Bei der RTL-Show geht’s längst nicht mehr um die beste Stimme. Deshalb ist die 18-Jährige die einzig wahre Siegerin.

wza_307x400_485267.jpg
Annemarie Eilfeld ist eine Reizfigur für die Jury und die Zuschauer.

Annemarie Eilfeld ist eine Reizfigur für die Jury und die Zuschauer.

dpa

Annemarie Eilfeld ist eine Reizfigur für die Jury und die Zuschauer.

Köln. Bei der RTL-Talentshow "Deutschland sucht den Superstar" soll es früher tatsächlich mal ums Singen gegangen sein. Aber daran glaubt nur noch Dieter Bohlen. Die Zuschauer wissen es besser. Und Annemarie Eilfeld, die es unter die letzten vier verbliebenen Kandidaten geschafft hat, weiß es am besten.

Die Bezeichnungen "Zicke" und "blondes Gift" sind zu ihren zweiten Vornamen geworden. Die 18-Jährige aus einem sicherlich ehrgeizigen Elternhaus in Dessau polarisiert die Zuschauer wie kein Kandidat je zuvor. Und das weiß sie professionell zu nutzen. Man muss sie überhaupt nicht mögen, doch man kommt bei der Sendung auch nicht an ihr vorbei.

Ihre Auftritte wecken die größte Spannung - ganz gleich, ob man auf ihre knappen Kostüme abfährt oder sich schon vorab entnervt fragt, wie viel nackte Haut sie denn diesmal vorzeigen will. Sie weiß: "Sex sells", behält damit Recht - und läuft privat "in Jeans und T-Shirt herum", sagt sie im Gespräch. Kein anderer folgt so konsequent wie sie dem veränderten Konzept für die Show.

Dieter Bohlen hat bei der Wahl der Kandidaten nicht aufgepasst

Wer die Bewerber in der Vor-ausscheidung zum Liedvortrag 20 Meter kopfüber abseilt, wer ihnen dazu Riesenschlangen umlegt, kann nicht ernsthaft an der Steigerung ihrer Sangeskunst interessiert sein. RTL inszeniert die Show als Mischung aus Comedy (Holger beim Schwimmkurs) und Doku-Soap (die abnehmwillige Vanessa schmachtet beim Konditor). Dazwischen wird ab und zu auch noch gesungen.

Schräge Typen wollte Dieter Bohlen in dieser Staffel auf der Bühne sehen. Doch er hat wohl bei der Auswahl nicht richtig aufgepasst. Dominik Büchele und Daniel Schumacher, Bohlens erklärter Liebling ("Du bist Weltklasse"), sind niedlich, gucken aber immer bange. Sarah Kreuz hat eine tolle Stimme, haften bleiben aber ihre Textlücken. Annemarie weiß, dass sie nicht am besten singt, liefert aber zuverlässig einen Hingucker-Auftritt. Doch Chef-Juror Bohlen ist sie wohl zu offensiv. Er kanzelt sie regelmäßig ab, zuletzt als "bitch" (so viel wie Schlampe oder Hure).

Berlin: Take my breath away (aus "Top Gun”); Joe Cocker: You are so beautiful

Faith Hill: There you´ll be (aus "Pearl Harbour”); Kelly Clarkson: Because of you

Elton John: Can you feel the Love tonight (aus "König der Löwen”); Simon & Garfunkel: Sound of Silence

Whitney Houston: I will always love you (aus "Bodyguard”); Duffy: Warwick Avenue

Sa. 20.15 Uhr: "Deutschland sucht den Superstar"

Die Nachwuchssängerin reagiert selbstbewusst: "Ich sehe ihn ja nur drei Stunden am Samstag. Da schmeißt er mir eben wieder einen Spruch an den Kopf." Sonst bekomme sie aber viel Zuspruch "von lieben Leuten".

Die leben wohl nicht in der Kandidaten-Villa. Denn dort soll seit Wochen Eiszeit herrschen. Annemarie lästere gemein über die anderen, diese nennen sie "hinterfotzig". Ein herrlicher Streit - da haben die bunten RTL-Magazine immer etwas zu berichten; da klinkt sich auch die "Bild" gerne ein und legt noch die ein oder andere Fotostrecke obendrauf. Die stete Medienpräsenz ist für den späteren Plattenverkauf mindestens so wichtig wie die Stimmstärke, deshalb macht das die Mitbewerber erst recht sauer. Annemarie weiß gar nicht, warum: "Die ,Bild’-Leute melden sich normal zu unseren Presseterminen an, und dann machen sie eben nur was mit mir."

Sie möchte auch nichts dazu sagen, ob RTL den Kandidaten-Streit aufbauscht: Die Stimmung in der Villa sei "im Moment ganz ok". Nur Daniel benehme sich weiter wie "ein bockiges Kind".

So etwas hat Annemarie längst hinter sich. Sie will nur eins: gewinnen. Und damit ist sie schon ziemlich weit gekommen.

Leserkommentare


() Registrierte Nutzer