Fotografin Erin Dinan (29) hilft Bedürftigen in New York – in dem sie Sandwiches belegt und in Suppenküchen verteilt.

porträt

Christina Horsten

New York. Durch die Kirchenfenster dringt das Licht der Straßenlaternen ins Innere, aus den Lautsprechern dudelt Musik, und mittendrin steht Erin Dinan, singt mit und legt Salatblätter auf Toastscheiben. „Ich habe meinen iPod an die Kirchenlautsprecher angeschlossen“, sagt die 29-Jährige und reicht das Brot weiter. „So macht die Arbeit doch gleich mehr Spaß.“

Ein Dutzend Männer und Frauen steht um sie herum an dem langen Tisch und vervollständigt die Arbeitskette: Erst Senf auf zwei Toastscheiben, dann Schinken, Käse und Salat, zuklappen und in eine Plastiktüte stecken - fertig ist das kleine Hilfspaket.

„One Sandwich at a Time“ (etwa: Butterbrot für Butterbrot) hat Dinan ihre New Yorker Hilfsorganisation genannt. „Die vielen Obdachlosen auf den Straßen hier haben mich schon immer sehr mitgenommen“, erzählt sie. „Ich habe das Gefühl, die Menschen sind völlig abgestumpft und beachten sie schon gar nicht mehr.“ Die Zahl der Obdachlosen in New York – der Metropole, in der auch die meisten Millionäre der USA leben sollen – hat sich in den vergangenen zehn Jahren nach Angaben der „Koalition für die Obdachlosen“ mehr als verdoppelt.

„Jeden Tag, wenn ich aus dem Haus gegangen bin, habe ich vorher ein Brot geschmiert und es einem Obdachlosen gegeben.“

Erin Dinan über den Beginn ihres Hilfsprojekts

Um ihnen zu helfen, versuchte es die im Bundesstaat Florida geborene Dinan im Winter vergangenen Jahres zunächst mit einem Fotoprojekt. „Aber es war sehr schwer, an die Menschen heranzukommen. Bis ich auf die Idee kam, Butterbrote mitzubringen.“ Mit dem Fotoprojekt wurde es trotzdem nichts – aber die Butterbrote blieben. „Jeden Tag, wenn ich aus dem Haus gegangen bin, habe ich vorher ein Brot geschmiert und es einem Obdachlosen gegeben. Irgendwann kannte ich dann schon ein paar von ihnen und wusste, wo sie sich immer aufhalten“, erzählt Dinan. „Auch meine Freunde habe ich überredet, Brote zu schmieren. Dass daraus dann einmal eine richtige Hilfsorganisation wird, hätte ich nie gedacht. Aber irgendwie hat es sich weiter entwickelt.“

„Die Mitarbeiter erzählen mir, dass unsere Sandwiches immer schon nach zehn Minuten weg sind.“

Inzwischen organisiert die Fotografin fast jeden Monat einen Butterbrot-Abend, an dem sie gemeinsam mit Helfern bis zu 1000 Sandwiches schmiert. Kirchen und soziale Einrichtungen stellen die Räume zur Verfügung und helfen auch bei der Ausgabe. Auch an die Opfer von Sturm „Sandy“ haben Dinan und ihre Helfer schon Sandwiches verteilt. „In den am schlimmsten betroffenen Gegenden sieht es immer noch aus wie in der Dritten Welt.“

Selbst die Vereinten Nationen (UN) haben Dinans Anstrengungen honoriert: Gemeinsam mit der Popsängerin Beyoncé stand sie beim „Tags der Freiwilligenarbeit“ auf der Bühne der UN-Vollversammlung und hat ihr Projekt vorgestellt.
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Die Einladungen zu den Treffen verschickt sie an mehr als 1000 Freiwillige in einem eigens eingerichteten E-Mail-Verteiler. Ein Supermarkt und mehrere kleinere Läden spenden Lebensmittel, den Rest finanziert Dinan über Spenden und aus eigener Tasche. Mehrere hundert Dollar habe sie sicher schon investiert, sagt Erin. „Egal, dafür konnten wir voriges Jahr 50 000 Menschen mit Essen versorgen, das ist doch unglaublich.“

Irgendwann geht der Käse zur Neige, dann der Schinken. „Jetzt machen wir noch ein paar Brote nur mit Salat – besser als gar nichts“, sagt Dinan. Rund 700 Sandwiches wird sie nach diesem Abend zu einer Suppenküche tragen können. „Die Mitarbeiter erzählen mir, dass unsere Sandwiches immer schon nach zehn Minuten weg sind.“

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