Pur steht mit der CD „Wünsche“ an der Spitze der Charts. Darin hat Sänger Hartmut Engler auch sein überwundenes Alkoholproblem verarbeitet.

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Hartmut Engler: "Irgendwo" ist ein sehr zwiespältiger Song."

Hartmut Engler: "Irgendwo" ist ein sehr zwiespältiger Song."

dpa

Hartmut Engler: "Irgendwo" ist ein sehr zwiespältiger Song."

"Du bist auf der Flucht, versteckt in der Sucht", heißt es in der ersten Single "Irgendwo". Spiegeln sich da Ihre eigenen Erfahrungen wider?

Hartmut Engler: "Irgendwo" ist ein sehr zwiespältiger Song. Der Vers hat so eine Down-Situation. Jemand befindet sich in einem persönlichen Loch und kommt da nicht raus, weigert sich auch, Hilfe anzunehmen, weil er sie nicht versteht. Auf der Gegenseite steht der Refrain, die Sehnsucht nach dem Glück, das es irgendwo geben muss, gepaart mit dem Wunsch, aus diesem Loch herauszufinden. Ich denke, ich texte am besten, wenn ich weiß, worum es geht. Speziell bei diesem Song weiß ich es.

Worum geht es genau?

Engler: Dieses Gefühl, da sind Freunde, die wollen dir helfen, du willst das aber nicht annehmen, du bist auf dem falschen Weg. Und irgendwann kapierst du dann, worum es geht und lässt dir auch helfen und stehst dann irgendwann wieder sehr gut auf dem Hügel und kannst runtergucken und sagen: Jetzt bin ich wieder hier oben, das Tal ist durchschritten.

Was hat sich seitdem verändert in Ihrem Leben?

Pur gründete sich in der heutigen Besetzung (Engler, Bless, Reidl, Crawford, Buttas) 1980 unter dem Namen Opus in Bietigheim-Bissingen. Mit dem fünften Album "Unendlich mehr" schafften sie als Pur 1990 den Durchbruch.

Pur ist die erfolgreichste deutsche Popband. Allein das Album "Abenteuerland" (1995) verkaufte sich rund 2,5 Millionen Mal.

Konzerte 9./10. Dez. in Köln, Lanxess-Arena, 11. Dez. in Dortmund, Westfalenhalle.

Engler: Ich fühle eine Art von Zufriedenheit, die ich so in meinem Leben früher nicht kannte, weil ich manchmal auch den falschen Dingen hinterher gelaufen bin. Ich denke, man reift an jeder Krise, an jeder Beziehung, die man durchmacht, an jeder Problematik, an der man sich reibt - und lernt ein bisschen dabei. Hoffentlich. Aber man hat auch das sichere Gefühl, wenn man mal da unten war, dass man da auch wieder sein kann. Es sollte also auch eine gewisse Warnung sein.

Wie sind die Medien mit Ihrem Alkoholproblem umgegangen?

Engler: Ich tauge offensichtlich noch dazu, bei Boulevardmedien ein Thema zu sein. Insofern musste ich das aushalten, und das ist nicht schön. Der Vorteil für mich war: Eigentlich war alles ausgestanden, als es in der Zeitung stand. So ließ es sich gut ertragen.

Gönnen Sie sich jetzt mehr Entspannung?

Engler: Bis zum Jahresende wird es nicht so viel Entspannung geben. Wir hatten erst drei Wochen Urlaub. Es war eine schöne Zeit mit meinen Kindern und meiner Freundin, ab jetzt wird es stressig - ein positiver Stress. Wir wissen ja, dass wir eine tolle CD vorgelegt haben.

Wie entspannen Sie denn?

Engler: Die meisten im Bandteam sind Jogger. Ein Sport, der viele Aufgeregtheiten relativiert. Vielleicht sind Jogger die besseren Menschen, weil sie einfach, wenn sie ihren Sport ausüben dürfen, ziemlich angenehm sein können. Und wenn sie - so wie ich jetzt - seit einer Woche nicht dazu kommen, dann spürt man ein Kribbeln und weiß: es ist wieder an der Zeit, sich den Stress wegzulaufen.

Freuen Sie sich auf die Tour?

Engler: Die Lust dazu ist megagroß. Die Nervosität allerdings auch. Ich kann mich an dieses Glücksgefühl erinnern, das man hat, wenn man von der Bühne runterkommt. An diese Art von Euphorie, die das so unvergleichlich macht. Ein Gefühl, das man nur nach einem Live-Konzert erreicht. Nach der langen Studiophase ist das Live-Spielen so was wie das Lebenselixier der Band.

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