Aviv Geffen, ein Neffe von Mosche Dajan, ist der bekannteste Friedensaktivist seiner Heimat. Am Dienstag tritt er in Köln auf.

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Macht Musik, um der Welt ein bißchen Frieden zu bringen: Aviv Geffen.

Macht Musik, um der Welt ein bißchen Frieden zu bringen: Aviv Geffen.

dpa

Macht Musik, um der Welt ein bißchen Frieden zu bringen: Aviv Geffen.

Köln. In seiner Heimat füllt Aviv Geffen Stadien. Von einem Teil der Jugend wird er als Vertreter des "neuen Israels" gefeiert - er provoziert aber auch wie kaum ein anderer einen Teil seiner Landsleute. Hierzulande kennen nur wenige den Musiker und Friedensaktivisten.

"Die Hardliner finden international mehr Gehör. Doch es gibt in Israel viele Menschen, die anders denken. Das möchte ich zeigen", sagt Geffen, der am Dienstag in Köln auftritt.

Dass es alternatives Denken in Israel gibt, führt der Sänger selbstbewusst auch auf seine Konzerte zurück, wo er den Fans seine Botschaft gegen Gewalt und seinen Zweifel an den alten Werten verkündet.

"Früher war es cool, ein Macho mit Uniform und Gewehr zu sein. Inzwischen ist es okay, Gefühle zu zeigen oder homosexuell zu sein", sagt Geffen, der schon lange nicht mehr ohne Leibwächter aus dem Haus geht.

Was den Krieg in Gaza angeht, ist sich der 35-Jährige sicher, dass es dort keinen Sieger geben wird. "Die Hamas ist im Krieg nicht zu stoppen. Mehr als 90 Prozent haben sie in einer freien Wahl an die Regierung gebracht."

Geffens Onkel Mosche Dajan war während des Sechstagekriegs Verteidigungsminister. Aviv selbst verweigerte später den Kriegsdienst. Er hat bisher 14 Alben produziert und 2,5 Millionen Platten verkauft.

Geffen präsentiert sein erstes englischsprachiges Soloalbum morgen um 21 Uhr im Kölner Luxor, Luxemburger Straße 40.

Zum Teil kann er den Einmarsch in Gaza nachvollziehen: "Wir wurden acht Jahre lang mit Raketen beschossen, auch Freunde von mir gehörten zu den Opfern. Man kann nicht einfach dasitzen und sich bombardieren lassen. Aber wir dürfen die Hamas nicht zu sehr reizen, sonst lassen wir uns mit dem Teufel ein."

Geffen fordert: Wir müssen über unseren Schatten springen

Als Grundlage für eine Lösung sieht Geffen nur Vertrauen, das seine Landsleute gegenüber den Palästinensern aufbringen müssen, um ihnen ihren eigenen Staat zu ermöglichen.

"Das, was den Juden von den Nazis angetan wurde, hat sie paranoid gemacht. Aber wenn wir unseren Kindern eine Chance geben wollen, müssen wir über unseren Schatten springen und eine Lösung suchen."

Diesen Schritt hat Geffen auch bei seinem Verhältnis zu Deutschland getan. Die Nazis ermordeten einen Großteil seiner Familie. "Ich habe meinen Frieden mit den Menschen hier gemacht. Inzwischen findet sich in Deutschland meine größte europäische Fangemeinde." Gerade hier ist es dem Musiker wichtig, seine Botschaft vom anderen Israel zu präsentieren.

Der Auslöser für sein Engagement, das ihm auch bei seiner Europatour wieder Morddrohungen eingebracht hat, war das Attentat auf den ehemaligen Premier Yitzchak Rabin. Geffen war einer der Künstler, die damals bei der großen Kundgebung auftraten.

Der Attentäter hatte sich als sein Leibwächter ausgegeben und war so in den Sicherheitsbereich gelangt. "Diese Wut über die Zerstörung eines israelischen Traums trage ich immer noch in mir. Würde Rabin heute noch leben, wäre vieles anders."

Bei den Palästinensern erfährt der Popstar nur wenig Anerkennung für seine Arbeit als Friedensaktivist. "Ich suche immer noch nach einer Wahrnehmung auf der anderen Seite. Die Menschen haben dort zu viel Angst, um für den Frieden zu kämpfen. Das ärgert mich, weil dort der Schlüssel für das Ende des Krieges liegt."

Trotzdem finden sich immer wieder einzelne Menschen in den Palästinensergebieten oder anderen arabischen Staaten, die sich auf Geffens Homepage ins Gästebuch eintragen und die seine Musik hören. In Israel wird er nicht im Radio gespielt.

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