Der Düsseldorfer Berufssoldat Oliver Knickel lässt sich heute in Moskau einsperren und simuliert 108 Tage im All.

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Der Bundeswehr-Hauptmann Oliver Knickel lässt sich in Moskau in ein nachgebautes Raumschiff sperren.

Der Bundeswehr-Hauptmann Oliver Knickel lässt sich in Moskau in ein nachgebautes Raumschiff sperren.

dpa

Der Bundeswehr-Hauptmann Oliver Knickel lässt sich in Moskau in ein nachgebautes Raumschiff sperren.

Moskau/Düsseldorf. Am Dienstag schließt sich die Luke hinter ihm: Der Bundeswehr-Hauptmann Oliver Knickel lässt sich in Moskau in ein nachgebautes Raumschiff sperren. Darin soll der 28-Jährige mit vier Russen und einem Franzosen 105 Tage lang auf 180 Quadratmetern einen Flug zum Mars simulieren. "Ich bin hungrig auf Extremsituationen", sagt der gebürtige Düsseldorfer, der sich gegen 5600 Bewerber durchgesetzt hat.

Mit dem Isolations-Experiment wollen die europäische Raumfahrtagentur Esa und das russische Institut für Biomedizinische Probleme (IBMP) testen, wie sich Menschen unter den extremen Bedingungen eines langen Raumfluges verhalten.

Wegen der Video-Überwachung von außen könne in dem Modul eigentlich nichts Schlimmes passieren, trotzdem sei er etwas nervös, gesteht der Offizier, der im normalen Leben als Ausbilder in Esch bei Aachen arbeitet und derzeit nach Moskau abkommandiert ist.

Ab heute wird es still um den Maschinenbau-Ingenieur, denn Telefonklingeln und Autohupen wird es drei Monate lang nicht geben. In Acht-Stunden-Schichten werden die sechs Insassen vor allem die Zeit totschlagen. Sie testen, wie sich am besten ein Lagerkoller vermeiden lässt, und werden rund 100 Experimente ausführen.

Dabei sollen sie so tun, als wäre ihr "Raumschiff" auf einem über 50 Millionen Kilometer langen Flug zum Mars - obwohl sich die vier zylinderförmigen Module keinen Millimeter bewegen. "Da ist auch Fantasie gefragt", räumt der Berufsoffizier ein.

Der Deutsche Oliver Knickel hat bei dem simulierten Flug zum Mars etwa drei Quadratmeter für sich allein. Nur in seiner Schlafstelle wird er nicht von den Kameras der "Bodenstation" beobachtet. Hier hat er seine Bücher, ein Schachspiel sowie eine Festplatte mit Musik, Filmen und privaten Fotos untergebracht.

Und er weiß jetzt schon: "Am meisten werde ich meine Freundin und die Sonne vermissen." Wie bei einer wirklichen Mars-Reise, die ab 2035 machbar sein dürfte, müssen die Forscher während der 105Tage aufs Duschen verzichten, waschen werden sie sich mit feuchten Tüchern.

Die Nahrung wird aus Deutschland geliefert, etwas Frischkost soll aus einem kleinen Gewächshaus kommen. Forscher der Universität Erlangen nutzen die Isolation, um die Balance des Salz- und Wasserhaushalts an Bord zu analysieren.

Auch bei Unfällen und Notsituationen soll die Simulation aufrecht erhalten werden: Ratschläge bekommt die Crew per Funk erst nach 20 Minuten. Denn bei einem echten Flug dauern die Funksprüche auch so lange. Außerdem stehen die Probanden ständig unter Beobachtung: "Big Brother" im Dienste der Wissenschaft. "Ich glaube nicht, dass ich Schaden nehmen werde", sagt Knickel. "Aber Freunde haben mich schon gefragt, ob ich verrückt bin."

Einige Vorteile gegenüber einem echten Flug haben die Teilnehmer doch: Sie müssen nicht ihren wiederaufbereiteten Urin trinken, um einen geschlossenen Wasserkreislauf herzustellen. Und die Russen bestanden auf einer Sauna, was im Weltraum wegen des hohen Energieverbrauchs undenkbar wäre.

In den vergangenen Wochen haben sich die Insassen mit Überlebenstraining in einem Wald bei Moskau auf den Einsatz vorbereitet. "Minus 27 Grad, kaum Schlaf, wenig Essen - die Stimmung war trotzdem gut."

Knickel nimmt im übrigen an einer Kurzversion teil, eine komplette Mars-Expedition würde 520 Tage dauern. So lange sollen die nächsten Kandidaten ab Dezember in den Container. Das reizt auch Knickel, "doch zuerst möchte ich mal den jetzigen Versuch meistern". Abbrechen darf er das Experiment nämlich nur im Notfall. "Auf dem Weg zum Mars kann man ja auch nicht aussteigen."

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