Das Märchen um den Turn-König Fabian Hambüchen wäre ohne seinen Onkel nicht möglich gewesen. Er machte den 19-Jährigen im Kopf topfit.

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Der Krefelder Bruno Hambüchen brachte seinen Neffen mental auf Goldkurs.

Der Krefelder Bruno Hambüchen brachte seinen Neffen mental auf Goldkurs.

Lothar Strücken

Der Krefelder Bruno Hambüchen brachte seinen Neffen mental auf Goldkurs.

Krefeld. Es gab einen Augenblick, noch vor wenigen Tagen, da hätte niemand mehr einen Cent auf Fabian Hambüchen gesetzt. Die deutsche Turn-Hoffnung war müde, stand im Mehrkampf-Finale auf dem vorletzten Platz. Da nahm ihn sein Onkel kurz zur Seite, flüsterte ihm nur ein paar Worte ins Ohr - und plötzlich war er da.

Der nächste Sprung gelang, Fabian Hambüchen startete eine furiose Aufholjagd und holte sensationell Silber im Mehrkampf. Am Sonntag folgte die Krönung: Gold am Reck.

Was er seinem Neffen ins Ohr flüsterte, will Bruno Hambüchen nicht verraten. "Das war etwas sehr Persönliches. Das bleibt unter uns", sagt der Diplom-Pädagoge lächelnd, während er in seinem Büro in der Krefelder Innenstadt die vergangenen Tage Revue passieren lässt.

Sowieso möchte er seinen Anteil am Erfolg des 19-jährigen Turn-Stars gar nicht so hoch hängen: "Meine Arbeit ist bestenfalls das Tüpfelchen auf dem i. Ohne die 15-jährige Aufbauarbeit des Trainers mit dem Wettkämpfer hätte das alles keinen Wert."

Aber dass Fabian Hambüchen am Reck schließlich die "beste Übung meines Lebens" turnte, wie er selbst sagt, hat auch etwas mit seinem bescheidenen Mentaltrainer zu tun. Der 54-Jährige ist dafür da, dass der neue Turn-Star seine Fähigkeiten auch dann abrufen kann, wenn der Druck riesig wird.

Seit drei Jahren bereitet Bruno Hambüchen seinen Neffen auf Wettkämpfe vor. Die Zusammenarbeit begann, als Wolfgang Hambüchen, Vater und Trainer des hoch talentierten Fabian, auf seinen Bruder zuging und ihn bat, die mentale Vorbereitung auf die Olympischen Spiele 2004 in Athen zu übernehmen.

Jede Turnübung wird vorher auch im Kopf trainiert

Bruno Hambüchen tat dies, und seitdem nehmen die beiden einige Wochen vor den jeweiligen Wettkämpfen die geistige Vorbereitung auf. "Ich will dem Athleten dabei behilflich sein, dass seine Emotionen und der Erwartungsdruck sein Können nicht blockieren", erklärt der Mental-Coach.

Dazu, so Hambüchen, müssen die Gefühle und Ängste vor den anstehenden Herausforderungen in Worte gefasst werden. "Wir versuchen, eine bildliche Vorstellung von dem zu erreichen, was im Wettkampf passieren kann." Was dann stattfindet, ist eine Art Training für das Gehirn: Die gesamte Übung wird im Kopf durchgespielt, am Ende genauso schnell, wie sie auch tatsächlich stattfinden wird. Das Entscheidende: Der Kopf muss mit den Bewegungen des Körpers mitkommen.

 

>Was einem Spitzensportler weiterhilft, kann auch andere voran bringen. Zu Bruno Hambüchens Klienten zählen in erster Linie Geschäftsleute, Prominente und Künstler, die er in beruflichen Fragen und Beziehungsproblemen berät. Erst vor fünf bis sechs Jahren kamen sportrelevante Themen dazu.

Ein für das Mentaltraining sehr sensibler Bereich, da man - gerade im Mannschaftssport - häufig als "zu weich" abgetan wird, wenn man auf diese Unterstützung baut. "Es gibt noch zu viele Vorbehalte", so Hambüchen, der jedoch einräumt: "Es sind auch zu viele Motivations-Animateure unterwegs. Die Sportler müssen es selbst wollen, denn die Türen müssen von innen aufgehen."

 

HAMBÜCHEN-CLAN

Familienprojekt Am Erfolg von Fabian Hambüchen hatte beinahe die gesamte Familie ihren Anteil: Vater Wolfgang ist seit 15 Jahren Trainer des Turners, Mutter Beate die Koordinatorin hinter den Kulissen. Sein vier Jahre älterer Bruder Christian turnt zwar nicht mehr, hat Fabian allerdings mit an den Sport herangeführt.

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