Kabarettist Dieter Nuhr spricht über seinen neuen Job als Quizonkel, peinliche Pointen und seinen erstaunlich niedrigen Ruhepuls.

Neue ARD-Spielshow "Null Gewinnt" mit Dieter Nuhr
Entertainer Dieter Nuhr (links) und sein Co-Moderator Ralph Caspers sitzen in der Kulisse ihrer neuen ARD-Quizshow «Null gewinnt».

Entertainer Dieter Nuhr (links) und sein Co-Moderator Ralph Caspers sitzen in der Kulisse ihrer neuen ARD-Quizshow «Null gewinnt».

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Entertainer Dieter Nuhr (links) und sein Co-Moderator Ralph Caspers sitzen in der Kulisse ihrer neuen ARD-Quizshow «Null gewinnt».

Berlin. Sein Markenzeichen ist sein staubtrockener Humor: Wenn Dieter Nuhr scharfzüngig die politische Lage aufs Korn nimmt, gesellschaftliche Fehlentwicklungen satirisch kommentiert oder sich einfach nur über prominente und weniger prominente Mitmenschen lustig macht, verzieht der Kabarettist keine Miene – und das Publikum brüllt vor Lachen.

Die Kabarettbühne, auf der er seit vielen Jahren sein Publikum unterhält, ist dem 51-Jährigen aber zu klein geworden, deshalb moderiert er neben seinem „Satire-Gipfel“ im Ersten gelegentlich auch andere Sendungen. Nicht immer mit Erfolg: So nahm RTL vor kurzem Nuhrs Show „Typisch Frau – Typisch Mann“ wegen enttäuschender Einschaltquoten aus dem Programm.

In der ARD-Spielshow „Null gewinnt“ darf sich Dieter Nuhr ab 20.7. immer freitags um 18.50 Uhr als Quizonkel versuchen. In der Sendung, die Nuhr gemeinsam mit Ralph Caspers moderiert, gewinnen die Kandidaten, die möglichst wenig Punkte sammeln – das gelingt ihnen, indem sie zu Fragen aus verschiedenen Wissensgebieten zwar richtige Antworten finden, aber eben solche, auf die nicht jeder kommt. Fußballfan Dieter Nuhr ist ein großer Anhänger von Fortuna Düsseldorf und lebt mit seiner Familie in Ratingen.

Herr Nuhr, das ganze Fernsehen ist ein Quiz. Warum gehen jetzt auch Sie unter die Quizonkel?

Dieter Nuhr: Ganz einfach: Ich bin gefragt worden und hatte spontan Lust, da mitzumachen. Das ist wie beim Spieleabend, da mache ich mir auch keine Gedanken darüber, warum ich spiele. Ich mache das aus reiner Gaudi.

Und als studierter Pädagoge sind Sie ja auch gewissermaßen prädestiniert für diesen Job, oder?

Nuhr: Stimmt, als studierter Pädagoge bin ich natürlich von Haus aus Klugscheißer – und besser dazu geeignet, Fragen zu stellen als sie zu beantworten. Vor allem, weil man hinterher immer so tun kann, als hätte man es schon immer gewusst.

Hand aufs Herz: Schauen Sie sich selber die vielen Quizsendungen an, die es im Fernsehen gibt?

Nuhr: Nein, weil ich abends ja berufstätig bin und oft auf der Bühne stehe. Von daher gehöre ich sowieso nicht zur Zielgruppe für Quizsendungen. Ich gucke meistens Fernsehen, wenn irgendwo ein Fußball im Bild ist. Da ich keine Quizsendungen schaue, mache ich einfach selber eine – ist doch clever, oder?

Absolut. Aber das bedeutet ja auch, dass Sie keinen Schimmer von Günther Jauch und Co. haben.

Nuhr: Von Günther Jauch schon, denn bei „Wer wird Millionär?“ war ich schließlich mal selber Kandidat. Ich habe 64.000 Euro gewonnen und musste das Geld zu meinem großen Leidwesen einem guten Zweck zuführen – dabei hätte ich es eigentlich auch ganz gerne selbst behalten (lacht). Aber Scherz beiseite: Die Frage, an der ich gescheitert bin, war sauschwer.

Um was ging es denn?

Nuhr: Um Biologie. Die Frage lautete in etwa: Biologen unterteilen die Lebewesen in A: Kapitalisten, B: Superreiche, C: Geldsäcke und D: weiß ich nicht mehr.

Und die richtige Lösung lautet?

Nuhr: Superreiche. Ich bin allerdings nicht draufgekommen und hatte die Kapitalisten im Auge, weil ich meine lateinische Halbbildung rausgekramt und da irgendeinen Sinn vermutet habe. War aber nicht so. Man steht als Kandidat allerdings auch unter Stress, muss ich zu meiner Entschuldigung sagen.

Stress passt gar nicht zu Ihnen, Sie wirken immer so tiefenentspannt. Ein bisschen kultivieren Sie das Bedächtige schon, oder?

Nuhr: Ich kultiviere das nicht, ich habe einen Ruhepuls von 45. Ich bin schon relativ entspannt, glaube ich. Ich neige einfach von Natur aus nicht zur Hektik, außerdem beschäftige ich mich ab und zu mit philosophischen Fragen und habe dabei gelernt, dass es sowieso völlig sinnlos ist, in Hektik zu verfallen. Nicht zu vergessen, dass ich zunehmend auch von der Gelassenheit des Alters profitiere, ich bin ja auch schon jenseits der 50. Wobei es durchaus Dinge gibt, die mich aus der Ruhe bringen.

Als da wären?

Dieter Nuhr: Wenn jemand vor mir in einer Tempo-30-Zone nur 28 fährt zum Beispiel. Oder mich jemand auf den Gleisen festbindet und da kommt ein Zug – das kommt aber zum Glück nur selten vor. Aber im Ernst: Ich kann mich darüber ärgern, wenn ich Dinge schlechter mache als ich es könnte. Mir ist zum Beispiel vieles peinlich, was ich früher auf der Bühne gemacht habe, manche Pointen würde ich heute so nicht mehr bringen. Zum Glück werde ich aber von den Leuten nicht als oberpeinliche Person wahrgenommen. So als polarisierender Komiker würde ich nicht durchs Leben gehen wollen. Wenn jeder Zweite auf der Straße denkt: „Ach, guck mal, da ist ja blöde Sau“ – das würde ich glaube ich nur schwer aushalten.

Wie gehen die Leute auf der Straße denn mit Ihnen um?

Nuhr: Sehr höflich, muss ich sagen, mich packt auch niemand an. Ich glaube, da bewährt sich das alte Motto: Wie man in den Wald hineinruft, so schallt es auch heraus. Die Menschen begegnen mir mit einer gewissen Höflichkeit, was ich als sehr angenehm empfinde. Das läuft alles ganz gut, muss ich sagen.

Nicht so gut lief es für Sie jüngst bei RTL, wo Ihre Sendung „Typisch Frau – Typisch Mann“ wegen schwacher Einschaltquoten abgesetzt wurde...

Nuhr: Ja, das ist unglücklich gelaufen, so was kommt vor. Irgendwann ist ein Thema eben auch mal durch – und dann muss man das auch so hinnehmen. Das muss man sportlich sehen.

Sind Sie denn froh, dass Sie mit der neuen Quizshow „Null gewinnt“ wieder beim Heimatsender ARD gelandet sind, für den Sie ja auch recht erfolgreich den „Satire-Gipfel“ machen?

Nuhr: Heimatsender ist das falsche Wort, weil ich auf keinen Sender festgelegt bin. Ich freue mich aber, für die ARD zu arbeiten, weil ich von denen gut behandelt werde und man dort meinen Ideen gegenüber immer sehr aufgeschlossen ist. Im November zum Beispiel darf ich im Rahmen einer Themenwoche über den Tod eine Dreiviertelstunde lang im Ersten Kabarett über das sperrige Thema Tod machen – das ist doch großartig.

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