Als Kabarettistin bringt sie die Leute zum Lachen. Sich auf Kosten anderer lustig zu machen, liegt der studierten Soziologin aber nicht. Privat gibt sie sich konservativ.

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"Ich bin katholisch, und das darf auch jeder wissen", sagt die gebürtige Bonnerin Anka Zink.

"Ich bin katholisch, und das darf auch jeder wissen", sagt die gebürtige Bonnerin Anka Zink.

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"Ich bin katholisch, und das darf auch jeder wissen", sagt die gebürtige Bonnerin Anka Zink.

Düsseldorf. Kann man dieser Frau trauen? Dunkle Augen, unschuldiger Blick, ein liebes Lächeln auf den Lippen. Ganz zahm. Doch dann ein leichtes Zucken in den Mundwinkeln, aus dem Lächeln wird ein Grinsen, ein lautes Lachen. Ganz zickig.

Bei dieser Frau weiß man nie genau, wo man dran ist. Nur eins ist klar: Anka Zink bringt die Menschen zum Lachen. In Fernsehsendungen wie "Genial daneben". Und vor allem auf der Bühne mit ihrem neuen Kabarettprogramm "Wellness für alle". Eine Ulknudel - aber was für eine?

"Mein Schicksal war immer schon, dass ich als Kabarettistin zu lustig bin." So beschreibt Anka Zink ihre Gratwanderung zwischen Kabarett und Komik. Die begann in den 1980er Jahren beim Improvisationstheater Springmaus und im Düsseldorfer Kom(m)ödchen.
 
Von da an ging’s bergauf, die wissenschaftliche Karriere ließ sie sausen: Statt als Soziologin verdient Anka Zink ihr Geld, wie sie selbst sagt, als "Humordienstleisterin".

Wie es sich für eine Dienstleisterin gehört, hat sie einen Firmensitz - ein Büro in einem schmucken Altbau in Köln. Schreibtisch, Schrank, daran Fotos: Familie und Katze. Nebenan ein kleiner Saal, rotes Riesengemälde, Plüschteppich, Tisch und Stühle - und viel freie Fläche: Raum, Luft, ja Freiheit brauche sie, erläutert Anka Zink, um kreativ zu sein. Um Programme zu planen. Um nachzudenken, worüber die Leute lachen könnten.

Und darüber lachen die Leute: Seitenhiebe auf den Fitnesswahn, Sticheleien über Politiker, Kritik am Medienkonsum. Erzählt, gedichtet, gesungen. Die Zink macht sich lustig über alles und jeden. Nur über eines nicht: "Ich weise nicht so sehr den Menschen die Schuld zu. Die Leute möchten nicht, dass ich über ihre Probleme lache. Niemand möchte das."

Ihr Prinzip sei die "Social Comedy", wie man in Amerika sagt. Zuwider ist ihr deshalb "der ganz normale Sexismus": Wenn Stars wie Harald Schmidt oder Oliver Pocher ihre Witzchen über Frauen machen, sagt Frau Zink klar: "Das sind für mich keine Kollegen."

Sie spielt demnach in einer höheren Liga, die Zink - oder? "Natürlich bin ich nicht besser", winkt sie ab, "aber ich kann einfach nicht ohne Niveau." Und Niveau hat für sie mit Werten zu tun, erst recht, wenn man wie sie im Blickpunkt der Öffentlichkeit steht: "Es geht um Glaubwürdigkeit, um Anerkennung, um Orientierung."

Die Zink wäre nicht die Zink, gäbe sie nicht grinsend einen sarkastischen Kommentar dazu ab: "Es ist super, wenn keine Werte an sich da sind, da muss ich mich nicht auseinandersetzen...", ironisiert sie.

Sie spricht von zerbrechenden Familienstrukturen, Überalterung und Werteverlust und sagt: "Die Entwurzelung vieler führt dazu, dass sie in Krisen zu Depressionen, zu Aggressionen neigen. Also Frauen depressiv, Männer aggressiv. Eine ganze Gesellschaft in den Wechseljahren. Das ist die Nebenbedeutung der Best-Ager."

Nachdenklich wirkt Anka Zink - und zappelig. Schlägt die Beine übereinander, streckt sie wieder aus, lehnt sich zurück, beugt sich vor, dreht ein Armband zwischen den Fingern, bis sich die Perlen verheddern.

So zänkisch sie sein kann ("Die Energielobby ist enorm dickfellig.") - politisch ist sie konservativ: "Ich bin keine Exotin", wehrt sich Anka Zink gegen das Klischee, Kabarettisten müssten links sein. "Als Konservative gilt man als schwach, weil viele nicht kapiert haben, dass Fortschritt nur durch den Erhalt wichtiger Dinge möglich ist."
 
In Zinks Werteskala hat auch die Religion einen hohen Stellenwert: "Ich bin katholisch, und das darf auch jeder wissen."
 
Ob Kirche oder Küche - Anka Zink schwimmt gegen den Strom der banalen Unterhaltung. Während Kochshows boomen, stellt sie klar: "Ich arbeite in der Küche nie nach Gefühl, nur nach der Uhr. Kochen ist für mich ein physikalisch-chemischer Vorgang."
 
Den Haushalt kriege sie durchaus geregelt, schmunzelt sie, aber: "Backen, bügeln, waschen ist großräumig an mir vorübergegangen; das mag an meiner rheinischen Sozialisation liegen - die Wäsche hat man damals in Beuel weggegeben, selbst bei einfachen Leuten."

Bonn-Beuel ist ihre Heimat, Köln ihr Wohnort: Hier lasse es sich gut wohnen, erzählt die Rheinländerin, stadtnah und doch mit Blick ins Grüne. Ihr Büro liegt am Hildeboldplatz - und natürlich weiß sie, dass Hildebold der erste Erzbischof von Köln war.

Gern ist sie zu Hause, doch meistens unterwegs, auf Tournee mit 120 Auftritten im Jahr, dazu kommen Galas und Fernsehauftritte: "Wenn man nicht gern reist, darf man diesen Beruf nicht machen."

Lächelt - und springt plötzlich auf, wild und wuselig wie auf der Bühne. Die Künstlerin spielt die Szene nach, die ihr in einem Dresdner Hotel passierte, wo sie morgens um sechs beim Frühstück angesprochen wird: Sie kenn’ ich doch, sind sie nicht, das ist ja toll...

Gar nicht toll: Anka Zink verdreht die Augen, setzt sich wieder und seufzt; auf Reisen sei sie lieber für sich, gibt sie zu. Und über Erfolg, Popularität spricht sie nur zögerlich. Dabei lächelt sie schon wieder, diesmal so überzeugend zahm, dass man ihr durchaus trauen kann: "Was ich erreicht habe, ist, eine Show zu machen, in der die Leute lachen."
 
Zink-Zitate
 
"Ich sage mit aller Deutlichkeit: Jeder Straßenbahn- oder Busfahrer hat eine mehrfach höhere Belastung als ein Lokführer, der nicht mit Fahrgästen zu tun hat." "Sollten wir nicht dem Islam ein bisschen helfen, nicht diese gewalttätige Religion zu werden, wie sie die christliche Kirche lange war?"
 
"Man muss nicht gleich die Forschung einstellen. Früher war ich generell gegen Atomkraft, heute frage ich mich, es kann doch wohl nicht sein, dass man immer noch nicht weiß, wohin mit dem Dreck, der übrig bleibt."
 
Anka Zink im Gespräch mit unserer Zeitung
 
Zur Person
 
Anka Zink stammt aus Bonn-Beuel, schloss ihr Soziologiestudium 1983 in Bielefeld mit dem Diplom ab. Sie war Gründungsmitglied des Bonner Kabaretts Springmaus, arbeitete am Düsseldorfer Kom(m)ödchen unter anderem mit Harald Schmidt zusammen. Seit 1991 eigene Bühnenprogramme und Mitarbeit bei Fernsehsendern (beispielsweise "7 Tage, 7 Köpfe" und "Genial daneben").
 
Das aktuelle Kabarett-Programm von Anka Zink heißt "Wellness für alle"; ihre früheren Programme sind auf CD erhältlich (einige vergriffen). Daneben arbeitet Anka Zink als Regisseurin und Autorin, schreibt Songtexte zum Beispiel für die Musikerin Helena Miles. Anka Zink fördert Nachwuchskünstler und unterstützt durch Benefizveranstaltungen soziale Initiativen wie Medica Mondiale, Sommerblut und LebensWert. 
 
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