Roland Koch entschuldigt sich bei Navid Kermani.

Wiesbaden. Nach monatelangen Querelen ist am Donnerstag in Wiesbaden der Hessische Kulturpreis verliehen worden. Der Mainzer Bischof, Kardinal Karl Lehmann, der frühere evangelische Kirchenpräsident Peter Steinacker, der Vizepräsident des Zentralrats der Juden, Salomon Korn, und der Orientalist und Autor Navid Kermani wurden für ihre Verdienste um den Dialog der Religionen ausgezeichnet. Ein Streit der Preisträger untereinander hatte im Vorfeld für einen großen Eklat gesorgt.

Navid Kermani, als Sohn iranischer Eltern geboren und als habilitierter Orientalist Mitglied der Islamkonferenz, war der Preis im Mai zeitweilig aberkannt worden. Bei der Preisverleihung entschuldigte sich Hessens Ministerpräsident Roland Koch (CDU) gestern Abend bei Kermani dafür. Die Kommunikation sei nicht gelungen gewesen, sagte er.

Lehmann sah die Kritik als Angriff auf das Herz des Christentums

Anlass für den Streit war ein Essay über ein Kreuzigungsgemälde Guido Renis, in dem sich Kermani scharf über die Kreuzestheologie ausgesprochen hatte: In der Kreuzigung erkenne er eine Parallele zum Blutopfer und dem Märtyrerkult im Islam, den er als Aberglaube ablehne. Er lehne radikale Gewalt ab, die er in allen Religionen immanent sehe. Lehmann wollte daraufhin nicht gemeinsam mit dem Orientalisten geehrt werden. Er könne sich " als Bischof und Theologe" die Kritik an der Kreuzigungstheologie als Angriff auf das Herz des Christentums nicht gefallen lassen.

Nach einer vertraulichen Aussprache erklärten die vier für den Hessischen Kulturpreis nominierten Religionsvertreter plötzlich dann doch, Kermani solle ausgezeichnet werden. Lehmann räumte eigene Fehler ein. Zugleich kritisierte er in Mainz die Berichterstattung der Medien. Er hätte früher einen eigenen Kontakt zu dem muslimischen Autor Navid Kermani aufnehmen sollen, erklärte Lehmann.

Der Kardinal sprach von "unglaublichen Verdrehungen der wirklichen Geschehnisse und ausgesprochenen Unwahrheiten". Das Kuratorium des Hessischen Kulturpreises unter Vorsitz von Ministerpräsident Koch habe Kermani als Preisträger ausgeschlossen, nachdem er und der frühere evangelische Kirchenpräsident Peter Steinacker lediglich Bedenken gegen einen Essay des Muslimen geäußert hatten. "Ich habe nie direkt darauf eingewirkt, dass Kermani der Preis aberkannt worden ist", schrieb Lehmann.

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