Seit fast 40 Jahren steuert Chesley Sullenberger Flugzeuge. Am Donnerstag vollbrachte er mit der Notwasserung eine Leistung, die die ganze Welt staunen lässt.

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Seine Kollegen nennen ihn nur "Sully": Flugkapitän Chesley Sullenberger.

Seine Kollegen nennen ihn nur "Sully": Flugkapitän Chesley Sullenberger.

Reuters

Seine Kollegen nennen ihn nur "Sully": Flugkapitän Chesley Sullenberger.

New York. Graue, nahezu weiße Haare, weißer Schnauzbart, ein etwas scheues Lächeln und ein ruhiges, überlegtes Wesen. Stellt man sich so einen Helden vor? Seit gestern schon.

Denn so sieht er aus, der Mann, der über Nacht zum "Helden vom Hudson" wurde. Der Mann, der einen Airbus mit 155 Menschen an Bord sicher auf dem Hudson River in New York notwasserte und anschließend noch zweimal durch das schon vollgelaufene Flugzeug lief, um sich zu vergewissern, dass auch wirklich niemand zurückgeblieben ist.

US-Zeitungen erklärten den Flugkapitän Chesley B. "Sully" Sullenberger gestern umgehend zum "neuen Schutzheiligen der Flugpassagiere". Tatsächlich hätten sich die Passagiere des US-Airways-Fluges 1549 bei der spektakulären Notlandung wohl kaum einen geeigneteren Mann im Cockpit wünschen können als den 57-Jährigen.

Der frühere Kampfjetpilot der US-Air-Force hat rund 40 Jahre Erfahrung in der Luftfahrt und über 19000 Flugstunden absolviert. Zudem hat er eine eigene Firma für Sicherheitsfragen und laut seinem im Internet veröffentlichten Lebenslauf Erfahrung als Ermittler nach Flugzeugunglücken.

Seine Erfahrung als Gleitflieger wurde plötzlich entscheidend

Für die US-Flugsicherheitsbehörde NTSB arbeitete er in einem Expertenteam mit. Auf der Grundlage dieser Arbeit wurde das Training von Crews zur Evakuierung von Flugzeugen verbessert. Sullenberger ist zudem lizenzierter Ausbilder für Landungen von Düsen-Flugzeugen sowie von Gleitfliegern.

lugkapitän Chesley Sullenberger ist mit dem "Schlüssel der Stadt New York" ausgezeichnet worden. Bürgermeister Michael Bloomberg sprach dem 57-Jährigen die Ehrung gestern bei einer Pressekonferenz zu. Der Pilot selbst nahm an der Veranstaltung allerdings nicht teil. Er und sein Team wurden zur gleichen Zeit von Experten der Nationalen Verkehrssicherheitsbehörde ausführlich zu dem Unglück befragt.

Seine Erfahrung beim Gleitflug dürfte dem Piloten nun zugute gekommen sein: Nachdem beim Airbus A320 kurz nach dem Start vom Flughafen La Guardia beide Triebwerke ausgefallen waren, verlor er rapide an Höhe. Sullenberger reagierte sofort und trotzdem überlegt, zog im Gleitflug eine Kurve über Hochhaustürme und die Washington-Brücke hinweg und landete schließlich im eiskalten Hudson River.

"Wir danken Gott und dem Piloten", sagte eine Frau dem Nachrichtensender Fox News. "Er hat das phantastisch gemacht - Hut ab vor dieser großartigen Landung", schwärmte Passagier Jeff Kolodjay. Kurz nach dem Start habe er einen lauten Knall gehört, berichtete Passagier Alberto Panero.

Die Maschine habe leicht gewackelt, und es habe nach Rauch gerochen. "Plötzlich hat sich der Kapitän gemeldet und gesagt ,Beugen Sie sich für einen Aufprall vor’." Alle hätten sich geduckt, viele gebetet. "Dann gingen wir runter ins Wasser." Es sei einfach unglaublich, dass alle überlebt hätten.

Sullenbergers Ehefrau hatte von dem Drama gar nichts mitbekommen. "Mein Mann rief an und sagte, es habe einen Zwischenfall gegeben", berichtete Lorraine Sullenberger aus Danville in Kalifornien dem Sender CNN. Sie habe an eine Nebensächlichkeit gedacht, bis ihr Mann begann, ihr von dem "Zwischenfall" zu berichten.

"Da habe ich angefangen zu zittern und erstmal unsere Tochter aus der Schule abgeholt. Ich war so geschockt. Sully hat immer gesagt: Es ist äußerst selten, dass ein Pilot in seiner Berufslaufbahn ein Flugzeugunglück am eigenen Leibe erlebt."

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