Hauptdarsteller Sebastian Koch über Kartoffelquetschen, Schiffstouren für Landeier und Liegestütz-Duelle.

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Sebastian Koch war beim Drehen auf hoher See froh über jeden Muskel, den er sich antrainiert hatte.

Sebastian Koch war beim Drehen auf hoher See froh über jeden Muskel, den er sich antrainiert hatte.

ZDF

Sebastian Koch war beim Drehen auf hoher See froh über jeden Muskel, den er sich antrainiert hatte.

Herr Koch, wie oft werden Sie in diesen Tagen nach der Kartoffel gefragt?

Koch: Immer! Aber es gehört wohl dazu. Wir haben den "Seewolf" ja auf Englisch gedreht, eine internationale Produktion. Weder die Engländer, noch die Amerikaner haben sich für die Kartoffel interessiert.

Aber in Deutschland ist das ja fast ein Heiligtum. Da kommt man nicht drum herum. Also haben wir uns was einfallen lassen.

Macht das Spaß, mal den wüsten, wenngleich gebildeten Gewaltmenschen rauszulassen?

Koch (lacht): Logisch, sehr viel Spaß. Aber auch weil diese Figur diese zwei Pole hat: Einen brillanten, sehr klaren Geist und diesen derben, brutalen Umgangston.

Hat es Sie erschreckt, dass der Film tatsächlich auf hoher See gedreht wurde?

Koch: Ich war sehr früh ins Projekt eingebunden, und uns allen wurde schnell klar, dass man diesen Film nicht bei Sonne und Windstille drehen kann. Auf See war ich aber hinterher dankbar für jeden Muskel, den ich mir vorher antrainiert hatte.

Da ging es gar nicht mehr ums Aussehen, sondern allein darum, den Seegang auszubalancieren. Für uns Landeier war das ziemlich anstrengend. Die Windstärken waren schon grenzwertig. Wenn man da über Bord fällt, hat man nur für fünf bis sechs Minuten eine Überlebenschance. Andererseits ist es unglaublich toll, so ein Schiff zu führen.

Dazu kommt noch, dass das Schiff ziemlich klein ist und mit Schauspielern und Filmcrew quasi doppelt besetzt war. Wie sind Sie mit der Enge zurecht gekommen?

Koch: Der Arbeitsplatz war natürlich schwierig, aber auch eine Hammer-Erfahrung. Man kommt nicht weg, kann nicht weglaufen, wenn die Emotionen hochkochen oder es Reibereien gibt. Am Ende hilft nur, wenn alle die Ego-Schraube runterdrehen.

Auch in den Drehpausen sind Sie den Seewolf nicht los geworden, sondern haben Liegestütz-Duelle mit den anderen gemacht.

Koch (lacht): Ja, das stimmt. Wenn wir nicht drehen konnten, weil Windstille war, strickt man an Bord natürlich nicht, sondern macht eben Männerspiele. Und die darf man als Wolf Larsen natürlich nicht verlieren.

Sie haben alle Duelle gewonnen?

Koch: Klar.

Was mögen Sie an diesem Seewolf?

Koch: Ich mag diese Klarheit und das bedingungslos Konsequente an ihm, dass er die Dinge durchzieht, dass er sich von niemandem abhängig macht. Solche Wolf Larsens gibt es nicht mehr - Leute, die schonungslos die Wahrheit sagen.

Dabei brauchen wir auch heute die Fragen, die er stellt: Wie kann ich als Einzelner meine Freiheit ausleben und welche Kompromisse muss ich der Gesellschaft zuliebe machen? Auch wenn wir die Antworten natürlich nie haben werden, sind die Fragen wichtig.

Als im August die Trennung von Ihrer Freundin, der Schauspielerin Carice van Houten, publik wurde, gab ihre Agentur die berufliche Belastung als Grund an. Ist der Preis, den Sie für Ihren Beruf zahlen, manchmal zu hoch?

Koch: Es ist ein Geben und Nehmen, wie überall im Leben. Mein Beruf hat natürlich Konsequenzen, aber am Ende gleicht sich das aus. Mein Leben ist wunderbar aufregend und vielseitig.

Und es ist ja nicht gesagt, dass andere keinen hohen Preis zahlen, etwa wenn sie sich in ihrem Job zu Tode langweilen. Je extremer dein Job, desto extremer sind wahrscheinlich die Konsequenzen. Wichtig ist doch nur: Ich darf das selbst entscheiden.

Steht nach dem Oscar für "Das Leben der Anderen" und dem mittlerweile zweiten Film auf Englisch Hollywood bei Ihnen auf der Matte?

Koch: Ach, was heißt schon Hollywood. Es hat Angebote auch von dort gegeben, aber ich mache es wie immer: Ich lese alles durch und nehme dann das, was zu mir passt.

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