Viele Deutsche mögen sie seit Jahrzehnten. Nun will Grit Boettcher auch die Herzen der jungen Zuschauer erobern.

Frau Boettcher, viele kennen Sie noch als TV-Star aus den 70er und 80er Jahren. In der Telenovela "Hanna - Folge deinem Herzen" spielen Sie jetzt die Oma der Titelheldin. Mussten Sie lange überlegen, ehe Sie zugesagt haben?

Boettcher: Ich wollte auf alle Fälle mal wieder etwas machen, das mich fordert. Aber ich musste mir das schon überlegen. Als das Angebot kam, war ich nämlich gerade mit Produzent Wolfgang Rademann über eine Rolle im "Traumschiff" im Gespräch, aber beides konnte ich nicht machen, weil die Dreharbeiten zeitgleich waren. Da hat Rademann zu mir gesagt: "Mach ruhig die Serie, Traumschiff kannst du später immer noch machen."

Seit Anfang Januar stehen Sie in den Studios in Babelsberg für "Hanna" vor der Kamera und drehen täglich...

Boettcher: Ich bin jetzt sogar extra zwei Wochenenden nicht nach Hause zu meiner Familie in München gefahren, weil ich so viel Text habe. Früher konnte ich meine Texte ganz schnell lernen, und jetzt merke ich Gott sei Dank, wie es jeden Tag wieder besser geht. Das Hirn kann man ja trainieren. Klar habe ich daheim auch viel zu tun, ich wohne ja mit Kindern und Enkeln unter einem Dach und muss außerdem meine Tiere versorgen. Deshalb habe ich gar keine Zeit, alt im Oberstübchen zu werden. Aber so eine Serienrolle erfordert noch mal eine ganz andere Disziplin, zum Glück hatte ich davon immer genug.

Viele Zuschauer erinnern sich an Ihre Auftritte in der Sketchreihe "Ein verrücktes Paar", in der Sie in den 70er Jahren an der Seite von Harald Juhnke zu sehen waren...

Boettcher: Das ist wirklich ein Klassiker geworden. Daheim in München kann ich österreichisches Fernsehen empfangen, die haben zuletzt Wiederholungen gezeigt. Und wenn ich jetzt bei "Hanna" ins Atelier komme, sagen mir viele Kollegen, die so um die 40 sind: "Mensch, wir sind mit Dir aufgewachsen, wie schön mal mit Dir zu arbeiten!" Aber die ganz jungen Schauspieler kennen die alten Sachen natürlich nicht.

Vielleicht erschließen Sie sich die jüngere Zielgruppe jetzt mit "Hanna".

Boettcher: Das fände ich toll, ich liebe die Jugend. Neulich wurde ich gefragt, was mich an der Jugend stört, aber mich stört gar nichts. Es sind allerdings auch oft die Älteren, die sich diese Serien anschauen, die finden das schön. Das ist doch genau wie bei den "Pilcher"-Filmen, die sehe ich selbst gerne. Ich kenne viele Leute, die sagen: Wenn ich heimkomme, bin ich müde, dann setze ich mich hin und schalte das an. Schöne Bilder und ein Happy End - das ist doch wichtig. Wir brauchen Happy Ends.

Es war zu lesen, dass Ihr TV-Comeback auch einen ernsten Hintergrund hat. Es soll Ihnen finanziell nicht gut gehen.

In den 60er Jahren wurde Boettcher mit Edgar-Wallace-Verfilmungen bekannt, ihren Durchbruch als "Ulknudel der Nation" feierte sie aber in den 70ern mit der legendären Sketchserie "Ein verrücktes Paar" an der Seite von Harald Juhnke.

Sie hat einen Sohn und eine Tochter.

"Hanna - Folge deinem Herzen", montags bis freitags um 16.15 Uhr, ZDF.

Boettcher: In der Boulevardpresse klang das zwischendurch mal so, als müsste ich bald unter der Brücke schlafen. Aber das war ganz und gar nicht so. Ich hatte nie Schulden. Ich habe lediglich einen Kredit für eine Immobilienbeteiligung aufgenommen, weil ich ein schönes Alterspolster haben wollte. Ich habe den auch fleißig abgezahlt, aber bislang habe ich dafür leider keinen Gegenwert gekriegt. Vielleicht bekommen meine Kinder ja später was für das Geld. Ich denke zum Glück immer positiv. Ich bin so positiv, dass ich anderen davon sogar noch etwas abgeben kann.

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