstation ISS – und kann es kaum erwarten.

Federico Gambarini

Künzelsau. Im neuen Jahr wird er seinem Kindheitstraum ein ganzes Stück näher kommen: Für den deutschen Astronauten Alexander Gerst bringt 2012 viele weitere Trainings für seinen Einsatz auf der Raumstation ISS im Jahr 2014. Mit unserer Zeitung sprach der in Künzelsau geborene 35-Jährige über den zweitbesten Job der Welt, welches Studium auf eine Astronautenlaufbahn vorbereitet und warum die Menschen alles daran setzen sollten, zum Mars zu fliegen.

Herr Gerst, ins All fliegen, das ist ein Traum der Menschheit – und für Sie erfüllt er sich. Was ist die eine Charaktereigenschaft, die es braucht, um seine Träume zu verwirklichen?

Alexander Gerst: Ich versuche immer weiterzugeben, dass es sich lohnt, seine Träume zu verfolgen – auch wenn man glaubt, sie nicht erreichen zu können. Ich kenne als Wissenschaftler auch die Wahrscheinlichkeit, Astronaut zu werden: 1 zu 10 000. Das ist nicht hoch. Ich wollte es aber zumindest einmal ernsthaft versucht haben.

Warum wurden gerade Sie als Astronaut ausgewählt?

Gerst: Letztlich müssen Sie das die Kommission fragen, die mich ausgewählt hat. Generell wird darauf geschaut, dass man vielseitig ist und keine großen Schwächen hat. Es hilft nichts, wenn man Supermann im Kopfrechnen ist, aber zwei linke Hände hat.

Gehört dazu auch der Wille, etwas hinter sich zu lassen? Immerhin haben Sie über Vulkane geforscht – werden Sie das im All nicht vermissen?

Gerst: Doch, die fehlen mir schon. Meine Kollegin hat es mal so ausgedrückt: Sie hat den zweitbesten Job gegen den besten Job der Welt ausgetauscht. Ich sehe es so: Ich habe erst meine Faszination für das Innere der Erde ausgelebt und kann mich nun auch noch dem Weltall zuwenden. Aber man kann von dort oben ja auch Vulkane sehen, ich bin sie zum Glück also nicht ganz losgeworden.

Ein Geophysiker im All, fühlen Sie sich da nicht wie ein Exot?

Gerst: Nein, gar nicht. Das Training ist so ausgelegt, dass wir Generalisten sind. Wir müssen also nicht nur Experimente durchführen, sondern auch die Systeme der Raumstation steuern, reparieren, oder im Raumanzug arbeiten. Das äußert sich in einer längeren Ausbildungszeit, das Missionstraining dauert 2,5 Jahre. Es gibt deshalb auch keine einzelne Fachrichtung, die besonders gut für Astronauten geeignet ist. Man kann Pilot sein, Mediziner oder Ingenieur.

Was steht für 2012 auf dem Trainingsplan für die Mission?

Gerst: Für mich geht das Missionstraining weiter. Das heißt Training im Raumanzug, Roboterarmtraining und Training auf Systemen der Raumstationen wie dem Lebenserhaltungs- oder dem Kommunikationssystem.

Was kann die Menschheit von Raumfahrern lernen?

Gerst: Auf jeden Fall internationale Zusammenarbeit. Die Station ist von 100 000 Menschen aus 14 Ländern zusammengebaut worden. Ich finde es faszinierend und ermutigend, dass wir trotz kultureller Unterschiede und verschiedenen politischen Perspektiven so erfolgreich zusammenarbeiten können.

Was würde ein Flug zum Mars für die Menschheit bedeuten?

Gerst: Das bisher größte Abenteuer der Menschheit wäre ein Flug zum Mars. Von ihm können wir lernen, wie wir die Erde davor bewahren, dasselbe Schicksal zu erleiden wie der Mars und sich von einem bewohnbaren Planeten in eine lebensfeindliche Wüste zu verwandeln. Vielleicht erfahren wir, ob es im Universum weiteres Leben gibt. So etwas fasziniert die Menschen. Sobald wir als Menschheit den Schritt wagen und uns hinaus ins All bewegen, wird die Faszination wieder aufleben.

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