Porträt: Bobpilot André Lange hat in Vancouver ein festes Programm: Erst die Fahne tragen, dann das vierte Gold holen.

André Lange: „Ich habe mich zehn Stunden lang freuen können.“
André Lange: „Ich habe mich zehn Stunden lang freuen können.“

André Lange: „Ich habe mich zehn Stunden lang freuen können.“

dpa

André Lange: „Ich habe mich zehn Stunden lang freuen können.“

Vancouver. Nach zehn Stunden auf Wolke sieben landete André Lange um 13.30 Uhr Ortszeit in Vancouver. Kurz bevor der dreifache Bob-Olympiasieger in Frankfurt gestartet war, hatte ihm der Chef de Mission Bernhard Schwank nämlich am Telefon die freudige Nachricht übermittelt: Lange wird heute als Fahnenträger die deutsche Mannschaft bei der Eröffnungsfeier der Winterspiele ins BC Place Stadium führen.

"Ich habe mich zehn Stunden lang freuen können", sagte der 36-Jährige, der von seinen Freunden wegen seiner Pfunde zu jungen Rodlerzeiten liebevoll "Bärchen" genannt wird, als er wieder festen Boden unter den Füßen hatte. "Ich bin stolz, zum krönenden Abschluss meiner Karriere die deutsche Mannschaft ins Stadion führen zu dürfen.

Das wird ein bewegender Moment für mich. Ich könnte mir vorstellen, dass mir richtig mächtig die Gänsehaut den Rücken runterläuft. Diese Auszeichnung haben bislang nur ganz wenige Sportler erfahren." Genaue Anweisungen will sich Lange, der mit frisch gefärbten goldblonden Haaren ankam, noch beim Deutschen Olympischen Sportbund (DOSB) holen. "Ich will jedenfalls die Fahne mit Würde ins Stadion tragen."

Die Präsidialkommission hatte Lange aus mehreren Gründen ausgewählt. DOSB-Präsident Thomas Bach schwärmt: "Er ist ein erfolgreicher und untadeliger Olympionike, er ist ein Sympathieträger für den Sport und unser Land, er verkörpert den modernen Athleten: ehrgeizig, aber nicht verkniffen. Und er ist gleichzeitig ein glänzender Botschafter für unsere Münchner Olympia-Bewerbung 2018."

Eigentlich wollte der Bobfahrer, der im Zweier und im Vierer startet, vor den Wettkämpfen jeden Stress vermeiden. Doch nun erschien er fünf Stunden nach der Landung erst mal zur offiziellen Präsentation des DOSB. Danach reiste er ins Olympische Dorf nach Whistler. Zur Eröffnungsfeier muss er heute die 125Kilometer von Whistler wieder zurück nach Vancouver fahren.

André Lange (*28. Juni 1973 in Ilmenau) begann mit Rodeln und wechselte 1993 zum Bobsport. Er ist der erfolgreichste Bobpilot der vergangenen zehn Jahre: Im Zweier- und Viererbob gewann er insgesamt drei olympische Goldmedaillen, 46 Weltcup-Rennen und jeweils acht Europa- und Weltmeisterschaften. Er lebt mit seiner Frau und den beiden Kindern in Suhl.

Bei den Winterspielen 2006 in Turin war Biathletin Kati Wilhelm die Fahnenträgerin. Bei den Sommerspielen 2008 in Peking trug Basketball-Star Dirk Nowitzki die Fahne - zur Enttäuschung der Sportschützen und Kanuten.

Für die letzten Rennen seiner 17-jährigen Karriere peilt Lange den krönenden Abschluss an: Als erster Bobpilot der olympischen Geschichte kann er "auf der sehr schwierigen Bahn" im Whistler Sliding Center sein viertes Gold gewinnen: "Das wäre natürlich fantastisch. Aber ich sehe die Sache ganz entspannt. Wir wollen erstmal zwei ordentliche Wettkämpfe fahren." Und für Scherze ist er auch noch aufgelegt: "Das Gute ist ja, dass die Bären hier unten unter Naturschutz stehen, deshalb kann mir nichts passieren."

Seine Gegner macht er vor dem Start mit coolem Blick mürbe

Zumindest scheinbar ruhig gibt sich Lange immer vor dem Start: Mit verschränkten Armen und coolem Blick bringt er seine Gegner oft zur Weißglut. Zugleich weiß er, was er dem Sport zu verdanken hat: "Es ist für den Moment einfach nur schön, ich habe sicherlich auch sehr viele Dinge aufgrund dieser Erfolge erlebt, sehr viele angenehme Dinge. Dinge, die ein Normalsterblicher nie sehen oder nie erreichen wird."

Nach dem Vierer-Wettbewerb am 27. Februar hört Lange auf - allen Überredungsversuchen seiner Kollegen zum Trotz. "Die Entscheidung aufzuhören, ist unumstößlich."

Klar ist auch, was danach passiert. Lange möchte Trainer werden: "Der Sport ist mein Leben. Es wäre Quatsch, nicht dabei zu bleiben."

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