Schlips ab, Wollmütze auf: Jürgen Großmann, Vorstandschef von RWE, steuert in den Ferien eine Yacht.

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Jürgen Großmann: Bei rauer See helfen Ingwerschnaps und ein Steak-Sandwich.

Jürgen Großmann: Bei rauer See helfen Ingwerschnaps und ein Steak-Sandwich.

dpa

Jürgen Großmann: Bei rauer See helfen Ingwerschnaps und ein Steak-Sandwich.

Herr Großmann, ist Segeln das Gegenteil vom Alltag als Kapitän bei RWE?

Großmann: Ein Segelboot ist, jedenfalls bei akzeptablem Wetter, eine mobile Hütte. Es ist das Stück Romantik, das man mit sich durch die Welt schleppt.

Ich wollte übrigens nie in offenen Booten segeln, sondern immer eine Kajüte haben, in die man sich zurückziehen kann und wo man es gemütlich hat: abends vor Anker liegen und Skat spielen, zum Beispiel.

Wie sieht das perfekte Segelboot aus?

Großmann: Das perfekte Boot muss so aussehen, dass meine Frau, meine drei Kinder plus die Partner meiner drei Kinder plus ein paar Leute, die was vom Segeln verstehen, darauf Platz haben.

Also, es müsste eine Ketsch sein (ein Zweimaster, d. Red.), und da wir gerne größere Törns machen, müsste sie, nun ja, eine gewisse Länge haben. Ein Kompressor zum Tauchen und ein Bötchen, mit dem man Wasserski fahren kann, wären auch ganz gut.

Was kommt abends auf den Tisch?

Jürgen R. Großmann (*4. März 1952 in Mülheim an der Ruhr) ist verheiratet und hat drei Kinder. Sein Vermögen im Jahr 2008 betrug laut "Manager Magazin" 1,35 Milliarden Euro.

Großmann ist seit dem 1. Oktober 2007 Vorstandsvorsitzender der RWE AG. 1993 übernahm er für einen symbolischen Preis von 2 D-Mark die marode Georgsmarienhütte (ehemals Klöckner Edelstahl). 2006 erwirtschaftete die Unternehmensgruppe mehr als zwei Milliarden Euro Umsatz mit rund 9.000 Mitarbeitern. Großmann ist mittlerweile Alleingesellschafter. In Osnabrück betreibt er zudem das Sterne-Restaurant La Vie.

Großmann: Das kommt immer darauf an, wo man gerade ist. Vor zwei Jahren haben wir einen Ostseetörn gemacht, da gab’s Erbsensuppe. Wenn Sie dagegen durch die griechische Inselwelt fahren, passt Erbsensuppe nicht so gut.

Überhaupt ist das wunderbar: Wenn Sie in einem kleinen Hafen ins Lebensmittelgeschäft gehen und für 15 Mann an Bord für die nächsten vier Tage einkaufen, dann ist plötzlich der ganze Laden leer.

Was kommt ins Glas? Vermutlich kein Rotwein, denn Sie haben ja Ihrer Frau beim Antritt als RWE-Chef versprochen, 1.000 Tage keinen Alkohol zu trinken.

Großmann: Ja, das dauert jetzt noch 340 Tage. Aber davon ab: Wenn richtig raue See ist und harter Wind, dann muss ich an Deck sein und ein kräftiges Sandwich essen. Am liebsten eins mit einem dünnen Steak drauf. Dazu trinke ich - natürlich erst wieder demnächst - Bier und einen Lockstedter, das ist so ein Ingwerschnaps. Dann werde ich auch nicht seekrank.

Holt das Handy Sie auch an Bord permanent ein?

Großmann: Ich werde nicht gerne angerufen, sondern rufe lieber selbst an. Im Urlaub telefoniere ich nach dem Frühstück eine Stunde lang, egal wann und wo. Aber damit ist es auch gut. Dann denke ich: Du hast Deine Pflicht getan -23 Stunden am Tag Urlaub, eine Stunde Geschäft.

An Bord hockt man oft tagelang auf engstem Raum zusammen. Mit wem gehen Sie gerne segeln?

Großmann: Auf der einen Seite ist das meine Familie. Zum anderen sind da die "Unerschrockenen Elf". Das ist die Crew, mit der wir vor zwei Jahren über den Atlantik gesegelt sind: ein Professor für Architektur, ein Meteorologe, ein ehemaliger Vorstand eines sehr großen deutschen Zeitungshauses, ein Vorstand eines sehr großen deutschen Kommunikationskonzerns, ein Unternehmer, der Küchengeräte baut, ein Finanzinvestor, ein Notar, ein Rechtsanwalt, ein Orthopäde und mein Bruder.

Schon mal in Seenot geraten?

Großmann: Vor der ersten Transatlantik-Regatta hatten wir die "Unerschrockenen Elf" zusammengeholt, um Sturmsegeln zu üben. Wir wollten von Cuxhaven nach Helgoland segeln. Der Sturm war so stark, dass wir erst gar nicht auslaufen konnten.

Dann hat die erste Bö das Boot flach aufs Wasser gelegt. Da haben wir Kriegsrat gehalten und uns gesagt: Vielleicht ist das für Helgoland doch nicht der richtige Tag. Wir sind dann nach Glücksburg gesegelt und haben Matjes gegessen.

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