47 Jahre war Kapitän Iko Eiben auf den Meeren unterwegs. Weihnachten verbrachte er selten im heimischen Hafen.

Iko Eiben
Iko Eiben hat fast die ganze Welt gesehen. Jetzt ist er in Rente und vermisst das Leben auf dem Wasser.

Iko Eiben hat fast die ganze Welt gesehen. Jetzt ist er in Rente und vermisst das Leben auf dem Wasser.

privat

Iko Eiben hat fast die ganze Welt gesehen. Jetzt ist er in Rente und vermisst das Leben auf dem Wasser.

Düsseldorf. Kapitän Iko Eiben hat fast die ganze Welt gesehen. 47 Jahre ist Eiben zur See gefahren, einige Jahre als Kapitän der „Nummer Sechs“, des sechstgrößten Supertankers der Welt. Jetzt ist der 72-Jährige in Rente, und wenn die Kollegen ihn fragen, wie es ihm geht, antwortet er – und das ist nicht ganz ernst gemeint: „Natürlich nicht gut“. Die Seefahrt fehlt ihm. „Aber einmal muss es vorbei sein.“

Die Elemente sind der Mannschaft hold

Wie viele Weihnachtsfeste er auf See oder im fremden Hafen verbracht hat – der Kapitän ist sich nicht sicher. Aber an das Fest in Mombasa erinnert er sich noch sehr genau. Der Kapitän hatte sich in der kenianischen Hafenstadt mit Freunden verabredet. In der Kathedrale nahe des Hafens sang am 24. Dezember um 17 Uhr ein Gospel-Chor. Der Kapitän liebt die Kathedrale in Mombasa und ist ein großer Fan der Gospel-Musik. Um den Auftritt nicht zu verpassen – der Tanker stach in Colombo (Sri Lanka) in See – ordnete er an, dass das Schiff die gesamte Strecke unter voller Kraft läuft. Das Meer war spiegelglatt und die Elemente den Seemännern hold. Sie stellten einen neuen Geschwindigkeitrekord auf, und ihr Kapitän erreichte die Kirche rechtzeitig: „Als ich die Kathedrale betreten hatte, bekam ich eine Gänsehaut. Ich denke, der Himmel wollte das so.“

Weil Weihnachtsbäume in den Tropen rar sind, schickten die Reedereien oft Bäume voraus. So konnten die Seemänner auch fern der Heimat unterm Tannenbaum feiern – wenn auch ohne die Familie. Bei Eibens zu Hause fand die Bescherung deshalb häufig ein paar Tage vor oder nach dem 24. Dezember statt.

Auf den Schiffen sind sämtliche Religionen vertreten

Auf den Schiffen, die Eiben führte, arbeiteten Moslems wie Juden, Buddhisten wie Hindus. Der Kapitän verbrachte den 24. Dezember wieder einmal auf einem Supertanker und geriet ins Grübeln. Er wollte eine Rede halten, aber die Nicht-Christen nicht vor den Kopf stoßen. Schließlich sprach er über die Zahl 40. Er rechnete vor, wie Seemeile und Äquatorumfang zusammenhängen. Dabei tauchte die Zahl 40 immer wieder auf. Mit den Worten: „Die 40 ist eine heilige Zahl. Ist das jetzt göttliche Fügung oder Zufall?“ endete die Ansprache. Die Mannschaft applaudierte. Ebenso die zwei Ehefrauen an Bord, „wegen denen es ein wenig stilvoll sein sollte.“

Auf hoher See ist auch an Weihnachten der Alkohol tabu

Vielleicht liegt es an den etlichen Jahren auf See, dass Eiben in vielen Vorkommnissen ein Zeichen sieht. Geflunkert sei die Geschichte über einen Matrosen namens Jesus jedenfalls nicht. Am Weihnachtstag fiel dem Kapitän der sturzbetrunkene Mann quasi vor die Füße. „Der war vollkommen hinüber“, drückt Eiben es aus. Weil Alkohol auf dem Schiff tabu ist, entband der Kapitän den Mann von seinen Aufgaben und teilte ihm mit, dass er das Schiff am nächsten Tag zu verlassen habe. Der Alkohol wurde konfisziert „Auf den Schreck habe ich erst einmal selbst einen genommen“, erzählt Eiben.

Kapitän Eiben: „Wir wollten Jesus nicht wieder verraten.“

Als Eiben und der Lotse die Papiere des Matrosen heraussuchten, entdeckten sie den Vornamen des Mannes und dass dieser ursprünglich als Zimmermann gearbeitet hatte. Daraufhin entschloss sich Eiben, den Betrunkenen nicht beim Reeder zu verpfeifen. „Der Lotse und ich wollten Jesus nicht ein zweites Mal verraten.“

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