Karl Rabeder will von seinem Vermögen nichts mehr wissen. Er findet: Fürs Glück ist Geld hinderlich.

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Karl Rabeder trennt sich von seiner Villa mit Alpenblick und zieht in eine kleine Stadtwohnung.

Karl Rabeder trennt sich von seiner Villa mit Alpenblick und zieht in eine kleine Stadtwohnung.

dpa

Karl Rabeder trennt sich von seiner Villa mit Alpenblick und zieht in eine kleine Stadtwohnung.

Innsbruck. Den Lebenstraum vieler Menschen hat Karl Rabeder früh verwirklicht. In armen Verhältnissen ist er groß geworden, mit dem Verkauf von Wohnaccessoires wie Kerzen und Vasen ist er reich geworden: Mit 32 Jahren war der Österreicher mehrfacher Millionär, beschäftigte 400 Mitarbeiter. "Aber das Geld hat mich nicht glücklich gemacht, mein Lebensweg ist das nicht", sagt der 47-Jährige. Sein Sinneswandel begann im Jahr 1998, als er mit seiner damaligen Frau von einem dreiwöchigen Luxus-Urlaub auf Hawaii zurückflog: "Wir haben alles gemacht, nur Fünf-Sterne-Hotels, Helikopterflüge, Jachttouren, aber ich kam mir nur vor, als wenn ich in einem Film wäre", beschreibt er das Gefühl einer schmerzhaften Übersättigung. "Ich habe lange geglaubt, immer mehr Geld und Luxus anzuhäufen mache glücklich." Aber irgendwann hatte er das Gefühl, "wie ein Sklave für Dinge zu schuften, die ich weder brauchte noch wirklich wollte". Es grübelt einige Jahre, dann ändert der ehemalige Lehrer sein Leben von grund auf. Er will Menschen helfen und dafür mehr tun, als generös Spendenschecks unterschreiben. 2004 verkauft er seine Firma, mit dem Geld unterstützt er Waisenhäuser in Südamerika und eine Landwirtschaftsschule.

Leichten Herzens trennt sich der Ex-Millionär von seiner Villa

Beim Segelfliegen hat er die nächste Idee: Statt auf Lebensmittelspenden setzt Rabeder nun auf zinsfreie Kleinkredite - etwa für eine Nähmaschine, für ein Foliengewächshaus. So können sich notleidende Menschen in Lateinamerika selbstständig machen. "Das Projekt ,My Micro Credit’ ist vergleichbar mit Kinderpatenschaften, Menschen bekommen Darlehen ab 25 Euro." Nun will Rabeder seine Luxus-Villa in Telfs loswerden: 321 Quadratmeter Wohnfläche, der Verkehrswert beträgt laut Gutachten mindestens 1,5 Millionen Euro. Die Verlosung des Hauses soll fast 2,2 Millionen Euro für seine Projekte bringen.

Karl Rabeder verlost sein Haus: Bis 28. Februar um 24 Uhr sollen 21999 Lose zu je 99 Euro verkauft sein. Unter notarieller Aufsicht wird der neue Besitzer gezogen. Der Erlös soll auch den Unterhalt der Villa decken.

Rabeder trennt sich leichten Herzens, auch von seinem Anwesen in der Provence: "Ich wähle jetzt einen Lebensweg, bei dem ich mein Geld sinnvoller verwenden kann." Er möchte, "dass am Ende von meinem Vermögen nichts übrig bleibt. Geld ist kontraproduktiv. Fürs Glück ist es hinderlich." Er ist bereits in eine kleine Mietwohnung gezogen und will künftig mit maximal 1000 Euro im Monat auskommen. Reisen plant er auch. "Ich würde gerne einige Monate im Himalaya und in den Anden verbringen und einfach gehen. Nur mein Rucksack und ich." Zwei Euro am Tag will der Ex-Millionär unterwegs ausgeben. "Dann esse ich halt Reis mit Reis, oder mit ein paar Nüssen drin. Das reicht doch."

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