Der Regisseur soll an die USA ausgeliefert werden. Dort wird er wegen Vergewaltigung einer 13-Jährigen 1977 gesucht.

Roman Polanski dürfte die Festnahme völlig überrascht haben. Er ist in den vergangenen Jahren oft in die Schweiz gereist.
Roman Polanski dürfte die Festnahme völlig überrascht haben. Er ist in den vergangenen Jahren oft in die Schweiz gereist.

Roman Polanski dürfte die Festnahme völlig überrascht haben. Er ist in den vergangenen Jahren oft in die Schweiz gereist.

dpa

Roman Polanski dürfte die Festnahme völlig überrascht haben. Er ist in den vergangenen Jahren oft in die Schweiz gereist.

Genf. Nach mehr als 30 Jahren hat den Star-Regisseur Roman Polanski die Vergangenheit eingeholt: 1978 floh er vor einer Verurteilung wegen Vergewaltigung einer Minderjährigen aus den USA. Seitdem hat er das Land nie wieder betreten.

Am Samstag klickten dennoch die Handschellen. Das Empfangskomitee des Film-Festivals Zürich stand schon am Flughafen bereit, um den Ehrengast abzuholen. Stattdessen griff die Schweizer Polizei zu und vollstreckte einen internationalen Haftbefehl der US-Behörden.

Dem 76-Jährigen wird vorgeworfen, 1977 eine 13-Jährige in der Villa seines Freundes Jack Nicholson ("Chinatown") mit Champagner und Drogen zum Sex verführt zu haben. Sex mit einer Minderjährigen gilt in Kalifornien automatisch als Vergewaltigung. Auch wenn ihm sein damaliges Opfer inzwischen vergeben hat und selbst um eine Einstellung des Verfahrens bat - die US-Justiz hat die Akte nie geschlossen.

Sollte Roman Polanski jemals einen Film über sich selbst drehen, böte ihm die Schweiz die passende Kulisse: Immer wieder weilte er in den vergangenen Jahren in noblen Schweizer Ski-Orten wie Gstaad. So wie man in der Schweiz jahrelang nie zugab, Steuerflüchtigen Unterschlupf zu gewähren, so schonte man auch den seit 2005 weltweit gesuchten Regisseur.

Der französische Staatsbürger hatte ungehinderten Zugang zur Eidgenossenschaft, nach Medienberichten besitzt er in der Schweiz auch ein Ferienhaus.

In den USA drohen Polanski mehrere Jahre Gefängnis

"Polanski wurde am Samstagabend bei seiner Ankunft auf der Basis eines US-Haftbefehls in provisorische Auslieferungshaft genommen. Die US-Behörden werfen Roman Polanski sexuelle Handlungen mit Kindern vor, namentlich in einem Fall von 1977 mit einem 13-jährigen Mädchen. Seit Ende 2005 fahnden die US-Behörden weltweit nach Polanski. Ob er tatsächlich ausgeliefert wird, steht erst fest, wenn das Auslieferungsverfahren rechtskräftig abgeschlossen ist."

Da Polanski französischer Staatsbürger ist, war er in Frankreich vor einer Abschiebung sicher. Nach internationalem Recht wäre die Schweiz aber verpflichtet gewesen, dem Verhaftungsgesuch der USA nachzukommen - wie es nun auch geschehen ist. Offiziell heißt es zur Festnahme, die Justizbehörden hätten erstmals genau gewusst, wann der Regisseur in die Schweiz einreist. Es wird aber spekuliert, dass die USA Druck ausgeübt haben könnten.

Wird Polanski tatsächlich in die USA ausgeliefert, droht dem Star-Regisseur eine mehrjährige Haftstrafe. Sein Anwalt hat aber angekündigt, alle Rechtsmittel gegen eine Auslieferung ausschöpfen zu wollen. Für politische Beobachter passt die Festnahme zum Trend: Viele glauben, dass das zuletzt in der Steueroasen-Debatte international unter Beschuss geratene Land auf einen Imagewandel in Rechtsfragen bedacht ist.

Kulturschaffende in Frankreich, Polen und der Schweiz kritisierten das Vorgehen gegen Polanski scharf. Der Filmemacher polnisch-jüdischer Abstammung, dessen Mutter in Auschwitz ermordet wurde, überlebte die Flucht aus dem Krakauer Ghetto und den Weltkrieg bei Bauern auf dem Land.

Das Trauma des Holocaust verarbeitete er 2002 in seinem Oscar-gekrönten Film "Der Pianist". Ein zweites Trauma widerfuhr ihm 1969, als seine schwangere Frau Sharon Tate in Kalifornien bestialisch ermordet wurde. Seit 1989 ist Polanski in dritter Ehe mit der französischen Schauspielerin Emmanuelle Seigner zusammen. Sie haben zwei Kinder.

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