Meteorologe und Moderator Karsten Schwanke (41) über seine Wissens-Sendung und das Winterwetter.

Gewann den goldene Kamera mit seiner Sendung "Abenteuer Wissen" in der Kategorie "Beste Information Wissensmagazine"
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Gewann den goldene Kamera mit seiner Sendung "Abenteuer Wissen" in der Kategorie "Beste Information Wissensmagazine"

Reuters

Gewann den goldene Kamera mit seiner Sendung "Abenteuer Wissen" in der Kategorie "Beste Information Wissensmagazine"

Herr Schwanke, wo steht die Goldene Kamera jetzt?

Schwanke: Noch ist sie bei mir. Aber sie kommt natürlich in die Redaktion - sie ist ja für die ganze Sendung. Dort wird sie bestimmt täglich die komplette Truppe motivieren. Wir werden sie aber sicher in einer Vitrine verwahren, schließlich besteht sie aus massivem Silber und ist vergoldet.

Verbessert so ein Preis auch die Position im Sender?

Schwanke: Ich glaube schon. Einfach, weil die allgemeine Aufmerksamkeit erhöht ist.

Seit rund zehn Jahren moderieren Sie Wissens- und Wissenschaftssendungen. Was war ihr größtes Aha-Erlebnis?

Schwanke: Eines war zum Beispiel vor drei Jahren in Ny-Ålesund auf Spitzbergen. Ich bin über Pfingsten hingereist, dann ist da 24 Stunden Polartag. Das weiß man natürlich seit seiner Jugend, aber es war trotzdem der Hammer. Wenn die Sonne nachts um eins so hoch steht wie im Rheinland an einem Wintermittag, dann verliert man das Gefühl für die Zeit. Man schläft viel weniger, man arbeitet immer weiter, ich hatte auch überhaupt keinen Hunger.

Sie haben lange als Meteorologe gearbeitet. Ist Ihnen das Thema heute noch wichtig?

Schwanke: Ja klar, ich nutze im Internet jede Möglichkeit, die Wetterkarten für Profis zu studieren, auch wenn das zurzeit nur ein Hobby ist.

Können Sie nur aus den Satellitenberechnungen aufs Wetter schließen oder gucken Sie auch auf Wolkenkonstellationen?

Schwanke: Wenn ich aus der Tür komme, geht mein erster Blick nach oben und danach, was der Wind macht. Für die Sendung sind wir dauernd unterwegs, da gucke ich auch immer, wie das Wetter am Ort wird.

Wie hoch ist die Trefferquote?

Schwanke: Das Problem ist eher psychologisch: Ich ziehe meist zu wenig an, auch wenn ich es besser weiß. Im Oktober hatten wir mehrere Drehtermine in Las Vegas. Angefangen haben wir bei netten 28 Grad, aber ich wusste: Es wird kalt.

Weil die Moderationen von einem Ort für ein- und dieselbe Sendung sind, muss ich aber immer dasselbe anhaben. Am Ende stand ich nachts bei acht Grad und gemeinem Wind in einer dünnen Jacke vor der Kamera. Die Kollegen auf der anderen Seite trugen schon Handschuhe und Mützen.

Apropos frieren: Ist es nicht seltsam, dass unser Leben immer komfortabler wird, aber sofort das große Geschrei anfängt, wenn es mal ordentlich schneit?

Schwanke: Ich freue mich jedenfalls, dass wir einen richtigen Winter haben. Aber wir haben es verlernt, mit der Natur zu leben - ich nehme mich da gar nicht aus. Ich habe zehn Jahre in Appenzell in der Schweiz gelebt - da ist der Stammsitz von Jörg Kachelmanns Firma. Da kennen die Leute ihr Wetter. Bei uns in den Großstädten kann einem das Wetter die meiste Zeit egal sein. Doch in Perioden wie jetzt wird einem bewusst, dass einen das Wetter doch im Griff hat.

Wahrscheinlich werden Sie auf jeder Party auf den Klimawandel angesprochen. Ist die Erde denn noch zu retten?

Schwanke: Aus Sicht der Erde geht es ihr super. Sie ist ein runder Ball, auf dem krabbelt ein bisschen was rum, was ihr ziemlich egal ist. Weil ich Optimist bin, hoffe ich aber, dass die Menschen es noch gebacken kriegen, dass sie für uns bewohnbar bleibt. Je länger wir warten, desto schwieriger wird es. Aber vielleicht brauchen wir den Schmerz über das, was schon zerstört ist, um uns zu bewegen.

Was tun Sie für die Umwelt?

Schwanke: Zuhause haben wir natürlich nur noch Energiesparlampen, den Strom beziehen wir von einem Öko-Anbieter. Aber durch meine Arbeit verhalte ich mich alles andere als klimafreundlich, weil ich mit dem Flugzeug unterwegs bin. Das meiste, was ich tun kann, ist, dass ich darüber berichte und ein Bewusstsein schaffe.

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