Interview: Die Schauspielerin Heike Makatsch erzählt, wie es ist, die Legende Hildegard Knef zu spielen und zu singen.

Heike Makatsch spielt Hildegard Knef.
Heike Makatsch spielt Hildegard Knef.

Heike Makatsch spielt Hildegard Knef.

dpa

Heike Makatsch spielt Hildegard Knef.

Düsseldorf. Frau Makatsch, Sie haben schon so viele Filme gedreht, warum haben Sie dann für "Hilde" erstmals Schauspielunterricht genommen?

Makatsch: Um jemanden zu haben, der mal von außen betrachtet, wie weit sich das transportiert, was innen schon stattgefunden hat. Denn hier hatte ich natürlich mehr als bei anderen Stoffen das Gefühl, es muss etwas transportiert werden, das auch für Menschen, die Hildegard Knef kennen, etwas zum Schwingen bringt. Weil sie eben keine fiktive Figur ist und nicht im von mir allein gestalteten Raum steht.

Sowohl in Dialog- als auch in Gesangspassagen hat man wirklich das Gefühl, man hört die Knef auf der Leinwand. Haben Sie das im Gesangsunterricht gelernt, den Sie auch genommen haben?

Makatsch: Ich glaube, das hatte auch mit einer Haltung zu tun, die ich mir antrainiert habe. Aus dem, was ich über Hilde versucht habe zu lernen. Das hängt auch mit einer körperlichen Haltung, mit Gestik und Mimik zusammen. Damit kommt dann ganz automatisch auch ein tieferer Stimmsitz zustande.

Im Studio zu singen ist das eine, aber Sie haben die Konzertszene von 1966 in der Berliner Philharmonie tatsächlich live vor Publikum gespielt. Wie war Ihnen da zumute?

Makatsch: Natürlich habe ich da gesagt, ich kann das live und vor Publikum singen. Aber ob das filmreif ist? Ob das so auf Zelluloid gebannt den Höhepunkt ihres Schaffens darstellen kann? Also haben wir das live gemacht und zusätzlich playback. Angeblich ist im Film jetzt fast alles live. Aber vielleicht sagt Kai (Wessel, der Regisseur) das auch nur - und sie haben doch gemauschelt. (lacht)

Für Hildegard Knef war die künstlerische Arbeit - erst die Schauspielerei, dann das Singen - sehr wichtig im Leben. Ist das bei Ihnen ähnlich?

Makatsch: Ich hab es auch immer gut ausgehalten, phasenweise nicht zu drehen. Aber ich liebe meinen Beruf schon sehr. Es war eine intensive Erfahrung, den "Hilde"-Film zu drehen. Danach habe ich noch den sehr intensiven TV-Zweiteiler "Hope" gehabt. Da kam ich schon in so einen Arbeitsmodus hinein, dass man etwas erschaffen und mit-kreieren will. Da habe ich vielleicht mehr denn je das Gefühl gehabt: Das will ich, und das brauch ich auch.

Wenn man sich so lange mit einer Person auseinandersetzt und versucht, ihre Eigenheiten zu übernehmen, wie schwer wird man das wieder los?

Heike Makatsch wurde am 13. August 1971 in Düsseldorf geboren. Sie war acht Jahre mit Daniel Craig liiert, als er noch nicht James Bond spielte. Heute lebt sie mit ihrer Tochter (2) und dem Musiker Max Schröder von der Band Tomte in Berlin.

Heike Makatsch moderierte von 1993 an beim Musiksender Viva. 1995 spielte sie ihre erste Filmrolle in "Männerpension". Danach sah man sie u.a. in "Aimée und Jaguar", "Die Affäre Semmeling", "Das Wunder von Lengede" und "Margarete Steiff". Ihr neuer Film "Hilde" startet morgen in den Kinos.

Makatsch: Vielleicht wird man’s nicht ganz los, denn es ist ja ein Teil des Lebens. Die Schulzeit oder einen Auslandsaufenthalt wird man auch nicht ganz los, einfach weil es Erfahrungen sind. Das ist ja auch nicht Sinn der Sache. Aber ich bin nicht Hilde und rauche heimlich und klebe mir lange Wimpern an (lacht).

Sie sind auch schon lange nicht mehr das Girlie, das mal bei Viva moderiert hat. Hängt Ihnen dieser Teil Ihrer Karriere manchmal trotzdem nach?

Makatsch: Es gibt Schauspieler, die haben es schwerer als ich und die haben nicht die Last des Musiksenders am Bein. Also, ich will mich nicht beklagen.

Könnte diesem Knef-Gesangsprojekt irgendwann ein anderes folgen? Eine eigene CD?

Makatsch: Im Moment steht das nicht an. Aber das Leben ist ja hoffentlich noch lang.

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