Der Londoner Fotograf Arno Maasdorp bewirtet in seiner Privatwohnung zahlende Gäste.

Arno Maasdorp werkelt in seiner Küche, um 16 Gäste mit einem Fünf-Gang-Menü zu erfreuen.
Arno Maasdorp werkelt in seiner Küche, um 16 Gäste mit einem Fünf-Gang-Menü zu erfreuen.

Arno Maasdorp werkelt in seiner Küche, um 16 Gäste mit einem Fünf-Gang-Menü zu erfreuen.

dpa

Arno Maasdorp werkelt in seiner Küche, um 16 Gäste mit einem Fünf-Gang-Menü zu erfreuen.

London. Die Gäste des Restaurants wissen, wo der Koch schläft. Sie wissen auch, wie seine Badewanne aussieht und dass auf der Toilette eine Plastikmadonna blinkt. Die Gäste sitzen in einem Londoner "Untergrund"-Restaurant. Dort kochen Privatleute in ihrer Wohnungsküche für fremde Menschen.

Die Lokale gelten als ganz geheim, auch wenn sie in den Zeitungen besprochen werden. Es ist ein bisschen am Gesetz vorbei und daher ebenso angesagt wie englisch. Mehr als zehn dieser Restaurants zählt die britische Hauptstadt bereits.

Einer der Guerilla-Köche ist Arno Maasdorp. Der 40-Jährige verwandelt seine Wohnung im Stadtteil Brixton jeden Mittwoch und Donnerstag in ein Restaurant. Für maximal 16 Gäste kocht er in seiner Mini-Küche ein Fünf-Gänge-Menü. Nicht etwa Schlichtkost wie Spaghetti Bolognese, sondern selbst gebackenes Brot, Gnocchi mit Chili-Pilzen, Seebarsch im Muschelsud und Birnen-Grieß-Kuchen mit Salz-Karamell. "Viele Restaurants in London sind teuer und schlecht. Ich wollte meine Lust am Kochen mit anderen teilen", erklärt Maasdorp, der seit 20 Jahren als Fotograf und Food-Stylist Essen ins rechte Licht rückt.

Die Bezahlung gilt als Spende, Alkohol bringen die Gäste mit

25 Pfund, umgerechnet rund 28 Euro, ist der Mindestpreis für das Dinner im Saltoun Supper Club- so preiswert kommt man in der britischen Metropole für solche Qualität sonst nicht weg. Damit er keine Probleme mit den Behörden bekommt, nennt Maasdorp sein Restaurant einen Club, die Bezahlung wird als Spende deklariert, und den Alkohol bringen die Gäste selbst mit.

In der Wirtschaftskrise hat sich das Konzept im geldgetriebenen London als Renner erwiesen. Auch alternative Bewirtungsmethoden machen Schule. So steht im Stadtteil Vauxhall in einem ehemals besetzten Haus jeden Tag ein anderer Hobby-Koch hinterm Herd und kocht mit Zutaten, die hinterm Haus angebaut werden.

In den geheimen Lokalen variieren die Preise pro Dinner zwischen 20 und mehr als 100 Pfund (115 Euro) wie bei einem ehemaligen Koch des spanischen Super-Restaurants "El Bulli".

Im Internet informiert Arno Maasdorp auf seinen Seiten über den Club (s. Link unten).

Das Publikum äußert sich hellauf begeistert. "Gerade in schweren Zeiten boomt so etwas. Die Leute haben einfach nicht viel Geld für teure Restaurants. Und hier ist alles viel intimer als in einem charakterlosen Ketten-Restaurant", sagt Carrie-Anne Brackstone, die mit drei Freunden im Saltoun Supper Club beim Essen sitzt. Der einzige Nachteil: Ein Abendessen ist schwer zu ergattern. Schon Monate im Voraus sind die meisten Plätze im Untergrund ausgebucht.

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