Joachim Fuchsberger spricht über sein aktives Leben und warum das Alter die Menschen stabiler macht.

Joachim Fuchsberger: „Über meine Krankheiten rede ich nicht.“
Joachim Fuchsberger: „Über meine Krankheiten rede ich nicht.“

Joachim Fuchsberger: „Über meine Krankheiten rede ich nicht.“

dpa

Joachim Fuchsberger: „Über meine Krankheiten rede ich nicht.“

Herr Fuchsberger, Sie haben gerade eine schwere Infektion überstanden. Wie gehen Sie mit Krankheiten um?

Fuchsberger: Ich habe gemerkt, dass es reine Glückssache ist, im richtigen Moment den richtigen Doktor zu finden, damit man überlebt. Aber über meine Krankheiten rede ich eigentlich nicht. Wer permanent jammert, erregt kein Mitleid, sondern geht den Leuten nur auf den Wecker.

Warum spielen Sie ausgerechnet in einer Altenheimkomödie mit?

Fuchsberger: Ich schreibe an einem Buch über das Alter und die Frage, wie die Gesellschaft mit den Alten umgeht. Ich habe diesen Film also gerade wegen seines Themas mit besonderer Freude gemacht. Die Arbeit war sehr erfreulich, auch wenn die Dreharbeiten für uns ältere Schauspieler manchmal mühsam waren, wir sind ja alle über 80.

Was ist für Sie als Schauspieler anders als in jüngeren Jahren?

Fuchsberger: Das Alter lässt einem nicht viele darstellerische Möglichkeiten. Ich habe eine Filmzeit mit viel Action hinter mir, ich war mein eigener Stuntman, war immer der Aktive. Mit 82 kann ich nicht mehr über Tische und Bänke springen.

Natürlich habe ich meine Schwierigkeiten, natürlich habe ich Schmerzen, wir Alten werden einfach langsamer. Es ist ein fast schon philosophisches Bemühen, mit den verbleibenden Möglichkeiten umzugehen.

Die Botschaft des Films ist aber doch, dass die Alten deutlich mehr draufhaben, als viele Jüngere glauben.

Joachim "Blacky" Fuchsberger (* 11. März 1927 in Stuttgart) ist in Düsseldorf aufgewachsen. Seit 55 Jahren ist er mit seiner Frau Gundula verheiratet. Er spielte in vielen Filmen, u.a. den Edgar-Wallace-Krimis, moderierte Shows wie "Auf los geht’s los" und den Talk "Heute Abend". Am Samstag hat er die Goldene Kamera für sein Lebenswerk bekommen.

In der Komödie "Die Spätzünder" spielt Fuchsberger einen schlitzohrigen Altenheimbewohner, der mit einem Rockmusiker (Jan Josef Liefers) eine Band gründet (ARD, 20.15 Uhr).

Fuchsberger: Es gibt in der Tat Leute, die es peinlich finden, wenn alte Menschen sich vergnügen, tanzen oder in ihren persönlichen Beziehungen vielleicht noch einen Schritt weiter gehen.

Es gab ja sogar mal diesen politischen Rotzlöffel, der behauptet hat, Menschen über 80 seien keine neue Hüfte mehr wert. Natürlich sind die Möglichkeiten für alte Leute sehr viel größer, als man allgemein annimmt - oder als erwünscht ist.

Gerade in einem Altersheim mag man keine Aufmüpfigkeit, keine Rebellion. Da gibt es strenge Vorgaben wie Alkohol- oder Rauchverbot, die Bettruhe ist strikt einzuhalten. Das alles kann zwar begründet werden, hat aber auf das Leben der Bewohner einen drastischen Effekt. Sie müssen sich permanent unterordnen, und das gehört nicht zu einem schönen Leben im Alter.

Also würden Sie nicht in eine Seniorenresidenz ziehen?

Fuchsberger: Nein, ich gehe nicht ins Altersheim. Ich respektiere es zwar, dass sich das Ehepaar Nadja Tiller und Walter Giller und auch mein alter Weggenosse Hans-Jochen Vogel dafür entschieden haben.

Für meine Rolle habe ich aber Erkundigungen einzogen, wie es ist, in einem Seniorenheim zu leben. Da habe ich von diesen ganzen Einschränkungen gehört. Ich persönlich möchte das nicht. Aber natürlich bin ich auch in der glücklichen Situation, sehr aktiv und in jeder Hinsicht unabhängig zu sein.

Bringt das Älterwerden auch Vorteile?

Fuchsberger: Wir Alten denken nach und rennen nicht wie die Lemminge auf den Abgrund zu, sondern haben unsere Erfahrungen - das macht uns stabiler. Wir haben die meisten kritischen Situationen schon mal erlebt und dabei die Gewissheit gewonnen, dass man sehr vieles aushalten kann, ohne zu Drogen und Alkohol zu greifen oder eine andere Dummheit zu begehen.

Wenn alles schon mal da gewesen ist: Wird das Leben dann nicht ein bisschen langweilig?

Fuchsberger: Die Dinge wiederholen sich ja nicht eins zu eins. Wem das Leben langweilig wird, der ist selber schuld.

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