In den Sälen hat sich eine gewisse TV-Mentalität breit gemacht – sagt der Comedian und Karnevalist Guido Cantz.

Interview
Guido Cantz bei einem Auftritt des Karnevalsvereins „Rather Aape“.

Guido Cantz bei einem Auftritt des Karnevalsvereins „Rather Aape“.

Nanninga, Bernd (bn)

Guido Cantz bei einem Auftritt des Karnevalsvereins „Rather Aape“.

Köln. Bekannt wurde der Kölner Guido Cantz vor allem durch seine Auftritte im Fernsehen. Ursprünglich kommt er aber aus der Bütt – als Nachwuchskünstler im Kölner Karneval. Dort stand er in den vergangenen Sessionen immer wieder auf der Bühne.

Herr Cantz, viele Comedians entdecken den Karneval. Sie haben in Köln Ihre Karriere begonnen, ein Vorteil?

Guido Cantz: Ich war schon als Jugendlicher mit meinem Vater in dessen Karnevalsverein in Porz-Wahn unterwegs und fand das toll. Die Wurzeln hier im Karneval zu haben, ist auf jeden Fall ein Vorteil. Andererseits hilft es auch, einen gewissen Bekanntheitsgrad aus dem Fernsehen mitzubringen. Beides komplett zu trennen, fällt mir schwer, es befruchtet sich gegenseitig.

Als was haben Sie sich als Kind am liebsten verkleidet?

Cantz: Da stand klar der Klassiker Cowboy hoch im Kurs, auch wenn ich dabei schon mal Kostüme vom großen Bruder auftragen musste. Ich habe mich aber immer gerne verkleidet und wollte unbedingt im Karneval auf einer Bühne stehen. Als was, war mir damals nicht so wichtig.

Guido Cantz wurde 1971 in Köln-Porz geboren und studierte zunächst BWL. Nach dem Studienabbruch machte er eine Ausbildung als Medienassistent. Cantz ist verheiratet und hat einen Sohn.

Bundesweit bekannt wurde er durch TV-Sendungen wie „Genial daneben“ (erstmals 2003), „Deal or No Deal“ (2005) oder „Die Hit-Giganten“. Seit April 2010 moderiert Cantz die Samstagabendshow „Verstehen Sie Spaß?“, die er von Frank Elstner übernommen hat. Daneben ist Cantz regelmäßig solo auf Tour.

Gab es Vorbilder für Sie?

Cantz: Ich habe gern den Weltenbummler oder das Colonia Duett geguckt, die ich dann nachmachen konnte. Entdeckt hat mich aber Peter Raddatz, „Dä Mann mit däm Hötche“. Er hat mich 1991 zu meinem ersten Vorstellabend gebracht.

Feiern Sie privat Karneval?

Cantz: Ich bin einer der wenigen Künstler, die das tun. Ich mache an Weiberfastnacht keine Auftritte, weil ich mich da mit Freunden zum Feiern treffe, die ich sonst im Jahr nur selten sehe. Am Karnevalsfreitag gibt es dann noch fünf Auftritte, danach endet für mich als Redner die Session, und das private Feiern beginnt. Am Karnevalswochenende bin ich zu Hause bei den Zügen in Porz dabei, und am Rosenmontag laufe ich bei der Garde Blau-Gold mit.

Wie hat sich der Karneval in den 20 Jahren, in denen Sie auf der Bühne stehen, verändert?

Cantz: Verändert hat sich die Lage für kleine und mittlere Familiengesellschaften, die es schwerer haben als die großen, die wie Firmen funktionieren. Außerdem sind die Zuschauer auch im Saal zu Zappern geworden, denen es schwerfällt, einem Redner eine halbe Stunde lang zuzuhören.

Haben Sie nie darüber nachgedacht, auf Kölsch zu reden?

Cantz: Mein Vater kommt aus Stuttgart und meine Mutter aus Essen. So bin ich, auch wenn ich in Köln geboren bin, nicht gerade in einer typischen kölschen Familie aufgewachsen. Daher rede ich auf der Bühne so, wie ich auch privat spreche.

Was bedeutet Ihr Geburtsort Porz für Sie?

Cantz: Das ist meine Heimat, mein Nest. Gerade seitdem ich viel unterwegs bin, lerne ich das zu schätzen. Da kennen mich die Leute alle, und Guido Cantz ist nichts Besonderes. Dafür muss ich mich beim Auftritt in Porz mehr anstrengen. Der ist zwar ein Heimspiel, aber eines, das man auch gewinnen muss.

Was macht eine gute Rede im Karneval aus?

Cantz: Man muss schnell auf den Punkt kommen und am besten in den ersten drei Sekunden vier Gags setzen. Insgesamt ist die Gag-Frequenz in der kürzeren Karnevalsrede deutlich höher als beim Soloprogramm nach der Session. Dazu kommen ein gutes Timing und das Gespür für das Publikum, auf das man sich ständig neu einstellen muss. Ich bin da sehr ehrgeizig, auch wenn ich kein Perfektionist bin, weil es mir wichtig ist, beim Auftritt auch einfach mal Dinge geschehen zu lassen, die man nicht hundertprozentig planen kann.

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