Uni: Der Deutsche Raphael Schöttler erlebt, warum Bachelor-Studiengänge in England besser als bei uns funktionieren.

London. Welche Schwächen Deutschland bei der Organisation seiner Bachelor-Studiengänge hat, zeigt ein Blick nach Großbritannien. Dort funktioniert das System anders - und vor allem besser.

Raphael Schöttler schaut mit einem mitleidigen Blick über den Kanal. Vor drei Jahren ist der Kölner nach London gezogen, um einen Bachelor-Abschluss in Wirtschaftswissenschaften zu machen. Zuhause hätte der 23-Jährige am Studienende möglicherweise keine Jobperspektive gehabt - weil Chaos in Prüfungsämtern herrscht, Seminare überfüllt sind und ein "Bachelor" für deutsche Chefs ein Fremdwort ist.

Diese Sorgen hat Schöttler nicht: "Meine studentische Lebensqualität in England würde ich als ziemlich gut bezeichnen." Es liegt an den englischen Universitäten, dass die Bachelor-Studenten auf der Insel glücklicher sind, denn mit aufwendiger Stunden- und Seminarplanung werden sie nicht belastet. "Ich habe meine Kurse über das Internet ausgesucht", erzählt Schöttler, "eine Woche vor Semesterbeginn konnte ich mir Bestätigung und Stundenplan abholen." Überfüllte Seminare kennt er nicht: "Wenn sich viele Studenten für einen Kurs interessieren, wird halt ein zweiter oder dritter angeboten. Und wenn sich ein Kurs mit meinem Nebenjob als Forschungsassistent überschneidet, sucht die Uni mir einen neuen."

In London nutzt Schöttler die Zeit für Essays und Projekte

Auch die Präsenzzeit an der London School of Economics (LSE) liegt wie an den meisten britischen Unis weit unter der deutschen Stundenzahl. Rund 16Stunden wöchentlich hat Schöttler im ersten Jahr im Hörsaal verbracht, 13im dritten Jahr. Die übrige Zeit nutzt er für Aufgaben, Essays und Projektarbeiten. Dreieinhalb Monate hat er im Sommer frei: "Da wird allerdings erwartet, dass man Praktika absolviert."

Für die Studentenproteste in Deutschland hegt Schöttler Sympathie, obwohl "es trotz schlechter Bachelor-Bedingungen ja Studenten gibt, die ihren Abschluss fristgerecht schaffen". Seine Erfahrung mit dem englischen System bestätigt jedoch die Hauptkritikpunkte: "In Deutschland ist aus dem Diplom einfach ein Bachelor gemacht und zu viel Inhalt in zu wenig Studienzeit gequetscht worden."

Eigentlich sollte die Einführung des Bachelors in Deutschland auch den Wechsel ins Ausland erleichtern. Das klappt aber nicht. Schöttler: "Bayern rechnet meine Londoner Bestnoten so um, dass aus einer 1 eine 2 wird. Manches wird gar nicht anerkannt." Britische Unis folgen ihrem eigenen Notensystem.

Die Abbruchquote von Bachelor-Studenten in Großbritannien beträgt 13,8 Prozent, in Deutschland zwischen 25 und 39 Prozent.

Studierende in Deutschland mag es doppelt frustrieren, dass der Hauptgrund für die Einführung dieser neuen Studienabschlüsse - internationale Vergleichbarkeit und grenzüberschreitender Transfer erbrachter Leistungen - der größte Flop ist. Wer während des Bachelor-Studiums ins Ausland wechselt, muss meist von vorn beginnen.

Geld ist das letzte, aber nicht das kleinste Problem: Bei 3550 Euro Studiengebühren im Jahr wägen auch Briten genau ab, ob sich der Abschluss rechnet. "Der Bachelor ist bei britischen Firmen voll akzeptiert", sagt Schöttler. Der Schnellstart in die Arbeitswelt mit Anfang 20 ermöglicht es den Absolventen, ihren Studienkredit zügig zurückzuzahlen - und vielleicht nach einigen Jahren im Job für den "Master"-Abschluss an die Uni zurückzukehren.

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