Mit geräuchertem Fisch verdient der Auswanderer sein Geld auf den Kanaren. Er hat sein Hobby zum Beruf gemacht.

Wiegmann, Andrea

Puntallana/La Palma. Karl-Heinz Molik lebt seit fast 15 Jahren auf der Kanaren-Insel La Palma. Er besitzt ein Haus, in dessen Nachbarschaft es weit und breit keine anderen Deutschen gibt. Er hat einen Beruf, der ihn vor allem zu einheimischen Kunden führt, und aus „Karl-Heinz“ ist längst Carlos geworden.

Trotzdem: Ganz verleugnen will er seine Wurzeln nicht. „El pequeño Ahumadero“ prangt auf seinem weißen Lieferwagen – und darunter die Übersetzung auf Deutsch: Die kleine Räucherei.

Vor seinem Neubeginn in Spanien war Molik arbeitslos

Der Auswanderer und seine Ehefrau Elke Wittmershaus leben seit 1997 in Puntallana im Osten der Kanareninsel. Ihren Lebensunterhalt bestreiten sie durch den Verkauf von geräuchertem Fisch – „das kannten die Palmeros vorher nicht.

Die haben nur Käse geräuchert“, sagt Molik. Seine Biografie scheint die eines typischen Auswanderers zu sein: Nachdem der gebürtige Niedersachse mit 47 Jahren seinen Job bei Hochtief verlor, versuchte er auf La Palma den Neuanfang – in dem er dort sein Hobby, das Räuchern, zum Beruf machte.

Die Anfänge in der neuen Heimat haben ihre Spuren hinterlassen

Im Gegensatz zu vielen anderen Auswanderern ließen er und seine Frau sich von der schwierigen ersten Zeit jedoch nicht aufhalten, sondern bissen die Zähne zusammen. „Das war knüppelhart, ich habe in einem Monat zwölf Kilo Gewicht verloren“, erinnert Karl-Heinz Molik sich.

Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes zogen im Jahr 2010 141 000 Deutsche ins Ausland. Unter den europäischen Zielen liegt dabei die Schweiz ganz vorn: 22034 Menschen zogen dort hin, es folgen Österreich (10831), Polen (9434), UK (8530) und Spanien (6705).

Das Haus, das er für sich und seine Frau ausgeguckt hatte, war alt. Als er am 24. Dezember 1997 in seiner neuen Heimat ankam, gab es weder einen Weg bis zum Haus noch gab es darin Elektrizität. „14 Tage lang habe ich auf einer Pritsche geschlafen und drei Wochen lang nur kalt geduscht“, erinnert er sich. „Das hat uns damals viele Nerven gekostet“, erinnert sich auch Elke Wittmershaus.

Als Putzhilfe in den örtlichen Hotels verdiente sie das erste Geld, während ihr Mann sich um das Haus kümmerte und anfing, seine Produkte als Straßenhändler zu verkaufen. Ein Fehlschlag.

Erst als Molik begann, seine Produkte verschiedenen Restaurants vorzustellen, kam langsam der Erfolg. Bismarck- und Brathering, geräucherter Lachs oder Hering – all das kannten die Palmeros nicht.

„Heute müssen wir keine Reklame mehr machen, im Gegenteil, die Leute rufen bei uns an und fragen nach unseren Produkten.“

Karl-Heinz „Carlos“ Molik

Unermüdlich verteilte Karl-Heinz Molik Proben und warb für seine Produkte. Gar nicht so einfach, denn auch die Sprache mussten die beiden, die die Insel nur von Urlauben kannten, erst mühsam lernen. „Heute kann ich mich verständigen, auch wenn meine Grammatik nicht die beste ist. Aber da bin mit meinen 62 Jahren mittlerweile drüber weg“, sagt Molik lachend.

Entspannt sitzt er auf der Terrasse seines Hauses – ganz bewusst hatten sich die beiden damals entschieden, nicht in eine dieser „deutschen Kolonien“ zu ziehen, sondern unter den Einheimischen zu wohnen. Gemütlich ist es bei ihnen, ein Hund und zwei Katzen gehören zum Haushalt, und wenn die beiden nicht Ware ausliefern oder ihren Stand auf Wochen-Märkten betreuen, genießen sie die warme Sonne, die auf La Palma fast das ganze Jahr über scheint.

„Heute müssen wir keine Reklame mehr machen, im Gegenteil, die Leute rufen bei uns an und fragen nach unseren Produkten“, sagt Molik zufrieden. Den Wunsch, irgendwann nach Deutschland zurückzukehren, verspüren beide nicht. „Warum auch?“

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