Gertrud Henze ist fit und trinkt gerne mal ein Glas Wein. Ihr Alter verdankt sie ihrem Job als Bibliothekarin, sagt sie.

Porträt
Gertrud Henze wohnt mit 112 noch im eigenen Appartement.

Gertrud Henze wohnt mit 112 noch im eigenen Appartement.

dpa

Gertrud Henze wohnt mit 112 noch im eigenen Appartement.

Göttingen. Gertrud Henze, geboren am 8. Dezember 1901, ist vermutlich nicht durch ein enthaltsames Leben 112 Jahre alt geworden. Den kleinen Freuden des Lebens sei die Jubilarin weiterhin zugeneigt, sagt Annette Paetzold, Sprecherin des Göttinger Wohnstiftes, in dem Henze seit Jahren lebt. „Sie raucht bei Gelegenheit noch immer gern eine Zigarette.“ Sie gönne sich auch ab und an ein Gläschen Wein und nasche gern Süßes. Am Sonntag feiert Deutschlands vermutlich älteste Frau ihren 112. Geburtstag.

Ob es noch ältere Deutsche gibt als Gertrud Henze, kann das Statistische Bundesamt nicht beantworten. Eine entsprechende Liste werde dort nicht geführt, erklärte eine Sprecherin. Sicher aber ist, dass es noch einige Deutsche gibt, die älter geworden sind: Rekordhalterin ist Augusta Holtz, die am 21. Oktober 1986 im Alter von 115 Jahren und 79 Tagen verstarb.

Großen Trubel wünscht sich Henze, die in dem Wohnstift noch in ihrem eigenen Appartement lebt, an ihrem Geburtstag nicht. Sie wolle den Tag im kleinen, ganz privaten Rahmen feiern, sagt Paetzold, die seit vielen Jahren mit der Jubilarin befreundet ist. Beim 111. Geburtstag im vergangenen Jahr sei ihr alles etwas viel gewesen. Auch Interviews zu ihrem Geburtstag mag sie daher nicht mehr selbst geben.

„Sie raucht bei Gelegenheit noch immer gern eine Zigarette.“

Annette Paetzold, Sprecherin des Wohnstiftes, in dem die Jubilarin lebt, über deren Lebenswandel

Die frühere Bibliothekarin sei jedoch eine erstaunliche Frau, erzählt Paetzold. Sie sei „geistig noch total fit“ und auch körperlich in recht guter Verfassung. Sie habe ihren Alltag noch „voll im Griff“. Henze lese weiterhin gern – auch wenn das Augenlicht zuletzt nachgelassen habe. Mit Hilfe ihres Rollators sei sie fast täglich noch im Haus unterwegs. Besonders schätze sie den regelmäßigen Kontakt mit anderen Bewohnern des Stiftes, bei denen sie wegen ihrer offenen und lebensbejahenden Art sehr beliebt sei.

Ihr Geburtstagswunsch vor einem Jahr: ein Alpenveilchen

So macht Henze, die aus einem Pfarrhaus auf Rügen stammt und später lange in Goslar lebte, laut Paetzold auch gern Scherze über ihren früheren Beruf als Bibliothekarin. Dass sie so alt geworden sei, habe sie der Konservierung durch den Bücherstaub zu verdanken. Vielleicht aber auch der Tatsache, dass sie niemals verheiratet war.

1901 werden zum ersten Mal Nobelpreise vergeben. Einer der Preisträger ist Wilhelm Conrad Röntgen. Auf der Südhalbkugel wird außerdem eine neue Nation gegründet: Australien. Die Wuppertaler Schwebebahn nimmt 1901 auf einer Teilstrecke ihren Betrieb auf. Thomas Mann veröffentlicht seinen Gesellschaftsroman „Buddenbroocks: Verfall einer Familie“.

Und auch wenn sich Henze noch gern ein Gläschen Wein und eine Zigarette gönnt – ein wenig genügsam ist sie im hohen Alter doch geworden. Auf schriftliche Fragen erklärte sie vor einem Jahr zum 111. Geburtstag, sie freue sich, dass sie noch immer lebe. Ihr Geburtstagswunsch damals? Ein Alpenveilchen.

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