Auf Edwin Aldrin lastete die Mission wie ein Fluch. In die Geschichte ging sein Kollege Neil Armstrong ein.

wza_1323x1357_615541.jpeg
Nur der zweite Mensch auf dem Mond: Edwin Aldrin.

Nur der zweite Mensch auf dem Mond: Edwin Aldrin.

dpa

Nur der zweite Mensch auf dem Mond: Edwin Aldrin.

Washington. Zweiter Mann zu sein, ist stets eine schwierige Rolle - zweiter Mann auf dem Mond zu sein, ist fast wie ein Fluch. Selbst die Ironie, mit der Edwin "Buzz" Aldrin der Tatsache, dass er vor vier Jahrzehnten 19Minuten nach Neil Armstrong den Erdtrabanten betrat, beizukommen versucht, klingt seltsam verkrampft: "Neil sollte der erste Mann sein, der auf dem Mond herumläuft, ich bin der erste Mann, der auf dem Mond in die Hose pinkelte", sagte Aldrin einmal. Am Mittwoch wird er 80 Jahre alt.

39 Jahre war Aldrin an jenem denkwürdigen 21. Juli 1969 alt, mit Erfolgen überschüttet wurde er bereits zuvor: Er war der erste Astronaut mit Doktorwürde, er war einer der wenigen Weltraumfahrer, die sich damals nicht als Testpiloten bei der Air Force ihre Meriten verdienen mussten. Zudem war Aldrin derjenige, der als Pilot die Landefähre "Eagle" sicher auf den Mond bugsierte. Erst im Frühjahr, recht kurz vor der Mission, entschied die Nasa, dass Kommandant Armstrong den Vortritt haben sollte. Der dritte Mann der Apollo-11-Mission, Michael Collins, der damals im Mutterschiff bleiben musste, berichtete von echten Verstimmungen zwischen Aldrin und Armstrong beim Ausstieg - so etwas durfte natürlich offiziell niemals bekanntwerden.

Auf die Mondlandung folgten innere Leere und der Absturz

Den vermeintlich süßen Ruhm konnte Aldrin nur kurz genießen - innere Leere und Perspektivlosigkeit bemächtigten sich seiner nach der Heldentat. Was kann ein Mann, der auf dem Mond wandelte, noch tun im Leben? Er bekam Depressionen, begann zu trinken. Eine weitere Enttäuschung war, dass die Beförderung zum General ausblieb. Er erlitt einen Nervenzusammenbruch, zwei Ehen scheiterten. Ihm hätten neue Ziele gefehlt, schrieb er 1973 in einem Buch, das seine Geschichte schilderte. Es hatte den sinnigen Titel "Rückkehr zur Erde" - die Rückkehr war das Schwierigste.

Aldrin, der Sohn eines ehemaligen Armee-Piloten, war Astronaut und Soldat aus Berufung. Im Korea-Krieg flog er 66 Kampfeinsätze. Sein Fliegername war "Buzz" (etwa: Begeisterung, Aufregung), der zu seinem Rufnamen bei den Amerikanern wurde. Mitte der 1950er war er drei Jahre in Bitburg in der Eifel stationiert, 1963 rückte er ins Nasa-Mond-Programm auf.

Doch nach dem Mond-Abenteuer blieb das Glück aus. Streng geheim musste es bleiben, dass Aldrin zu Beginn der 1970er Jahre in die psychiatrische Abteilung des Air Force Hospitals in San Antonio kam. 1972 schied er aus der Luftwaffe aus, gründete ein Unternehmen, versuchte sich als Berater einer Ölgesellschaft, als Autohändler und Werbeträger für VW.

Aldrin war insgesamt nur zweimal im Weltall. Vor der Apollo-11-Mission war er Co-Pilot des Gemini-12-Fluges (1966), bei dem er auch mehrmals ausstieg. Insgesamt war er gut zwölf Tage im All.

Aldrin lebt in Kalifornien und hält vor allem Vorträge.

Doch bis heute hat der alte Mann seine Raumfahrt-Begeisterung nicht verloren, bissig geißelte er unlängst das geringe Engagement von Präsident Barack Obama. "Die Maxime muss heißen: Zum Mars und nicht zurück zum Mond." Die Menschheit müsse sich Ziele setzen. Dabei glühen die Augen der "ewigen Nummer zwei" noch immer.

Leserkommentare


() Registrierte Nutzer