Comeback: Bertrand Cantat, der 2003 die Schauspielerin Marie Trintignant tötete, singt wieder.

Bertrand Cantat, hier bei einem Auftritt im Jahr 2000, steht wieder auf der Bühne.
Bertrand Cantat, hier bei einem Auftritt im Jahr 2000, steht wieder auf der Bühne.

Bertrand Cantat, hier bei einem Auftritt im Jahr 2000, steht wieder auf der Bühne.

dpa

Bertrand Cantat, hier bei einem Auftritt im Jahr 2000, steht wieder auf der Bühne.

Paris. Das Gerücht kursiert schon seit Tagen. Vergangenen Samstag ist es tatsächlich soweit. Bertrand Cantat, Frankreichs charismatisches Rockidol, betritt zusammen mit der Band "Eiffel" nach siebenjähriger Pause die kleine Festivalbühne im südfranzösischen Bègles: das Comeback des Jahrzehnts.

Er tritt auf, als wolle er die Zeit zurückdrehen

Es ist ein kurzer Auftritt, der schon nach drei Liedern vorbei ist. Cantat, obwohl inzwischen 46, schwarzes T-Shirt, Jeans, mittellanges Haar, wirkt an diesem Abend geradezu jugendlich. So als wolle er die Uhrzeiger weit zurückdrehen. Zurück bis in die neunziger Jahre, in jene glücklichen Tage, als die Jugend zwischen Lille und Marseille den Leadsänger der Kultband "Noir Désir" verehrte wie einen französischen Jim Morrison.

Die stürmische Liebe endete in einem tödlichen Drama

Doch spätestens seit sieben Jahren sieht Frankreich in ihm einen Menschen mit zwei Gesichtern. Für seine treuen Fans bleibt er der sensible Rockstar, der mit poetischen Rockballaden den Nerv einer Generation trifft. Für andere hingegen ist er zeitlebens der feige Mörder, der das Leben der hübschen Schauspielerin Marie Trintignant auf dem Gewissen hat.

Rückblende: Wir schreiben die Nacht auf den 27. Juli 2003. Bertrand Cantat ist ins litauische Vilnius gekommen, wo die Tochter des berühmten Jean-Louis Trintignant gerade mit ihrer Mutter Nadine, der Regisseurin, den Fernsehfilm "Colette" dreht. Marie, die Promi-Schauspielerin, und Bertrand, der verehrte Rockstar, erleben eine stürmische Liebesaffäre. Ein Jahr zuvor hat er seine Familie in Bordeaux verlassen und ist zu ihr nach Paris gezogen. Sie wiederum wirft ihm zuliebe den Ehemann aus der Wohnung.

Doch das Glück der Beiden währt nicht lange. In jener Nacht in Vilnius kommt es zu einem heftigen Eifersuchtsdrama, das Marie Trintignant das Leben kosten wird. Cantat prügelt auf seine Geliebte ein, bis diese schwer verletzt zusammenbricht. Doch den Notarzt ruft er erst am nächsten Morgen. Als Cantat bewusst wird, dass Marie mit dem Tod ringt, versucht er, sich das Leben zu nehmen. Marie Trintignant stirbt am 1. August.

Seine Frau gibt ihm Rückhalt - und nimmt sich dann das Leben

Das Grab der Schauspielerin Marie Trintignant befindet sich auf dem Pariser Friedhof Père Lachaise im XI. Arrondissement.

Mutter Nadine Trintignant reagierte kühl auf Cantats Comeback - genauso wie schon vor drei Jahren, als der Sänger vorzeitig aus der Haft entlassen wurde. Für die Regisseurin bleibt Cantat trotz des "Totschlag"-Urteils ein "Mörder". 2003 hatte sie ein Buch veröffentlicht, in dem sie Cantat mit dem Mordvorwurf konfrontierte.

Kaum ein Kriminalfall hat Frankreich so aufgewühlt wie die Tragödie Cantat-Trintignant. Wegen "absichtlichen Totschlags" verurteilen ihn die Richter in Vilnius 2004 zu acht Jahren Gefängnis, aber schon im Oktober 2007, da ist er längst in Frankreich, kommt Cantat wegen guter Führung wieder frei.

Doch der dramatische Tod der Geliebten drückt auf den Rockstar weiterhin wie ein kolossaler Mühlstein. Es ist seine Frau, Kristina Rady, die ihm Rückhalt gibt. Daheim in Bordeaux, im Schoße der Familie, beginnt Bertrand Cantat wieder zu musizieren. Vor zwei Jahren nehmen "Noir Désir" ein neues Album auf. Normalität scheint in das Leben des Rockidols zurückzukehren. Denn schlägt der Tod erneut auf furchtbare Weise zu. Kristina Rady erhängt sich.

Beim Konzert in Bègles verabschiedet sich Bertrand Cantat beinahe demütig von seinen Fans. Er faltet die Hände, beugt sich nach vorn und lässt erleichtert ein Lächeln über sein Gesicht huschen.

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