Der Finne Ari Vatanen hat vier Mal die Rallye Dakar gewonnen, jetzt kämpft er in Brüssel für eine bessere Welt.

Brüssel. Wenn Ari Vatanen durch die Gänge des Europäischen Parlaments geht, bildet sich schnell eine Menschentraube um ihn herum. Viele Besucher erkennen den ehemaligen Rennfahrer sofort, zücken ihre Kameras, reichen ihm Zettel für ein Autogramm oder rufen ihm ein paar aufmunternde Worte zu.

Der 56-Jährige lächelt, er schüttelt Hände, beantwortet geduldig eine Frage nach der anderen. "Auf Augenhöhe mit den Menschen zu sein", sagt er - "das macht Politik für mich aus." Einen reinen Bürojob hätte er sich ohnehin nie vorstellen können.

Der Finne Ari Vatanen zählt zu den schillernsten Mitgliedern des Europäischen Parlaments, das 785 Abgeordnete aus 27 EU-Ländern und allen gesellschaftlichen Bereichen unter seinen Dächern in Brüssel und Straßburg vereint - Spitzensportler und Wirtschaftsbosse, Gewerkschaftsmitglieder und Künstler. In seiner Heimat ist der große Blonde immer noch ein Star, in anderen Ländern Europas zumindest für Motorsport-Fans ein bekanntes Gesicht.

Vier Mal gewann Vatanen die Rallye Dakar (1987, 1989, 1990 im Peugeot und 1991 in einem Citroen), ist damit der erfolgreichste Autofahrer des Wüstenrennens. Mehrfach wurde er Rallye-Weltmeister, jahrelang zählte die deutsche Rennsport-Legende Walter Röhrl zu seinen schärfsten Konkurrenten. Erst vor zwei Jahren wollte es Vatanen noch einmal wissen und trat für Volkswagen erneut bei der Dakar-Rallye an, was allerdings keine Ruhmes-Geschichte wurde: Nach einem Brand im Wagen gab er am siebten Renntag auf.

Vatanen sitzt in seinem Büro im zehnten Stock des Parlamentsgebäudes und erzählt, wie aus einem ehrgeizigen Rennfahrer allmählich ein ehrgeiziger Politiker wurde. Seine Karriere im Motorsport ging rasend schnell voran - bis ihn 1985 ein schwerer Unfall in Argentinien fast das Leben gekostet hat. Sein Peugeot raste mit Volltempo in ein Schlagloch und überschlug sich mehrfach. In letzter Sekunde wurde er schwerverletzt mit dem Hubschrauber in ein Krankenhaus geflogen. 18 Monate wusste Vatanen nicht, ob er je wieder auf die Beine kommt.

Ari Pietro Uolevi Vatanen wurde am 27. April 1952 im finnischen Tuupowaara geboren. Mit seiner Familie - Frau Rita, Tochter Tua und Sohn Max - wohnt er in Frankreich.

Nach einer Lehre als Kraftfahrzeugtechniker wurde Ari Vatanen 1976 Rallyefahrer. Er war 1981 Rallye-Weltmeister und ist erfolgreichster PKW-Fahrer bei der Rallye Dakar. 1999 wurde er als Mitglied der finnischen Partei Kansallinen Kokoomus erstmals ins Europa-Parlament gewählt. Seit 2004 sitzt er für die französischen Konservativen in der europäischen Volksvertretung.

"Es war ein Alptraum", erinnert er sich - ein dunkler Tunnel, aus dem er nicht den Ausgang fand. Schließlich rappelte er sich doch wieder hoch, fuhr 1987 wieder ein Rennen. Die fuhr er auch noch, als er 1999 für die finnische Partei Kansallinen Kokoomus ins Europa-Parlament gewählt wurde. Fünf Jahre später trat er für die konservative Partei Union pour un Mouvement Populaire aus Frankreich an, wo er seit Anfang der 90er Jahre mit seiner Familie lebt.

Ari Vatanen hat die Welt gesehen, er war in Asien unterwegs, in den USA, Australien und in Afrika. Das Elend, die Armut in vielen Ländern bewegt ihn immer wieder aufs Neue. "In Europa impfen wir unsere Hunde und Katzen, in Afrika vegetieren Kinder vor sich hin."

Als Mitglied des Außenausschusses im Parlament macht er sich für Entwicklungshilfe stark. Er bezeichnet sich als Idealisten, träumt von einer besseren und gerechteren Welt. Er ist auch Verfechter der EU-Erweiterung - um des Friedens in Europa willen, wie er sagt. Und im Verkehrsausschuss setzt er sich, wie sollte es auch anders sein, für die Sicherheit auf Europas Straßen ein.

"Ich weiß nicht, was noch kommen wird", sagt Ari Vatanen. Vielleicht wird er noch einmal ein Rennen fahren. Vielleicht wird er im nächsten Jahr erneut für das Europa-Parlament kandidieren. Einen fertigen Plan hat er jedenfalls nicht in seiner Tasche, versichert er. "Heute versuche ich, nach meinem Gewissen zu leben", sagt er. "Und um den Rest wird sich das Leben kümmern."

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