Die Schauspielerin Ingrid van Bergen gewinnt in der RTL-Show und lässt den Jugendwahn ziemlich alt aussehen.

Der erste Ruhm war kurz: RTL blendete die Thronrede von Ingrid I. ruckzuck aus.
Der erste Ruhm war kurz: RTL blendete die Thronrede von Ingrid I. ruckzuck aus.

Der erste Ruhm war kurz: RTL blendete die Thronrede von Ingrid I. ruckzuck aus.

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Der erste Ruhm war kurz: RTL blendete die Thronrede von Ingrid I. ruckzuck aus.

Köln. Sie haben Krokodilsaugen gekaut, sie wurden von bissigen Spinnen bekrabbelt, sie tauchten mit dem Kopf in Madenberge. Doch der Alltag deutscher B- und C-Prominenter muss noch ganz andere Grausamkeiten bereithalten als solche Ekel-Aufträge. Denn die Teilnehmer der RTL-Dschungelshow bedankten sich ungemein artig für die "schöne Zeit" (Lorielle bzw. "unser Lottchen") in Australien, die sie "nie vergessen werden".

Auch RTL dürfte sich etwas merken: Senioren-Mobbing bringt nichts. Der Privatsender inszenierte die 77-jährige Ingrid van Bergen in den Zusammenfassungen zunächst als schusselige Alte mit wirrem Blick, die ständig Sachen verlegt und vor sich hinmurmelt. Doch die Schauspielerin kam bei den Zuschauern trotzdem gut an. Am Samstag kurz vor Mitternacht wählten sie van Bergen mit 58,57 Prozent der Stimmen zur Dschungelkönigin - vor ihren jungen Mitstreitern, der transsexuellen Lorielle London (25) und dem Model Nico Schwanz (31).

Denn auch dem jungen RTL-Publikum blieb nicht verborgen, dass kein anderer Kandidat die Begebenheiten im Camp so klug betrachtete. Ingrid van Bergen sammelte nicht nur bei den Prüfungen entschlossen Sterne, sondern auch beharrlich Sympathiepunkte. Sie zeigte sich in der Dschungelkulisse erfrischend uneitel. Sie hielt sich aus allem heraus, wenn es um sie herum zickte und stritt, hatte auf Anfrage dazu aber eine ganz klare Meinung.

So wirkte sie mit einer leicht ruppigen Großmütterlichkeit immer authentisch. Zum Finale überwand sich die überzeugte Vegetarierin, aß lebende Maden und Heuschrecken, würgte auch die Känguruhoden irgendwie noch herunter.

Diese Haltung, diese Disziplin hat sie sich hart erarbeitet. In den 50er und 60er Jahren gehörte van Bergen zu den bekanntesten Filmschauspielerinnen. Mit ihrer rauchigen Stimme bekam sie meist die verruchten Rollen, spielte mit O.W. Fischer und Heinz Rühmann.

Schlagzeilen machte sie im Februar 1977, als sie im Affekt ihren Lebensgefährten Klaus Knaths erschoss. Sie wurde zu sieben Jahren Haft verurteilt, kam aber 1982 vorzeitig frei. Danach blieben Engagements als Schauspielerin spärlich, zeitweise synchronisierte sie Pornofilme. Später spielte sie dann und wann in Fernsehserien mit.

Ingrid van Bergen könnte sich wohl ein beschaulicheres Dasein vorstellen. Auch deshalb wird ihr die gut fünfstellige Gage (RTL gibt dazu keine genaue Auskunft) gerade recht kommen. Die Dschungel-Krone soll ihr aber auch zu neuer Popularität verhelfen - die Hoffnung bleibt eben immer jung. Die 77-Jährige hätte nun gern eine eigene Show bei RTL. Dem Online-Portal "stern.de" sagte sie: "Ich bin Komikerin. Schon immer gewesen. Ich habe in den 50ern politisches Kabarett gemacht."

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