Anna Loos und Jan Josef Liefers über die Gerüche der Kindheit, ihren neuen Film und Küsse vor der Kamera.

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Seit 2004 verheiratet: Anna Loos und Jan Josef Liefers.

Seit 2004 verheiratet: Anna Loos und Jan Josef Liefers.

dpa

Seit 2004 verheiratet: Anna Loos und Jan Josef Liefers.

Berlin. Ostdeutsche Beziehungskiste: Das Schauspielerpaar Anna Loos (38) und Jan Josef Liefers (45) spielt in seinem fünften gemeinsamen Film das Liebespaar Konrad und Lily, die als Teenager aus der DDR fliehen wollten, aber verraten wurden.

Nach dem Mauerfall treffen sie sich durch Zufall wieder. Der Film versucht beides: eine Liebesgeschichte zu sein und eine Tiefenbohrung in deutsch-deutsche Biografien. Liefers, der Münsteraner Tatort-Pathologe, und seine Frau sind in der DDR groß geworden.

Frau Loos, Herr Liefers, Sie spielen nicht nur ein ostdeutsches Paar, sie sind auch eins. Ist es gut zu wissen, dass der andere dieselben Wurzeln hat wie man selbst?

Liefers: Klar, man muss bestimmte Fragen nicht mehr stellen, bestimmte Begriffe und Gefühlslagen nicht mehr erklären.

Loos: Wir haben unsere Kindheit und Jugend in einer gemeinsamen Welt verbracht, gemeinsame Wurzeln, das verbindet. Der Geruch zum Beispiel von ... - Jan, habt ihr eigentlich viele Westpakete bekommen? Die haben genauso gerochen wie ...

Liefers: Genau. Wie ein Intershop. Jeder von uns weiß, wie es da roch. Komischerweise habe ich diesen Geruch im Westen nie mehr gerochen.

"Lilys Geheimnis" zeigt das ZDF am Montag um 20.15 Uhr.

Mitte Oktober erscheint Jan Josef Liefers’ Autobiografie "Soundtrack meiner Kindheit" (Rowohlt). Der 45-jährige Dresdner gehörte 1989 zu den Unterstützern des Neuen Forums.

Anna Loos (38) floh mit 17 Jahren in den Westen.

Loos: Doch! Im Westen gab es den Geruch auch. Als ich hier angekommen war, bin ich zu C&A gegangen. Da war dieser Geruch. Oder ein anderes Beispiel. Mein Opa hat oft Diesel von der russischen Armee besorgt. Das weiß im Westen kaum jemand: Wie das riecht, wenn ein Auto vorbeifährt, das eindeutig Benzin von der Russenarmee im Tank hat.

Viele Wessis glauben, sie kennen die DDR, weil sie "Good Bye, Lenin!" gesehen haben. Nervt das?

Loos: Ich habe die Musik, die Filme, die Nachrichten, das komplette Programm des Westens als Kind über Radio und Fernsehen mitbekommen. Für den Westen war das Land hinter der Mauer nicht sehr interessant. Das lässt sich nicht einfach so wieder aufholen.

Liefers: "Good Bye, Lenin!" fand ich einen gelungenen Film. In der DDR aufgewachsen zu sein, war eine komplexe Erfahrung. Man stößt leicht an die Grenzen, wenn man das verfilmen will. Die DDR war nicht das, was sie nach außen an Bildern gezeigt hat. Das Leben spielte sich in Parallelwelten ab, die sich widersprachen. Man richtete sich irgendwie ein. Und darum geht es auch in unserem Film. Was passiert eigentlich mit diesem Gift, das die DDR einem eingeträufelt hat, das man nicht haben wollte? Was passiert, wenn man damit 20 Jahre durch die Gegend läuft? Das wirkt immer noch.

Frau Loos, wen küssen Sie vor der Kamera lieber - Ihren oder einen fremden Mann?

Loos: Ich habe immer Probleme, vor der Kamera jemanden zu küssen. Für mich ist ein Kuss etwas Privates, fast privater als Sex. Aber wenn ich die Wahl habe, küsse ich natürlich - mit einem unendlichen Vorsprung - Jan Josef lieber als jeden anderen.

Liefers: Das wusste ich nicht.

Loos: Wir hatten ja auch eine Liebesszene in dem Film - ich bin darin nicht so gut.

Liefers: Klar, das sind heikle Drehtage. Und es ist natürlich viel schöner mit Anna als mit jemand anderem. Aber es ist auch doof. Das ganze Team steht da und denkt: Ach, so läuft das also bei denen.

Und dann kündigte sich noch Ihre zweite Tochter Lola an.

Loos: Es war die erste Drehwoche, wir haben auf unserer Wohnwagen-Toilette in der Mittagspause den Schwangerschaftstest gemacht. Wir waren sehr glücklich und natürlich extrem aufgeregt.

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